IQWIG LEGT ABSCHLUSSBERICHT VOR

Die Wirksamkeit der Systemischen Therapie kann für eine Reihe von Störungsbereichen gezeigt werden. Das ist das Ergebnis eines Abschlussberichts, den das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) am 24. Juli 2017 veröffentlicht hat. Der Bericht bewertet den Nutzen der Systemischen Therapie bei Erwachsenen. Danach liegen „Hinweise“ und „Anhaltspunkte“ auf den Nutzen insbesondere bei den besonders versorgungsrelevanten Indikationen vor, die für eine Anerkennung der Systemischen Therapie als neues Psychotherapieverfahren erforderlich sind. Der Bericht unterscheidet bei der Bewertung von Studienergebnissen die Kategorien „kein Anhaltspunkt“, „Anhaltspunkt“, „Hinweis“ und „Beleg“.

Das IQWiG fand Hinweise auf den Nutzen bei Angst- und Zwangsstörungen und Anhaltspunkte für den Nutzen bei affektiven Störungen. Dieser Nachweis ist erforderlich, damit ein Psychotherapieverfahren in der vertragsärztlichen Versorgung angewendet werden kann. Darüber hinaus fand das IQWiG auch Hinweise für einen Nutzen bei Schizophrenie und Anhaltspunkte für den Nutzen bei Substanzkonsumstörungen, Essstörungen und körperlichen Erkrankungen und gemischten Störungen.

Vergleicht man den IQWiG-Abschlussbericht mit dem Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats Psychotherapie aus dem Jahr 2006, so ergibt sich insgesamt ein vergleichbares Bild. Das IQWiG fand aufgrund der verbesserten Studienlage zusätzlich einen Hinweis auf den Nutzen bei Angststörungen. Kritisch wird im Bericht angemerkt, dass die geprüften Studien keine verwertbaren Daten zu unerwünschten Ereignissen enthalten.

In den berücksichtigten Studien würden zwar mögliche Verschlechterungen oder das Fortdauern von Symptomen abgebildet. Auch könnten potenziell negative Auswirkungen der Therapie auf den Arbeits-, Familien- oder sozialen Kontext eines Patienten abgeschätzt werden. Dagegen fehlten in den Studien Angaben zu unerwarteten Ereignissen. Dennoch zieht das IQWiG insgesamt den Schluss, dass wegen der fehlenden Informationen zu unerwarteten Ereignissen keine Gesamtabwägung zu Nutzen und Schaden möglich sei.

Die Nutzenbewertung der Systemischen Therapie erfolgte im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA). Nach Abgabe des Abschlussberichts des IQWiG kommt nun dem G-BA die Aufgabe zu, auf Basis dieser Nutzenbewertung unter zusätzlicher Berücksichtigung der medizinischen Notwendigkeit und Wirtschaftlichkeit über die sozialrechtliche Zulassung der Systemischen Therapie zu entscheiden.

Links:
Abschlussbericht des IQWiG

BPtK fordert zügige Reform nach der Bundestagswahl

Berlin, 26. Juli 2017: Die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) begrüßt den Arbeitsentwurf des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) für ein Gesetz zur Reform der Psychotherapeutenausbildung. „Wir sind froh, dass das Bundesgesundheitsministerium noch in dieser Legislaturperiode konkrete Vorstellungen für ein Approbationsstudium vorgelegt hat“, erklärt BPtK-Präsident Dr. Dietrich Munz. „Auch wenn es bei einigen Details noch Klärungsbedarf gibt, folgt das Ministerium in vielen Bereichen den Vorschlägen der Psychotherapeutenschaft“.

Künftig werden in der Ausbildung besser als bisher Grundlagen für Tätigkeiten geschaffen, die viele Psychotherapeuten faktisch jetzt schon ausüben. Dazu gehören vor allem Tätigkeiten in der Prävention und Rehabilitation, die Übernahme von Leitungsfunktionen oder die Veranlassung von Behandlungsmaßnahmen durch Dritte sowie gutachterliche Tätigkeiten. „Damit greift das Ministerium unser Berufsbild adäquat auf und stellt die richtigen Weichen für die Zukunft“, stellt der BPtK-Präsident fest. „Die Einführung eines Approbationsstudiums für Psychotherapeuten ist allerdings nur ein Teil der notwenigen Änderungen. Zur künftigen Qualifizierung gehört, wie bei Ärzten, im Anschluss an das Studium untrennbar die Weiterbildung.“

Erst nach einer Weiterbildung können Psychotherapeuten die Fachkunde für die Behandlung von gesetzlich Krankenversicherten erwerben. „Mit der Reform müssen die gesetzlichen Grundlagen geschaffen werden, dass nicht nur die Ausbildung, sondern auch die Weiterbildung ermöglicht wird“, fordert Munz. „Deshalb erwarten wir auch hierzu noch konkrete Regelungsvorschläge vom Gesundheitsministerium.“

Der Reformbedarf ist insbesondere wegen der nicht mehr ausreichenden Zugangsregelungen zur Ausbildung und wegen des prekären finanziellen und rechtlichen Status der Ausbildungsteilnehmer unstrittig. Der Deutsche Psychotherapeutentag hat sich im Mai 2017 mit überwältigender Mehrheit für ein Qualifizierungskonzept ausgesprochen, das unter breiter Beteiligung der Profession erarbeitet wurde und detaillierte Vorschläge für das Approbationsstudium und die Weiterbildung enthält. „Diese Reform ist ein zentrales Anliegen der Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten“, betont Munz. „Wir setzen deshalb auf eine zügige Reform zu Beginn der nächsten Legislaturperiode des Deutschen Bundestages.“

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Gern machen wir Sie auf die Fortbildungsreihe „Psychotherapie im Kontext von Migration und Flucht“ von SEGEMI e.V. aufmerksam, das die Psychotherapeutenkammer Hamburg ideell und organisatorisch unterstützt.

Den Infoflyer mit den Inhalten und Terminen finden Sie hier.

Eine Anmeldung erfolgt über die Psychotherapeutenkammer Hamburg unter info@ptk-hamburg.de. Sie erhalten von SEGEMI e.V. eine Rechnung.

BPTK-SYMPOSIUM: INTERNET IN DER PSYCHOTHERAPIE

Das Internet spielt mittlerweile in fast allen Lebensbereichen eine wichtige Rolle. Ganz selbstverständlich wird es genutzt, um sich zu informieren und zu kommunizieren. Rund 30 Prozent der Deutschen haben auf ihren Smartphones Gesundheits-Apps installiert. Auch für psychische Erkrankungen gibt es bereits zahlreiche Präventions- und Behandlungsangebote.

Nicht jedem Nutzer ist jedoch klar, worauf er sich einlässt, wenn er Internetprogramme für psychische Beschwerden nutzt. Wird er nur beraten oder schon behandelt? Ist das Programm auf seine Wirksamkeit untersucht? Hat es Nebenwirkungen? Bekommt er während der Nutzung eine Unterstützung? Und wenn ja, von wem? Von einem approbierten Psychotherapeuten oder gibt ein Computer standardisierte Antworten?

Die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) veranstaltete deshalb am 27. Juni 2017 in Berlin ein Symposium, um fachliche und politische Aspekte des Internets in der psychotherapeutischen Versorgung zu diskutieren. „Eine Integration des Internets in die Psychotherapie bietet Chancen“, stellte BPtK-Präsident Dr. Dietrich Munz eingangs fest: Programme könnten flexibel im Alltag genutzt werden. Gehbehinderten Patienten könnten z. B. durch Behandlungen per Video besonders beschwerliche Anfahrtswege zum Psychotherapeuten erspart werden. Es stelle sich daher die Frage, wann Internetprogramme die klassische Psychotherapie ergänzen können. Dafür müssen wirksame Internetprogramme aber zunächst zur Regelleistung für alle Versicherten der gesetzlichen Krankenversicherung gemacht werden. In unserem Gesundheitssystem müsse überlegt werden, wie Patienten die bestmögliche Behandlung ihrer psychischen Beschwerden erhalten.

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Den vollständigen Artikel finden Sie auf der Homepage der BPtK. (Bitte hier klicken)

Fragen, die Psychotherapeuten vor dem Einsatz klären sollten

Die BPtK hat einen Leitfaden für den Einsatz von Internetprogrammen und elektronischen Kommunikationsmitteln im Praxisalltag entwickelt. Dieser Leitfaden soll Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten bei einer Entscheidung unterstützen, ob und wie sie Internetprogramme zur Prävention und Behandlung psychischer Beschwerden oder Erkrankungen nutzen können.

Der Leitfaden beinhaltet grundlegende Fragen, die den Psychotherapeuten oder die Psychotherapeutin bei der Entscheidung unterstützen sollen, ob und welche Programme für eine Behandlung eines Patienten oder einer Patientin im Einzelfall hilfreich sein können. Die Fragen können auch für die Besprechung mit den Patienten genutzt werden. Der Leitfaden bietet Kriterien, um Nutzen und Risiko von Internetprogrammen abwägen und entscheiden zu können, ob bei einem Patienten der Einsatz grundsätzlich infrage kommt. Dabei geht es z. B. um die Einschätzung, ob und wie intensiv der Patient bisher das Internet nutzt und wie sensibel er mit den eigenen Daten umgeht.

Weitere Fragen betreffen den Inhalt der Programme, wie z. B. welche Aufgaben und Funktionen sie übernehmen, ob es Kontraindikationen gibt, ob sie individualisiert werden oder mit ihnen der Therapieverlauf regelmäßig erfasst werden kann, welche Funktionen sie in Krisensituationen bieten, ob ausreichender Datenschutz und Datensicherheit sichergestellt sind, ob sie evidenzbasiert sind, wie viel Zeit oder ob sie eine Schulung erfordern. Diese Fragen sind bei der Beurteilung hilfreich, ob ein bestimmtes Programm im Einzelfall in einer psychotherapeutischen Behandlung eingesetzt werden kann.

Internetprogramme zur Prävention und Behandlung psychischer Erkrankungen erfordern mindestens die gleiche Sorgfalt wie Behandlungen im unmittelbaren Gegenüber. Diagnostik und Aufklärung müssen grundsätzlich im unmittelbaren Kontakt zwischen Psychotherapeut und Patient erfolgen. Der Leitfaden beschreibt deshalb, worauf Psychotherapeuten bei der Aufklärung und Erstellung von Krisenplänen besonders achten und welche zusätzlichen Vereinbarungen getroffen werden sollten.

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Verstärkte Zusammenarbeit verabredet

Am 28. April 2017 fand das erste bundesweite Round-Table „Selbsthilfe und Psychotherapie“ in Berlin statt. Auf Einladung der Nationalen Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen (NAKOS) und der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) nahmen insgesamt 35 Vertreterinnen und Vertreter der Selbsthilfekontaktstellen und der Landespsychotherapeutenkammern aus dem gesamten Bundesgebiet an dieser Veranstaltung teil. Ziel war, die jeweiligen Behandlungs- und Versorgungsmöglichkeiten kennen zu lernen und Anknüpfungspunkte für eine intensivere Kooperation zu identifizieren.

Mit der neuen Psychotherapie-Richtlinie wurde die Lotsenfunktion der Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in der Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen weiter gestärkt. Psychotherapeuten informieren seit dem 1. April Patientinnen und Patienten in der Sprechstunde über Behandlungs- und Therapiemöglichkeiten und ggf. auch über Möglichkeiten der gemeinschaftlichen Selbsthilfe.

Selbsthilfekontaktstellen als niedrigschwellige und wohnortnahe professionelle Unterstützungsstrukturen, die in vielen Landkreisen des Bundesgebietes zur Verfügung stehen, sind für Menschen mit psychischen Problemen oder Erkrankungen wichtige Anlaufstellen und Mittler zur professionellen Versorgung. Sie führen Verzeichnisse über die Selbsthilfegruppen in ihrem Einzugsgebiet, informieren Interessierte und Multiplikatoren über die Selbsthilfearbeit und bieten Unterstützung bei der Gruppengründung und Begleitung in verschiedenen Gruppenphasen. Die Rolle der gemeinschaftlichen Selbsthilfe für die Prävention wurde zuletzt durch das seit 2016 geltende Präventionsgesetz weiter gestärkt.

Die anwesenden Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten sowie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kontaktstellen berichteten von ihren Erfahrungen, die sie in ihrer Arbeit mit Menschen mit seelischen Erkrankungen und Problemen machen. Problematisch seien dabei immer wieder die Patienten, die keinen Therapieplatz finden und dann Selbsthilfe als Zwischenlösung oder „Therapie light“ in Anspruch nehmen wollen. Dies würde die Selbsthilfegruppen überfordern und werde dem Behandlungsbedarf der Patienten nicht gerecht. Deshalb hoffe man in den Kontaktstellen, dass durch die psychotherapeutische Sprechstunde ein schnellerer Zugang zur Versorgung möglich werde. Zugleich wurde die Sorge geäußert, dass Psychotherapeuten vor dem Hintergrund fehlender Therapieplätze künftig vermehrt auch auf die Angebote der Selbsthilfe verweisen könnten und damit Kapazitätsprobleme bei den Kontaktstellen (insbesondere bei Clearing-Gesprächen) entstehen werden.

Eine zentrale Frage für die Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten war, für wen und unter welchen Voraussetzungen eine Selbsthilfegruppe geeignet sein kann und wem sie die Teilnahme an einer Gruppe empfehlen können und wem eher nicht. Betont wurde, dass es keine allgemeine Indikation für gemeinschaftliche Selbsthilfe als alleinstehendes Versorgungsangebot gebe. Die Gruppenselbsthilfe sei jedoch im Genesungsprozess eine gute ergänzende Möglichkeit parallel zu oder im Anschluss an die psychotherapeutische oder ärztliche Behandlung. Für Menschen in akuten Krisen sei Gruppenselbsthilfe dagegen ungeeignet. Die Bereitschaft, Angebote der Selbsthilfegruppen zu nutzen, sei bei Menschen, die in der Klinik oder auch ambulant eine Psychotherapie kennengelernt haben, am größten, berichteten die Kontaktstellen.

In der abschließenden Erörterung zukünftiger Kooperationsfelder stand zunächst die Empfehlung im Vordergrund, dass Psychotherapeuten Menschen mit psychischen Beschwerden, die sich die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe vorstellen können, auf die örtliche Selbsthilfekontaktstelle hinzuweisen. Alternativ könnten die Praxen bei den Selbsthilfekontaktstellen auch direkt die entsprechenden regionalen Gruppen erfragen. Außerdem könnten die Landespsychotherapeutenkammern zusammen mit den Landesarbeitsgemeinschaften der Selbsthilfekontaktstellen regionale Round-Table-Gespräche durchführen und so einen weiteren Austausch ermöglichen. Ebenso wurden Informationsveranstaltungen zur Selbsthilfe für Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten als ein Weg für die Beförderung der Zusammenarbeit genannt. Hier können beispielsweise die von den Kassenärztlichen Vereinigungen (bzw. Kooperationsberatungsstellen für Selbsthilfegruppen und Ärzte) in Nordrhein und Westfalen sowie in Baden-Württemberg entwickelten Seminare für Praxispersonal ein hilfreicher Ansatz sein. Schließlich wurde die Beteiligung der Selbsthilfekontaktstellen und der NAKOS an einer größeren multiprofessionellen Veranstaltung mit den einschlägigen Fachgesellschaften und Verbänden für das Jahr 2018 in Betracht gezogen.

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KURZBERICHT

Am 05.07.2017 fand in den Räumlichkeiten des Hauses des Sports am Schlump die Veranstaltung „Schweigepflicht in der Psychotherapie“ mit rund 70 Gästen statt.

Zu Beginn erläuterte Johannes Schopohl, Referent der Bundespsychotherapeutenkammer, die wesentlichen rechtlichen Rahmenbedingungen. Im Anschluss folgten Fallbeispiele von den teilnehmenden Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten sowie eine anregende Diskussionsrunde.

Die Präsentation des Referenten Johannes Schopohl können Sie hier herunterladen:

Präsentation Schopohl, BPtK, Schweigepflicht in der Psychotherapie.pdf (PDF, 812 kb)