ZWISCHEN EMPATHIE UND ABGRENZUNG

„Zwischen Empathie und Abgrenzung – Psychotherapie im Kontext von Flucht- und Migrationsbewegungen und gesellschaftlichen Polarisierungstendenzen“ – unter diesem Titel fanden sich am 10.09.2016 mehr als 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Bildungszentrum „Tor zur Welt“ in Hamburg-Wilhelmsburg ein, um über die Auswirkungen der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen auf die psychotherapeutische Theorie und Praxis zu reflektieren. Sie wurden von Präsidentin Heike Peper im Namen des Kammervorstandes willkommen geheißen, die in ihrer Begrüßungsrede darauf hinwies, dass die psychotherapeutische Versorgung von geflüchteten und migrierten Menschen schon seit vielen Jahren unzureichend und mangelhaft sei. Durch die große Zahl der im vergangenen Jahr nach Deutschland geflüchteten und vielfach traumatisierten Menschen sei der Handlungsbedarf noch dringlicher geworden. Seelische Gesundheit sei eine wesentliche Bedingung für Integration und Teilhabe. Als Profession sollten wir deshalb deutliche Impulse setzen.

Vorträge

Der sehr informative und anregende Vortrag von MA Soz. Maden Preuß „(Un-)Willkommen – Integrationsvorstellungen und Mitgliedschaftsbedingungen der deutschen Mehrheitsbevölkerung“ zeigte anhand der Studie „ZuGleich“ den Shift der Meinungen und Haltungen zu Fragen von Diversität und Integration in den vergangenen zwei Jahren. Einen Bericht zu den aktuellen Ergebnissen der Studie finden Sie hier: Kurzbericht zum Projekt Zugleich – Zugehörigkeit und Gleichwertigkeit

Der zweite Referent des Vormittags, Dipl.-Psych. Fatih Güç, nahm das Publikum mit in sein Behandlungszimmer. Nach kenntnisreichen Ausführungen zu Werten und Moralvorstellungen, insbesondere zum Begriff der Ehre, in islamisch geprägten Kulturen, beschrieb er zwei Behandlungsstunden mit einer Patientin, die im Konflikt zwischen der ihr zugedachten Rolle und Individuationswünschen selbstdestruktive Symptome entwickelt hatte. Fatih Güç hat eine Reihe von Publikationen zu Transkultureller Psychotherapie veröffentlicht. Eine Auswahl finden Sie hier: Ausgewählte Veröffentlichungen

Den Abschluss des Vormittags bildete der Vortrag von Carolin Böhmig, Juristin und Referentin der Bundespsychotherapeutenkammer. Sie gab einen detaillierten Überblick über die rechtlichen und formalen Rahmenbedingungen für die psychotherapeutische Behandlung von geflüchteten Menschen und stellte die Aktivitäten der Kammern dar, mit denen eine Verbesserung der Versorgung erreicht werden soll. Die Präsentation des Vortrages finden Sie hier: Versorgung psychisch kranker Geflüchteter – Quo vadis?

Ergebnisse der Workshops

In den Workshops am Nachmittag wurde das Tagungsthema in verschiedenen Aspekten beleuchtet. Deren Ergebnisse wurden in der Abschlussrunde noch einmal zusammengetragen. Zum Abschluss des Psychotherapeutentages wurde der Appell „Jetzt handeln – damit das gesellschaftliche Zusammenleben gelingen kann!“ verabschiedet. Notwendige fachliche und strukturelle Anforderungen an eine angemessene psychotherapeutische Versorgung psychisch kranker geflüchteter und migrierter Menschen werden darin aufgeführt und ihre Umsetzung dringend angemahnt.

Den Appell, der nach dem Psychotherapeutentag an Hamburger Akteure in Politik und Gesundheitswesen versandt wurde, finden Sie hier: Jetzt handeln – um psychisch erkrankten geflüchteten und migrierten Menschen die Integration und Teilhabe in Hamburg zu ermöglichen!

Der Vorstand der Psychotherapeutenkammer Hamburg dankt allen Vortragenden, allen Leiterinnen und Leitern der Workshops und allen Teilnehmenden dafür, dass sie zu einem anregenden und lebendigen Psychotherapeutentag beigetragen haben.

Bilder
In unserer Fotogalerie vom 6. Hamburger Psychotherapeutentag können Sie ein paar Eindrücke von der Veranstaltung gewinnen.

Zugehörige Galerien:
6. Hamburger Psychotherapeutentag