ARBEIT ZU DRITT – MODELLPROJEKT ZUR INTEGRATION VON SPRACHMITTLERINNEN IN DIE AMBULANTE PSYCHOTHERAPEUTISCH-PSYCHIATRISCHE VERSORGUNG

Ab dem 1.9.2017 können sich Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten sowie Psychiaterinnen und Psychiater, die in der ambulanten Versorgung in Hamburg tätig sind, bei der Psychosozialen Beratungs- und Koordinierungsstelle SEGEMI melden und bekommen eine Sprachmittlerin / einen Sprachmittler für die Behandlung von nicht Deutsch sprechenden Patientinnen und Patienten kostenlos vermittelt.

Nachdem die Hamburgische Bürgerschaft am 9.11.2016 beschlossen hatte, aus dem Integrationsfonds Mittel in Höhe von 200.000 € für das Projekt zur Verfügung zu stellen, sind nun alle Vorbereitungen für den „Dolmetscher-/Sprachmittlerpool“ abgeschlossen. In einer Informationsveranstaltung am 20.9.2017 wird das Projekt dem Fachpublikum vorgestellt (siehe anliegende Ankündigung). Die erfahrene Sprachmittlerin Rabia Tayyeb wird von ihren bisherigen Erfahrungen berichten. Jasmina Wichers, Koordinatorin des Projekts, wird das Antragsverfahren und die notwendigen Formalitäten erklären.

Dr. Mike Mösko, Vorsitzender des gemeinnützigen Vereins SEGEMI: „Wir sind froh, dass wir jetzt starten können. Zurzeit können wir qualifizierte Sprachmittlerinnen und Sprachmittler für zehn Sprachen vermitteln. Wir haben das Antragsverfahren so einfach wie möglich gestaltet. Die Vergütung der Sprachmittlerinnen und Sprachmittler erfolgt direkt über die Beratungs- und Koordinierungsstelle.“

Das Modellprojekt wurde in Kooperation von SEGEMI, der Psychotherapeutenkammer Hamburg und dem PARITÄTISCHEN Wohlfahrtsverband Hamburg entwickelt.

Dipl.-Psych. Heike Peper, Präsidentin der Psychotherapeutenkammer Hamburg: „Wir laden auch ausdrücklich Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, die sich noch in der Ausbildung befinden, zur Veranstaltung ein. Denn erste Erfahrungen mit psychotherapeutischen Behandlungen, die durch eine Sprachmittlerin bzw. einen Sprachmittler unterstützt werden, sollten bereits in der Ausbildung erworben werden.“

Das in Deutschland einzigartige Projekt hat zunächst eine Laufzeit von einem Jahr und wird in dieser Zeit begleitend wissenschaftlich evaluiert.

Joachim Speicher, Geschäftsführender Vorstand des PARITÄTISCHEN Wohlfahrtsverbands Hamburg: „Wir sind gespannt auf die Akzeptanz und Inanspruchnahme des Dolmetscherpools und erhoffen uns von der begleitenden Evaluation wichtige Erkenntnisse und Rückmeldungen aus den psychotherapeutischen bzw. psychiatrischen Praxen. Unser Ziel ist die Verstetigung einer Finanzierung von Sprachmittlung im Gesundheitswesen.“


– Pressemitteilung: 27.09.2017: Sprachmittlerpool startet.pdf (PDF, 535 kb)

– Veranstaltung „Arbeit zu Dritt – Modellprojekt zur Integration von SprachmittlerInnen in die ambulante psychotherapeutisch-psychiatrische Versorgung“


Rückfragen und Interviewwünsche richten Sie bitte an:

Dr. Mike Mösko, SEGEMI Seelische Gesundheit • Migration und Flucht e.V.:
sprachmittler@segemi.org , Tel.: 040-63692499

Dipl. Psych. Heike Peper, Psychotherapeutenkammer Hamburg:
peper@ptk-hamburg.de, Tel.: 040 – 226 226 060

Joachim Speicher, der PARITÄTISCHE Wohlfahrtsverband Hamburg:
info@paritaet-hamburg.de , Tel.: 040 41 52 01 0

MODELLPROJEKT ZUR INTEGRATION VON SPRACHMITTLERINNEN IN DIE AMBULANTE PSYCHOTHERAPEUTISCH-PSYCHIATRISCHE VERSORGUNG

Im Herbst 2016 beschloss die Hamburgische Bürgerschaft die Finanzierung eines „Dolmetscherpools“ für die psychotherapeutische Behandlung von traumatisierten und psychisch kranken geflüchteten Menschen. Der Verein SEGEMI (Seelische Gesundheit Migration und Flucht e.V.) hatte hierzu in Kooperation mit dem Paritätischen Wohlfahrtsverband und der Psychotherapeutenkammer Hamburg ein Konzept entwickelt.

Nachdem nun die organisatorischen und personellen Voraussetzungen geschaffen wurden, ist es endlich soweit: Der Dolmetscherpool wird ab September für die ambulante psychotherapeutische bzw. psychiatrische Arbeit zur Verfügung stehen.

SEGEMI plant am 20.09.2017 eine Auftaktveranstaltung, in welcher das Projekt vorgestellt wird. Unter anderem wird die Zusammenarbeit mit SprachmittlerInnen in der Psychotherapie erläutert und darüber informiert, wie die Beantragung für eine dolmetschergestützte Psychotherapie funktioniert. Die Anmeldung zur Veranstaltung erfolgt über die PTK Hamburg. Die Veranstaltung wird in den Räumlichkeiten der KV Hamburg stattfinden.

Tragen Sie sich schon jetzt in die Anmeldeliste ein (Anmeldung unten).


– Programm „Arbeit zu dritt“.pdf (PDF, 613 kb)

– Anlage 1 – Antragsformular zur Beantragung von Sprachmittlern.pdf (PDF, 86 kb)

– Anlage 2 – Hinweise zum Antragsverfahren für die Beantragung von Sprachmittlern.pdf (PDF, 114 kb)

BPtK fordert rasche Reform des Psychotherapeutengesetzes

Eine aktuelle Befragung von Psychotherapeuten in Ausbildung (PiA) weist erneut auf ihre prekäre finanzielle Lage hin. In der Online-Studie von Maria Klein-Schmeink, gesundheitspolitische Sprecherin der Bündnis 90/Die Grünen-Bundestagsfraktion, kritisieren die PiA vor allem die Zustände im Psychiatriejahr. Obwohl die PiA in dieser Zeit aktiv an der Patientenversorgung mitwirken, bekommt die Hälfte der Befragten in dieser Zeit eine monatliche Vergütung von 500 Euro oder weniger. Mehr als zwei Drittel seien daher auf Unterstützung durch Familie oder Partner angewiesen. An der Umfrage haben sich über 3.500 PiA beteiligt.

Die finanzielle Situation der PiA ist eines der dringenden Probleme, die im Rahmen einer umfassenden Reform der Psychotherapeutenausbildung gelöst werden müssen. Der Deutsche Psychotherapeutentag hat sich daher im Mai 2017 mit überwältigender Mehrheit für ein neues Qualifizierungskonzept ausgesprochen, das unter breiter Beteiligung der Profession erarbeitet wurde. Danach sollen Psychotherapeuten nach dem Studium wie bei Ärzten eine Weiterbildung in einem ordentlichen und angemessen vergüteten Arbeitsverhältnis absolvieren. Die Bundespychotherapeutenkammer (BPtK) fordert eine zügige Reform zu Beginn der nächsten Legislaturperiode des Deutschen Bundestages.

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Links:

Ergebnisbericht PiA-Umfrage

Seit Juni 2017 verfügen Psychologische Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutinnen und -psychotherapeuten, die mit Kassenzulassung niedergelassen sind, über neue sozialrechtliche Befugnisse.

Zukünftig können Patientinnen und Patienten zur stationären Behandlung ins Krankenhaus eingewiesen werden. Weiterhin ist es möglich, Soziotherapie, medizinische Rehabilitation und Krankentransporte zu verordnen.

In dieser Veranstaltung erhalten Sie wichtige fachliche und rechtliche Informationen, um diese Befugnisse in Ihrer psychotherapeutischen Arbeit qualifiziert einzusetzen.

Der ehemalige Vorsitzende des Beratenden Fachausschusses Psychotherapie der KBV, Dipl.-Psych. Dieter Best, wird zu den Hintergründen der neuen Befugnisse und zu Wegen der Umsetzung in den Praxen referieren. Außerdem wird es ausreichend Raum für Ihre Fragen geben.

Die Psychotherapeutenkammer Hamburg und die KV Hamburg freuen sich auf Ihr Erscheinen!

Anmeldung und Teilnahme
Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenfrei und nur mit vorheriger Anmeldung über die Homepage der KV Hamburg möglich. Für die Veranstaltung werden 4 Fortbildungspunkte vergeben. Ärztliche Mitglieder bringen bitte Ihren Barcode-Aufkleber mit.

Einladungsflyer_Neue_Befugnisse.pdf (PDF, 531 kb)

AM 28.09.2017 IN HAMBURG

Gerne möchten wir Sie auf den Kongress des Paktes für Prävention in Hamburg aufmerkskam machen.

Der Kongress findet am 28.09.2017 in Hamburg statt und wird von der Hamburgischen Arbeitsgemeinschaft für Gesundheit (HAG) und der Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz (BGV) angeboten.

Nähere Informationen erhalten Sie hier.

Pakt für Prävention.pdf (PDF, 383 kb)

IQWIG LEGT ABSCHLUSSBERICHT VOR

Die Wirksamkeit der Systemischen Therapie kann für eine Reihe von Störungsbereichen gezeigt werden. Das ist das Ergebnis eines Abschlussberichts, den das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) am 24. Juli 2017 veröffentlicht hat. Der Bericht bewertet den Nutzen der Systemischen Therapie bei Erwachsenen. Danach liegen „Hinweise“ und „Anhaltspunkte“ auf den Nutzen insbesondere bei den besonders versorgungsrelevanten Indikationen vor, die für eine Anerkennung der Systemischen Therapie als neues Psychotherapieverfahren erforderlich sind. Der Bericht unterscheidet bei der Bewertung von Studienergebnissen die Kategorien „kein Anhaltspunkt“, „Anhaltspunkt“, „Hinweis“ und „Beleg“.

Das IQWiG fand Hinweise auf den Nutzen bei Angst- und Zwangsstörungen und Anhaltspunkte für den Nutzen bei affektiven Störungen. Dieser Nachweis ist erforderlich, damit ein Psychotherapieverfahren in der vertragsärztlichen Versorgung angewendet werden kann. Darüber hinaus fand das IQWiG auch Hinweise für einen Nutzen bei Schizophrenie und Anhaltspunkte für den Nutzen bei Substanzkonsumstörungen, Essstörungen und körperlichen Erkrankungen und gemischten Störungen.

Vergleicht man den IQWiG-Abschlussbericht mit dem Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats Psychotherapie aus dem Jahr 2006, so ergibt sich insgesamt ein vergleichbares Bild. Das IQWiG fand aufgrund der verbesserten Studienlage zusätzlich einen Hinweis auf den Nutzen bei Angststörungen. Kritisch wird im Bericht angemerkt, dass die geprüften Studien keine verwertbaren Daten zu unerwünschten Ereignissen enthalten.

In den berücksichtigten Studien würden zwar mögliche Verschlechterungen oder das Fortdauern von Symptomen abgebildet. Auch könnten potenziell negative Auswirkungen der Therapie auf den Arbeits-, Familien- oder sozialen Kontext eines Patienten abgeschätzt werden. Dagegen fehlten in den Studien Angaben zu unerwarteten Ereignissen. Dennoch zieht das IQWiG insgesamt den Schluss, dass wegen der fehlenden Informationen zu unerwarteten Ereignissen keine Gesamtabwägung zu Nutzen und Schaden möglich sei.

Die Nutzenbewertung der Systemischen Therapie erfolgte im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA). Nach Abgabe des Abschlussberichts des IQWiG kommt nun dem G-BA die Aufgabe zu, auf Basis dieser Nutzenbewertung unter zusätzlicher Berücksichtigung der medizinischen Notwendigkeit und Wirtschaftlichkeit über die sozialrechtliche Zulassung der Systemischen Therapie zu entscheiden.

Links:
Abschlussbericht des IQWiG

BPtK fordert zügige Reform nach der Bundestagswahl

Berlin, 26. Juli 2017: Die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) begrüßt den Arbeitsentwurf des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) für ein Gesetz zur Reform der Psychotherapeutenausbildung. „Wir sind froh, dass das Bundesgesundheitsministerium noch in dieser Legislaturperiode konkrete Vorstellungen für ein Approbationsstudium vorgelegt hat“, erklärt BPtK-Präsident Dr. Dietrich Munz. „Auch wenn es bei einigen Details noch Klärungsbedarf gibt, folgt das Ministerium in vielen Bereichen den Vorschlägen der Psychotherapeutenschaft“.

Künftig werden in der Ausbildung besser als bisher Grundlagen für Tätigkeiten geschaffen, die viele Psychotherapeuten faktisch jetzt schon ausüben. Dazu gehören vor allem Tätigkeiten in der Prävention und Rehabilitation, die Übernahme von Leitungsfunktionen oder die Veranlassung von Behandlungsmaßnahmen durch Dritte sowie gutachterliche Tätigkeiten. „Damit greift das Ministerium unser Berufsbild adäquat auf und stellt die richtigen Weichen für die Zukunft“, stellt der BPtK-Präsident fest. „Die Einführung eines Approbationsstudiums für Psychotherapeuten ist allerdings nur ein Teil der notwenigen Änderungen. Zur künftigen Qualifizierung gehört, wie bei Ärzten, im Anschluss an das Studium untrennbar die Weiterbildung.“

Erst nach einer Weiterbildung können Psychotherapeuten die Fachkunde für die Behandlung von gesetzlich Krankenversicherten erwerben. „Mit der Reform müssen die gesetzlichen Grundlagen geschaffen werden, dass nicht nur die Ausbildung, sondern auch die Weiterbildung ermöglicht wird“, fordert Munz. „Deshalb erwarten wir auch hierzu noch konkrete Regelungsvorschläge vom Gesundheitsministerium.“

Der Reformbedarf ist insbesondere wegen der nicht mehr ausreichenden Zugangsregelungen zur Ausbildung und wegen des prekären finanziellen und rechtlichen Status der Ausbildungsteilnehmer unstrittig. Der Deutsche Psychotherapeutentag hat sich im Mai 2017 mit überwältigender Mehrheit für ein Qualifizierungskonzept ausgesprochen, das unter breiter Beteiligung der Profession erarbeitet wurde und detaillierte Vorschläge für das Approbationsstudium und die Weiterbildung enthält. „Diese Reform ist ein zentrales Anliegen der Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten“, betont Munz. „Wir setzen deshalb auf eine zügige Reform zu Beginn der nächsten Legislaturperiode des Deutschen Bundestages.“

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Gern machen wir Sie auf die Fortbildungsreihe „Psychotherapie im Kontext von Migration und Flucht“ von SEGEMI e.V. aufmerksam, das die Psychotherapeutenkammer Hamburg ideell und organisatorisch unterstützt.

Den Infoflyer mit den Inhalten und Terminen finden Sie hier.

Eine Anmeldung erfolgt über die Psychotherapeutenkammer Hamburg unter info@ptk-hamburg.de. Sie erhalten von SEGEMI e.V. eine Rechnung.

BPTK-SYMPOSIUM: INTERNET IN DER PSYCHOTHERAPIE

Das Internet spielt mittlerweile in fast allen Lebensbereichen eine wichtige Rolle. Ganz selbstverständlich wird es genutzt, um sich zu informieren und zu kommunizieren. Rund 30 Prozent der Deutschen haben auf ihren Smartphones Gesundheits-Apps installiert. Auch für psychische Erkrankungen gibt es bereits zahlreiche Präventions- und Behandlungsangebote.

Nicht jedem Nutzer ist jedoch klar, worauf er sich einlässt, wenn er Internetprogramme für psychische Beschwerden nutzt. Wird er nur beraten oder schon behandelt? Ist das Programm auf seine Wirksamkeit untersucht? Hat es Nebenwirkungen? Bekommt er während der Nutzung eine Unterstützung? Und wenn ja, von wem? Von einem approbierten Psychotherapeuten oder gibt ein Computer standardisierte Antworten?

Die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) veranstaltete deshalb am 27. Juni 2017 in Berlin ein Symposium, um fachliche und politische Aspekte des Internets in der psychotherapeutischen Versorgung zu diskutieren. „Eine Integration des Internets in die Psychotherapie bietet Chancen“, stellte BPtK-Präsident Dr. Dietrich Munz eingangs fest: Programme könnten flexibel im Alltag genutzt werden. Gehbehinderten Patienten könnten z. B. durch Behandlungen per Video besonders beschwerliche Anfahrtswege zum Psychotherapeuten erspart werden. Es stelle sich daher die Frage, wann Internetprogramme die klassische Psychotherapie ergänzen können. Dafür müssen wirksame Internetprogramme aber zunächst zur Regelleistung für alle Versicherten der gesetzlichen Krankenversicherung gemacht werden. In unserem Gesundheitssystem müsse überlegt werden, wie Patienten die bestmögliche Behandlung ihrer psychischen Beschwerden erhalten.

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Den vollständigen Artikel finden Sie auf der Homepage der BPtK. (Bitte hier klicken)

Fragen, die Psychotherapeuten vor dem Einsatz klären sollten

Die BPtK hat einen Leitfaden für den Einsatz von Internetprogrammen und elektronischen Kommunikationsmitteln im Praxisalltag entwickelt. Dieser Leitfaden soll Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten bei einer Entscheidung unterstützen, ob und wie sie Internetprogramme zur Prävention und Behandlung psychischer Beschwerden oder Erkrankungen nutzen können.

Der Leitfaden beinhaltet grundlegende Fragen, die den Psychotherapeuten oder die Psychotherapeutin bei der Entscheidung unterstützen sollen, ob und welche Programme für eine Behandlung eines Patienten oder einer Patientin im Einzelfall hilfreich sein können. Die Fragen können auch für die Besprechung mit den Patienten genutzt werden. Der Leitfaden bietet Kriterien, um Nutzen und Risiko von Internetprogrammen abwägen und entscheiden zu können, ob bei einem Patienten der Einsatz grundsätzlich infrage kommt. Dabei geht es z. B. um die Einschätzung, ob und wie intensiv der Patient bisher das Internet nutzt und wie sensibel er mit den eigenen Daten umgeht.

Weitere Fragen betreffen den Inhalt der Programme, wie z. B. welche Aufgaben und Funktionen sie übernehmen, ob es Kontraindikationen gibt, ob sie individualisiert werden oder mit ihnen der Therapieverlauf regelmäßig erfasst werden kann, welche Funktionen sie in Krisensituationen bieten, ob ausreichender Datenschutz und Datensicherheit sichergestellt sind, ob sie evidenzbasiert sind, wie viel Zeit oder ob sie eine Schulung erfordern. Diese Fragen sind bei der Beurteilung hilfreich, ob ein bestimmtes Programm im Einzelfall in einer psychotherapeutischen Behandlung eingesetzt werden kann.

Internetprogramme zur Prävention und Behandlung psychischer Erkrankungen erfordern mindestens die gleiche Sorgfalt wie Behandlungen im unmittelbaren Gegenüber. Diagnostik und Aufklärung müssen grundsätzlich im unmittelbaren Kontakt zwischen Psychotherapeut und Patient erfolgen. Der Leitfaden beschreibt deshalb, worauf Psychotherapeuten bei der Aufklärung und Erstellung von Krisenplänen besonders achten und welche zusätzlichen Vereinbarungen getroffen werden sollten.

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