EXISTENZIELLE KRISEN UND DIE FRAGE NACH DEM SINN

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„Existenzielle Krisen und die Frage nach dem Sinn“ – unter diesem Titel fanden sich am 09.06.2018 rund 170 Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie neun Referentinnen und Referenten in den Räumlichkeiten der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg ein.

Die Anwesenden wurden von Präsidentin Heike Peper im Namen des Kammervorstandes willkommen geheißen. Sie ging in ihrer Begrüßungsrede auf die unterschiedlichen Ursachen von existenziellen Krisen ein. So erleben Menschen besonders in Zeiten von Hilflosigkeit, Trauer, Verlust oder Krankheit existenzielle Krisen, die von Zweifel, Hoffnungslosigkeit und Verunsicherung begleitet werden können. Psychotherapie kann bei der Bewältigung dieser Krisen Unterstützung bieten.

Fachvorträge

Der sehr informative und anregende Vortrag von Dr. Thomas Kriza „Die philosophische Frage nach dem Sinn des Lebens“ wies schon zu Beginn darauf hin, dass es nicht „die eine“ gute Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens gibt, sondern dass sich die Beantwortung dieser Frage von Person zu Person unterscheidet. In seinem Vortrag zeigte Dr. Kriza zur näheren Betrachtung der Frage unterschiedliche Ansätze von Philosophen auf und machte dabei deutlich, dass sich die Anschauungen der Antike über den Sinn des Lebens zwar von den heutigen unterscheiden, auf diese aber dennoch immer wieder Bezug genommen wird. In dieser von ihm beschriebene „Zwiespältigkeit des modernen Denkens“ muss jede Person für sich bestimmen, welche Wertvorstellungen und Ziele sie hat und was sinnstiftend für ihr Leben ist.

Prof. Dr. Thomas Bock und Gwen Schulz nahmen in ihrem Vortrag „Psychosen als existenzielle Krisen und die Frage nach dem Sinn“ unter anderem die Gründe für das Verschwimmen der Grenzen zwischen Innen- und Außenwelt unter die Lupe. Die beiden Referent/inn/en schilderten dabei sehr eindrucksvoll unter den Aspekten „Verständnis“, „Frage nach dem Sinn“, „Was hilft, was nicht“ und „Kooperationshintergrund für Praxen“ ihre jeweilige Perspektive auf das Thema. So sprach die Referentin Gwen Schulz aus ihrer Sicht als psychose-erfahrene Expertin und Genesungsbegleiterin über ihre Erfahrungen und Erkenntnisse. Dr. Thomas Bock erläuterte die Aspekte aus fachlicher und theoretischer Sicht und gab Beispiele aus seinen Erfahrungen als Psychotherapeut.

Den Abschluss des Vormittags bildete der Vortrag „Existenzielle Belastungen und sinnzentrierte Interventionen: Überblick über den Stand der Forschung“ von Prof. Dr. Anja Mehnert. Sie gab einen detaillierten Überblick über den Stand der Forschung zur Auftretenshäufigkeit existenzieller Belastungen wie bspw. Demoralisierung und Verlust an Lebenssinn im Rahmen der Verarbeitung von Krankheiten oder schweren Lebensereignissen und stellte Psychotherapeutische Behandlungskonzepte vor.

Workshops

In den insgesamt sechs Workshops am Nachmittag beleuchteten die Teilnehmenden das Tagungsthema unter verschiedenen Aspekten.

  • Managing Cancer and Living Meaningfully (CALM): Eine sinnzentrierte Kurzzeitintervention für Patientinnen und Patienten mit einer unheilbaren Erkrankung (Leitung: Prof. Dr. Anja Mehnert)
  • Psychotherapie und Genesungsbegleitung – fruchtbare Zusammenarbeit (Leitung: Prof. Dr. Thomas Bock / Gwen Schulz)
  • Die existenzielle Psychotherapie Irvin Yaloms (Leitung: Dipl.-Psych. Sigrid Pape)
  • Ressourcen, die aus Krisen erwachsen (Leitung: Dipl.-Psych. Bärbel Göttmann / FÄ Anke Behrens)
  • Suizidalität im Alter (Leitung: Dipl.-Psych. Silvia Renken)
  • Back to the roots: Braucht die moderne Psychotherapie (wieder mehr) Philosophie? (Leitung: Dr. Thomas Kriza / Dipl.-Psych. Torsten Michels)

Der Vorstand der Psychotherapeutenkammer Hamburg dankt allen Vortragenden, allen Leiterinnen und Leitern der Workshops und allen Teilnehmenden dafür, dass sie zu einem anregenden und lebendigen Psychotherapeutentag beigetragen haben.

Im Psychotherapeutenjournal 3/2018 (erscheint im September 2018) wird es einen ausführlichen Bericht zum 7. Hamburger Psychotherapeutentag geben.

Präsentationen

Bei Interesse an den Präsentationen von den Vorträgen am Vormittag senden Sie uns bitte eine Mail. Wir stellen Ihnen die Präsentaionen gern zur Verfügung.

Fotos

In unserer Fotogalerie vom 7. Hamburger Psychotherapeutentag können Sie ein paar Eindrücke von der Veranstaltung gewinnen.