ANTWORT DER BUNDESREGIERUNG AUF KLEINE ANFRAGE DER LINKEN

Kinder psychisch kranker Eltern haben ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer psychischen Erkrankung. In ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Fraktion DIE LINKE (BT-Drs. 18/12247) geht die Bundesregierung davon aus, dass bei ca. 3,8 Millionen Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren im Laufe eines Jahres ein Elternteil psychisch krank ist. Darunter sind etwa 500.000 bis 600.000 Kinder unter drei Jahren.

Zur Versorgung gibt es bisher kaum gesicherte Daten. Die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) fordert deshalb, den Unterstützungs- und Behandlungsbedarf von Kindern psychisch kranker Eltern systematisch abzuklären. Die Betroffenen brauchen einen gesicherten Zugang zu niedrigschwelligen und nachhaltigen, kooperativen und multiprofessionellen Hilfen. Zu zielgruppengerechten Hilfen weist die Bundesregierung auf einzelne Modellprojekte hin und sieht zugleich Bedarf zur Weiterentwicklung. Dazu gehört die bessere Vernetzung der Akteure aus unterschiedlichen Hilfesystemen.

Damit Hilfen für Kinder psychisch kranker Eltern nicht länger an unterschiedlichen Zuständigkeiten und Kostenträgern scheitern, muss der gesetzliche Handlungsbedarf geklärt und umgesetzt werden. Die BPtK ist daher Mitunterzeichnerin eines Antrags des Familien- und Gesundheitsausschusses, eine interdisziplinäre Sachverständigenkommission einzusetzen.

Links:
Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage

PSYCHOTHERAPEUTENKAMMER HAMBURG

Im vergangenen Jahr haben wir eine Umfrage gestartet, um herauszufiltern, welche Themen für Sie als Kammermitglieder von besonders großem Interesse sind. Zu den favorisierten Themen möchten wir in Zukunft Fortbildungsveranstaltungen anbieten. Im Januar und Februar haben bereits zwei Informationsveranstaltungen zur neuen Psychotherapierichtlinie stattgefunden (die Präsentation finden Sie hier). Im kommenden Juli ist eine Veranstaltung dem Thema „Schweigepflicht in der Psychotherapie“ geplant.

Wann?
Mittwoch, 05.07.2017 um 19:30 Uhr

Wo?
Haus des Sports (1. OG), Schäferkampsallee 1, 20357 Hamburg

Was?
In der Veranstaltung sollen Fragen zur Schweigepflicht in der Psychotherapie behandelt werden. Johannes Schopohl, Referent der Bundespsychotherapeutenkammer, wird zu diesem Thema referieren. Im Anschluss werden Fallbeispiele aus der psychotherapeutischen Praxis vorgestellt und diskutiert. Eigene Fallbeispiele und Fragen können eingebracht werden. Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos. Es werden drei Fortbildungspunkte vergeben.

Flyer_Schweigepflicht_in_der_Psychotherapie.pdf (PDF, 694 kb)

Bitte beachten Sie:
Während der Veranstaltung werden von der Psychotherapeutenkammer Hamburg Fotos zu Zwecken der Öffentlichkeitsarbeit aufgenommen. Diese werden auf der Homepage, im Newsletter und/oder dem Psychotherapeutenjournal veröffentlicht.

30. DEUTSCHER PSYCHOTHERAPEUTENTAG IN HANNOVER

Der 30. Deutsche Psychotherapeutentag (DPT) vom 12. bis 13. Mai in Hannover sprach sich mit überwältigender Mehrheit für eine Reform der Psychotherapeutenausbildung aus. In mehr als zweijähriger Arbeit hatten Experten aus den Reihen der Psychotherapeuten gemeinsam mit dem Vorstand der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) und den Präsidentinnen und Präsidenten der Landespsychotherapeutenkammern ein Konzept erarbeitet, das in großer Detailtiefe die künftigen Inhalte, Strukturen und die Finanzierung der psychotherapeutischen Aus- und Weiterbildung beschreibt. Die Reform der Psychotherapeutenausbildung gehört zu den wichtigsten Forderungen der Profession für die nächste Legislaturperiode. Als weitere zentrale Forderung wurde intensiv die notwendige Reform der Bedarfsplanung für den Bereich der Psychotherapie diskutiert.

Den gesamten Artikel sowie fotografische Eindrücke vom 30. Deutschen Psychotherapeutentag erhalten Sie hier.

BPtK: Psychisch Kranke haben wie bisher Anspruch auf Kostenerstattung

Psychisch kranke Menschen haben weiterhin einen Anspruch auf Kostenerstattung nach § 13 Absatz 3 SGB. Mit dieser Klarstellung reagiert die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) auf die erneute Weigerung einiger gesetzlicher Krankenkassen, eine psychotherapeutische Behandlung auch in Privatpraxen zu bezahlen, wenn es keine Behandlungsmöglichkeit bei einem zugelassenen Psychotherapeuten gibt. Die Kassen lehnen diese Anträge ihrer Versicherten auf Kostenerstattung mit der Begründung ab, dass durch die neue psychotherapeutische Sprechstunde und Akutbehandlung, die am 1. April 2017 eingeführt wurden, jeder psychisch kranke Versicherte kurzfristig behandelt werden könne.

„Sprechstunde und Akutbehandlung sind grundsätzlich andere Leistungen als eine klassische Psychotherapie“, erläutert BPtK-Präsident Dr. Dietrich Munz. „Die Krankenkassen handeln eindeutig rechtswidrig, wenn sie den grundsätzlichen Anspruch des Versicherten auf eine ambulante Psychotherapie einschränken. Auch nach Einführung der Sprechstunde und Akutbehandlung besteht weiterhin ein Anspruch auf eine Richtlinienpsychotherapie. Kann die Kasse eine solche Behandlung durch einen zugelassenen Psychotherapeuten nicht sicherstellen, muss sie die Kosten für die Behandlung in einer Privatpraxis übernehmen.“

Die psychotherapeutische Sprechstunde dient der Diagnose und Beratung des Patienten. In der Sprechstunde erfährt der Patient insbesondere, ob er psychisch krank ist und welche Behandlung er benötigt. Die Sprechstunde ist für Patienten erst ab dem 1. April 2018 verbindlich, sie kann aber jetzt schon genutzt werden, um festzustellen, ob eine psychotherapeutische Behandlung notwendig und unaufschiebbar ist.

Dies kann sowohl eine Akutbehandlung als auch eine klassische Psychotherapie sein. Dabei handelt es sich allerdings um verschiedene Leistungen. Die Akutbehandlung dient der kurzfristigen Stabilisierung des Patienten. Sie wird angewandt, wenn der Patient sich in einer akuten psychischen Krise befindet. Eine Akutbehandlung soll verhindern, dass ein Patient in ein Krankenhaus eingewiesen werden muss oder arbeitsunfähig wird. Die Akutbehandlung ist aber keine umfassende Behandlung der psychischen Erkrankung. Ist nicht allein eine kurzfristige Stabilisierung erforderlich, ist eine klassische Psychotherapie als Kurz- oder Langzeittherapie die richtige Behandlung.

„Auch eine klassische Psychotherapie kann kurzfristig notwendig sein, weil sich sonst die psychische Erkrankung verschlimmert oder chronifiziert“, erklärt BPtK-Präsident Munz. „Bei notwendigen und unaufschiebbaren Leistungen hat der gesetzlich Versicherte aber nach wie vor den Anspruch, sich in einer Privatpraxis behandeln zu lassen, wenn er keinen zugelassenen Psychotherapeuten findet.“

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BPtK-Forderungen für die nächste Legislaturperiode

Die Psychotherapeutenschaft fordert für die nächste Legislaturperiode insbesondere eine Reform ihrer Ausbildung. „Jedes Jahr Verzögerung bedeutet, dass unser Nachwuchs seinen Beruf weiter unter prekären Bedingungen erlernen muss“, erklärt Dr. Dietrich Munz, Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK). „Jedes Jahr Verzögerung verlängert für die Studenten die Unsicherheit, ob sie mit dem gewählten Studium überhaupt eine Psychotherapeutenausbildung beginnen können. Beides ist schon lange nicht mehr tragbar.“

„Wir brauchen eine angemessene Finanzierung der psychotherapeutischen Weiterbildung“, fordert Dr. Munz. „Für die Behandlung psychisch kranker Menschen sind hoch qualifizierte Psychotherapeuten notwendig und die sind nicht zum Nulltarif zu haben. Insbesondere die gesetzliche Krankenversicherung muss es als ihre Aufgabe begreifen, hier in eine Verbesserung der Versorgung zu investieren.“ Die BPtK fordert ein Studium, das auf Masterniveau qualifiziert und mit einem Staatsexamen abschließt. An das Approbationsstudium soll sich eine Weiterbildung anschließen, in der sich Psychotherapeuten für die Versorgung von Kindern und Jugendlichen oder Erwachsenen entscheiden und sich gleichzeitig für ein psychotherapeutisches Verfahren qualifizieren.

Weitere Forderungen der Psychotherapeuten für die nächste Legislaturperiode sind insbesondere die Reform der Bedarfsplanung, eine Krankenvollversicherung, die psychisch kranke Menschen weder beim Abschluss einer Versicherung noch bei den notwendigen Leistungen diskriminiert, mehr Prävention und Gesundheitsförderung für psychische Gesundheit sowie eine angemessene Vergütung psychotherapeutischer Leistungen.

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Am 12. und 13.05.2017 fand in Hannover der 30. Deutsche Psychotherapeutentag statt.

Hier finden Sie die Resolutionen des 30. DPTs zum Download:

    • Wissenschaftliche Grundlage unverzichtbar!

30. DPT – Resolution Wissenschaftliche Grundlage unverzichtbar.pdf (PDF, 79 kb)

    • Versorgung psychisch kranker Flüchtlinge sicherstellen

30. DPT – Resolution – Versorgung psychisch kranker Flüchtlinge sicherst….pdf (PDF, 92 kb)

    • Respekt zeigen, Toleranz leben, Demokratie schützen

30. DPT – Resolution – Respekt zeigen, Toleranz leben, Demokratie schütz….pdf (PDF, 62 kb)

    • Bedarfsgerechte psychotherapeutische Versorgung sichern

30. DPT – Resolution – Bedarfsgerechte psychotherapeutische Versorgung s….pdf (PDF, 94 kb)

    • Absoluter Schutz psychotherapeutischer Gespräche notwendig – Bundeskriminalamtgesetz dringend überarbeiten

30. DPT – Resolution – Absoluter Schutz psychotherapeutischer Gespräche ….pdf (PDF, 77 kb)

AM 10. JUNI 2017 IN HANNOVER

Den Flyer zur Veranstaltungen mit allen Informationen finden Sie hier:

Psychosoziale Notfallversorgung am 10.06.2017 in Hannover (PDF, 355 kb)

Internationaler Round-Table der BPtK am 23. März 2017 in Berlin

Die Versorgung psychisch kranker Flüchtlinge in Europa ist mangelhaft und sollte dringend verbessert werden. Das war das Fazit eines Round-Table-Gesprächs der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) am 23. März 2017 in Berlin, an dem Experten aus neun verschiedenen europäischen Ländern sowie eine Vertreterin der Europäischen Kommission teilnahmen.

Den gesamten Artikel sowie eine Auswahl an Bildern können Sie hier einsehen.

Bewertungsausschuss verwendet neue Vergütungssystematik

Der Bewertungsausschuss hat zum 1. Juli 2017 eine deutlich bessere Vergütung der gruppenpsychotherapeutischen Leistungen beschlossen. Der aktuelle Beschluss verwendet dabei eine neue Vergütungssystematik. Künftig richtet sich die Höhe der Vergütung differenziert nach der Zahl der jeweils anwesenden Gruppenteilnehmer. Die alte Einteilung in kleine und große Gruppen wurde in diesem Zusammenhang aufgehoben. In diesem Zuge wird das gesamte Kapitel 35.2 EBM neu strukturiert. Auch die Leistungen der Einzelpsychotherapie und der Testdiagnostik erhalten neue Gebührenordnungspositionen.

Mit dem Beschluss wird insbesondere die Vergütung für größere Gruppen substanziell angehoben. Im Durchschnitt steigt die Vergütung für gruppenpsychotherapeutische Leistungen um ein Fünftel. Die Höhe der Vergütung schwankt pro Patient und 100-minütiger Therapieeinheit zwischen 51,07 Euro bei neun Teilnehmern und 88,03 Euro bei drei Teilnehmern. Damit entspricht die Vergütung für eine Gruppe mit drei Teilnehmern der bisherigen Vergütung für die kleine Gruppe. Für die Gruppe mit vier Teilnehmern resultiert dagegen eine im Vergleich zur bisherigen Regelung um 16 Prozent geringere Vergütung je Patient. Dadurch wird der Aufwand für die Behandlung in kleinen Gruppen, die nicht zuletzt in der Versorgung von Kindern und Jugendlichen bedeutsam sind, schlechter abgebildet.

Bei der Reform der Psychotherapie-Richtlinie hatte der Gemeinsame Bundesausschuss keine relevanten Impulse für die gesetzlich geforderte Förderung der Gruppentherapie gesetzt. Im Gegenteil führt die Zweiteilung der Kurzzeittherapie gerade auch für die Gruppentherapie zu einem erheblichen bürokratischen Mehraufwand. Kleinere Vereinfachungen im Gutachterverfahren und Anpassungen bei der Gruppengröße können diese Nachteile nicht kompensieren. Mit dem aktuellen Beschluss erfährt dagegen die Gruppenpsychotherapie eine deutliche Aufwertung. Der zusätzliche Aufwand der Gruppentherapie im Vergleich zur Einzeltherapie wird besser abgebildet – mit Ausnahme der kleinen Gruppen.

Ausführliche Informationen zur Reform der Psychotherapie-Richtlinie und zu den Honorarbeschlüssen finden sich in der Praxis-Info „Psychotherapie-Richtlinie“ der BPtK.

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BAUA LEGT UMFANGREICHES GUTACHTEN VOR

Psychische Belastungen am Arbeitsplatz können krank machen. Das zeigt ein umfangreiches Gutachten der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), das am 5. Mai vorgestellt wurde. Danach gehören beispielsweise eine langandauernd hohe Arbeitsintensität, geringe Erholungszeiten, enge Handlungsspielräume, häufige Störungen und Unterbrechungen bei der Arbeit und anhaltende Konflikte mit Kolleginnen und Kollegen zu den Belastungen am Arbeitsplatz, die die psychische Gesundheit beeinträchtigen und das Risiko für psychische Erkrankungen erhöhen. Anderseits ist Arbeit auch eine Ressource, die die psychische Gesundheit stärken kann.

„Der Bericht belegt, dass psychische Belastungen in der Gefährdungsbeurteilung und im Arbeitsschutz noch nicht ausreichend verankert sind“, stellt Dr. Dietrich Munz, Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK), fest. „Politik und Sozialpartner müssen mehr als bisher dafür Sorge tragen, dass arbeitsbedingte psychische Belastungen frühzeitig und besser erkannt und verringert werden.“

Der Bericht enthält zehn Empfehlungen für die Weiterentwicklung des Arbeits- und Gesundheitsschutzes bei psychischen Belastungen. Hierzu gehören die Begrenzung und partizipative Gestaltung der Arbeitszeit, das Ausbalancieren zwischen Arbeit und Erholung, die Stärkung der Bedeutung der Führungskräfte für eine Arbeitsgestaltung, die der psychischen Gesundheit zuträglich ist, und den Aufbau von Strukturen, die es ermöglichen, psychische Probleme von Beschäftigten so früh wie möglich zu erkennen und sie bei der Bewältigung zu unterstützen.

Der Bericht ist der Startschuss für einen Runden Tisch zwischen Gewerkschaften, Arbeitgebern und dem Bundesarbeitsministerium zur psychischen Gesundheit in der Arbeitswelt, an dem auch die BAuA und die Nationale Arbeitsschutzkonferenz beteiligt sein werden. „Wir begrüßen den geplanten Dialog zwischen den Sozialpartnern und dem Bundesarbeitsministerium“, erklärt BPtK-Präsident Dr. Munz. „Wir hoffen, dass daraus konkrete und wirksame Maßnahmen abgeleitet werden.“

Links:
Abschlussprojekt „Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt – Wissenschaftliche Standortbestimmung“