BPTK FORDERT HILFEN AUCH IN DER KRANKENBEHANDLUNG

Die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) begrüßt, dass Flüchtlinge künftig Hilfe erhalten, wenn sie ohne Dolmetscher nicht in der Lage sind, Sozialleistungen zu beantragen. „Genauso wichtig ist es, genehmigte Leistungen dann auch nutzen zu können“, erklärt BPtK-Präsident Dr. Dietrich Munz zum Entwurf eines Integrationsgesetzes, der heute das Bundeskabinett passiert hat.

„Eine Psychotherapie ist ohne Dolmetscher häufig gar nicht möglich“, stellt der BPtK-Präsident fest. „Psychisch kranke Flüchtlinge können sich meist nur in ihrer Sprache ausreichend ausdrücken, um ihre traumatischen Erlebnisse berichten und bewältigen zu können. Psychotherapeuten brauchen deshalb Dolmetscher oder vergleichbar qualifizierte Sprachmittler, die sowohl mit der psychotherapeutischen Situation vertraut sind als auch über das notwendige kulturelle Wissen über die Herkunftsländer der Flüchtlinge verfügen.“

Nach Schätzungen der BPtK werden die Dolmetscherkosten für die psychotherapeutische Versorgung von Flüchtlingen nach derzeitigem Stand über drei Jahre verteilt maximal 150 Millionen Euro betragen. Diese Ausgaben übernimmt der Staat grundsätzlich solange, bis ein Flüchtling anerkannt ist und arbeiten darf. Erst danach können Ausgaben für die gesetzliche Krankenversicherung entstehen. Als Versicherte zahlen die Flüchtlinge dann allerdings auch Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung.

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Pressemitteilung der BPtK: Integrationsgesetz: Dolmetscher für Flüchtlinge geplant – BPtK fordert Hilfen auch in der Krankenbehandlung

BPtK veröffentlicht Ratgeber für haupt- und ehrenamtliche Flüchtlingshelfer

Viele Flüchtlinge haben in ihrem Heimatland und auf der Flucht Traumatisches erlebt. Ein großer Teil von ihnen leidet noch lange unter den schrecklichen Erlebnissen. Diese Menschen fühlen sich bedroht, obwohl keine akute Gefahr mehr besteht. Sie sind schreckhaft und übermäßig wachsam. Sie leiden unter überfallartigen Erinnerungen (Flashbacks) und vermeiden Gedanken, Situationen und Menschen, die sie an das Erlebte erinnern.

Flüchtlingshelfer wissen häufig nicht, wie sie traumatisierte Flüchtlinge angemessen unterstützen können. Deshalb hat die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) einen Ratgeber für haupt- und ehrenamtliche Flüchtlingshelfer veröffentlicht. Sie informiert darüber, wie sich eine traumatische Erkrankung bemerkbar macht und erläutert, was Flüchtlingshelfer tun können oder lassen sollten.

„Haupt- und ehrenamtliche Helfer können traumatisierten Flüchtlingen wesentlich dabei helfen, ihren Alltag trotz ihrer seelischen Leiden zu meistern“, erklärt BPtK-Präsident Dr. Dietrich Munz. „Sie sollten aber auch wissen, wann professionelle Unterstützung notwendig ist.“

Der Ratgeber kann auf der Homepage der BPtK heruntergeladen werden.

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28. Deutscher Psychotherapeutentag diskutiert insbesondere die Reform der Ausbildung

Zentrale Themen des 28. Deutschen Psychotherapeutentages (DPT) am 23. April 2016 in Berlin waren die Reform der Psychotherapeutenausbildung, die Weiterentwicklung der Psychotherapie-Richtlinie, das neue Psych-Entgeltsystem und die Versorgung psychisch kranker Flüchtlinge. Darüber hinaus stellten die Delegierten die Weichen für eine Ergänzung der Muster-Weiterbildungsordnung um die Zusatzbezeichnung für Psychotherapie bei Diabetes. Sie forderten außerdem eine bessere Eingruppierung von Psychologischen Psychotherapeuten (PP) und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten (KJP) in den laufenden Tarifverhandlungen. Schließlich verlangten sie einen umfassenden Schutz der Beziehung zwischen Patient und Psychotherapeut vor staatlicher Überwachung. Das Bundesverfassungsgericht hatte jüngst das BKA-Gesetz für teilweise verfassungswidrig erklärt und machte damit eine Überarbeitung notwendig.

Den vollständigen Artikel sehen Sie hier.

BPtK fordert bundeseinheitliche Regelungen und Behandlungsstandards

Die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) begrüßt die Novellierung des Unterbringungsrechts von psychisch kranken Straftätern, die am 29. April 2016 vom Bundestag beschlossen wurde.

Das Gesetz präzisiert die Voraussetzungen, nach denen ein psychisch kranker Straftäter in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werden kann. Unterbringungen über zehn Jahre sollen zudem nur noch möglich sein, wenn Taten drohen, durch die die Opfer körperlich oder seelisch schwer geschädigt würden. Die Gefahr rein wirtschaftlicher Schäden reicht in der Regel nicht mehr aus. Das Gesetz verkürzt auch die zeitlichen Abstände, in denen externe Gutachten eingeholt werden müssen. Außerdem besteht die Pflicht, den externen Gutachter zu wechseln. Schließlich dürfen zukünftig nur noch solche ärztlichen und psychologischen Gutachter beauftragt werden, die über forensisch-psychiatrische Sachkunde verfügen.

„Dies sind wichtige konkrete Schritte, um zu einer angemessenen Entscheidung über die Unterbringung psychisch kranker Straftäter zu kommen, die das Bundesverfassungsgericht gefordert hatte“, stellt BPtK-Präsident Dr. Dietrich Munz fest. „Die Unterbringung in einem forensischen Krankenhaus ist jedoch etwas grundlegend anderes als im Strafvollzug. Die kranken Straftäter haben einen Anspruch auf eine angemessene Behandlungsqualität und -dauer. Dafür sind bundeseinheitliche Regelungen im Maßregelvollzug notwendig.“

Die BPtK fordert, einheitliche Behandlungsstandards und die hierfür erforderliche Strukturqualität in den forensischen Kliniken zu sichern. Die unterschiedlichen Regelungen in den Bundesländern bei Sicherungsmaßnahmen und Vollzugslockerungen sind für die Rechtssicherheit der untergebrachten Personen problematisch und beeinflussen die Behandlungsqualität sowie den -verlauf und damit die Dauer der Unterbringung insgesamt. Zu einer umfassenden Reform des Maßregelvollzugs gehört aus BPtK-Sicht außerdem ein Ausbau der Nachsorge, z. B. durch eine bessere Integration von Nachsorgeeinrichtungen des Strafvollzugs.

Die BPtK hatte in ihrer Stellungnahme schließlich auch gefordert, zukünftig ausschließlich Psychotherapeuten und Fachärzte als externe Gutachter zuzulassen. Heilkundliches Wissen ist eine unabdingbare Voraussetzung, um beurteilen zu können, ob eine psychische Erkrankung vorliegt und inwieweit diese Auswirkungen auf die Entwicklung einer Person und ihre delinquenten Verhaltensweisen hat. Bei Rechtspsychologen kann dieses Wissen nicht vorausgesetzt werden.

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Pressemitteilung des Bundesminsteriums für Justiz und Verbraucherschutz

Auf dem 27. DPT im November 2015 wurde der neue PTI-Ausschuss (Psychotherapie in Institutionen) der BPtK gewählt. Von den insgesamt neun Ausschussmitgliedern sind dieses Mal sogar gleich zwei Vertreter aus Ham-burg mit dabei: Johannes Frey und Monika Scholz. Wir wollen die Expertise des Ausschusses und die damit verbundene bundesweite Vernetzung nutzen, um die angestellten Hamburger Kammermitglieder über den Newsletter, aber auch über eine eigene Rubrik auf der Website der Kammer gezielt zu informieren. Zum anderen wollen wir über eine Angestellten-Mailingliste eine Plattform für einen hoffentlich regen Austausch installieren. Über diesen Link kann man sich hierzu anmelden. Tragen Sie sich dazu in das Feld „Abonnieren von PTK-Angestellte“ ein.

Wir würden uns freuen, wenn wir Ihr Interesse geweckt hätten!

Am 23.04.2016 fand der 28. Deutsche Psychotherapeutentag (DPT) in Berlin statt, zu dem sich fast 140 Bundesdelegierte einfanden. Die Hamburger Kammer war mit 7 Bundesdelegierten vertreten. Die Versammlung hatte ein ambitioniertes Tagungsprogramm abzuarbeiten.

Auf dem 28. DPT wurden folgende Resolutionen verabschiedet:

KINDER UND JUGENDLICHE HÄUFIG PSYCHISCH KRANK

Bis zu einem Drittel aller Jungen und Mädchen gibt an, sich schon mindestens einmal absichtlich selbst verletzt zu haben. In Deutschland beschädigen jedes Jahr rund 14 Prozent der Jugendlichen, vor allem Mädchen, ihre Haut durch Schneiden, Ritzen, Kratzen, Schlagen, Kneifen, Beißen oder Verbrennen. Circa vier bis fünf Prozent wiederholen die Selbstverletzungen. Seit neuestem liegt eine S2k-Leitlinie „Nicht-Suizidales Selbstverletzendes Verhalten (NSSV) im Kindes- und Jugendalter“ vor. Basierend auf der wissenschaftlichen Evidenz und einem interdisziplinären Konsens wurden eine einheitliche Klassifikation und Standards für die Diagnostik und Therapie geschaffen.

Selbstverletzendes Verhalten ist nach dem Internationalen Klassifikationssystem ICD-10 keine eigenständige Erkrankung, sondern ein Symptom einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung vom Borderline Typus. Die meisten der sich selbstverletzenden Jugendlichen lassen jedoch keine solche Persönlichkeitsstörung erkennen. Sie haben aber häufig andere psychische Erkrankungen. Auch haben sie ein höheres Risiko für spätere Suizidversuche und Suizide. Dies war der Anlass für die Entwicklung einer eigenen Behandlungsleitlinie für das Jugendalter.

Nach der akuten Wundversorgung und einer vollständigen körperlichen Untersuchung empfiehlt die Leitlinie eine psychopathologische Befunderhebung durch einen Psychotherapeuten oder einen Arzt. Dabei soll insbesondere die Suizidalität des Jugendlichen eingeschätzt werden. Ist eine Behandlung notwendig, muss geklärt werden, ob zunächst das selbstverletzende Verhalten oder die komorbide psychische Erkrankung im Vordergrund stehen soll. Liegt eine psychische Erkrankung vor, soll diese nach der jeweiligen störungsspezifischen Leitlinie behandelt werden.

Einen schnellen Überblick über die empfohlenen Behandlungsentscheidungen gibt die Leitlinie auf der Webseite der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften).

Links
AWMF online: Leitlinie „Nicht-suizidales selbstverletzendes Verhalten (NSSV) im Kindes- und Jugendalter“