BARMER veröffentlicht Krankenhausreport 2018

Bei körperlichen Erkrankungen nimmt die Zahl der Krankenhaustage seit 2006 kontinuierlich ab. Entgegen diesem Trend steigt die Zahl und Dauer der Krankenhausbehandlungen bei psychischen Erkrankungen. Zwischen 2006 und 2017 ist die Zahl der Krankenhaustage aufgrund von psychischen Erkrankungen insgesamt um 24 Prozent gestiegen. Dabei hat die Zahl der Behandlungen seit 2006 um 14 Prozent zugenommen und deren Dauer um 9 Prozent. Während die Zahl der Behandlungen in den letzten Jahren nicht mehr gestiegen ist, nahm deren Dauer vor allem seit 2013 wieder zu. Das sind die Ergebnisse des BARMER Krankenhausreports 2018, für den die Daten von rund 8,4 Millionen Versicherten ausgewertet wurden.

Die Zunahme der Krankenhaustage bei psychischen Erkrankungen hängt auch mit Defiziten in der ambulanten Versorgung zusammen. Zum einen fehlen nach wie vor komplexe ambulante Versorgungsangebote für Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen, in denen verschiedene Behandlungsleistungen koordiniert aus einer Hand erbracht werden. Zum anderen müssen psychisch Kranke weiterhin rund fünf Monate auf eine Behandlung in einer psychotherapeutischen Praxis warten. Psychische Erkrankungen, die nicht behandelt werden, verschlimmern sich oder chronifizieren. Die langen Wartezeiten erschweren zudem die meist notwendige ambulante Weiterbehandlung nach einer Krankenhausbehandlung. Die Bundespsychotherapeutenkammer fordert daher eine Reform der psychotherapeutischen Bedarfsplanung, die erstmals die Häufigkeit von psychischen Erkrankungen berücksichtigt. Sie fordert dazu bereits konkrete gesetzliche Vorgaben im geplanten Terminservice- und Versorgungsgesetz.

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BPtK zum Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG)

Das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) reicht nicht aus, um psychisch kranken Menschen innerhalb von vier Wochen eine Behandlung bei einem Psychotherapeuten zu vermitteln. „Schnelle Termine für Beratung und Diagnose sind ein erster wichtiger Schritt. Danach ist es jedoch entscheidend, dass überhaupt Behandlungsplätze zu vermitteln sind“, stellt Dr. Dietrich Munz, Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK), fest. „Unverständlich ist, dass mit dem Gesetz zwar mehr Psychiater, die im Schwerpunkt Medikamente verschreiben, aber nicht insbesondere auch mehr Psychotherapeuten zugelassen werden sollen.“

Psychisch kranke Menschen warten durchschnittlich fünf Monate auf eine psychotherapeutische Behandlung. Besonders lang sind die Wartezeiten in den ländlichen Regionen, in Brandenburg, Niedersachsen und Thüringen. Und auch im Ruhrgebiet gibt es viel zu wenig Psychotherapeuten, weil den Städten zwischen Duisburg und Dortmund nicht die gleiche Anzahl von Behandlungsplätzen wie anderen Großstädten zugestanden wird. „Wir brauchen deshalb insbesondere ein Sofortprogramm für psychisch kranke Menschen“, fordert BPtK-Präsident Munz. „Psychotherapeuten sollten sich in ländlichen Regionen, die unbestritten besonders schlecht versorgt sind, unbeschränkt niederlassen und Versicherte der gesetzlichen Krankenkassen versorgen können. Diese Aufhebung der viel zu engen Grenzen für die psychotherapeutische Bedarfsplanung sollte auch für das Ruhrgebiet gelten, das besonders schlecht versorgt wird.“

„Der Gemeinsame Bundesausschuss kommt seit Jahren nicht seinem Auftrag nach, die Bedarfsplanung insbesondere für Psychotherapeuten zu reformieren. Unter dem Überschreiten gesetzlich vorgegebener Fristen leiden vor allem psychisch kranke Menschen, deren Leiden sich verschlimmern und chronifizieren“, stellt BPtK-Präsident Munz fest. „Gesundheitsminister Spahn darf die psychisch kranken Menschen nicht länger warten lassen. Er muss deshalb in seinem Terminservice- und Versorgungsgesetz Ad-hoc-Verbesserungen planen, damit für sie auch ausreichend Behandlungsplätze zur Verfügung stehen.“ Darüber hinaus sollte der Gesetzgeber mit Vorgaben dafür sorgen, dass künftig die Häufigkeit der psychischen Erkrankungen zur Grundlage der Bedarfsplanung gemacht und sowohl bei der Gesamtzahl der Psychotherapeuten als auch bei regionalen Regelungen berücksichtigt wird.

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Links:

Entwurf eines Gesetzes für schnellere Termine und bessere Versorgung (Terminservice- und Versorgungsgesetz – TSVG)

BUNDESVERFASSUNGSGERICHT ERHÖHT ANFORDERUNGEN

Eine Fixierung von Patienten in Krankenhäusern der Psychiatrie muss zukünftig von einem Richter genehmigt werden. Das gilt zumindest dann, wenn sie länger als eine halbe Stunde dauert. Auch bei untergebrachten Patienten muss vor einer Fixierung eine richterliche Genehmigung eingeholt werden. Um den Schutz der Betroffenen sicherzustellen werden die Länder verpflichtet, einen täglichen richterlichen Bereitschaftsdienst einzurichten, der mindestens zwischen 6 und 21 Uhr erreichbar ist.

Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 24. Juli 2018 ist eine Fixierung ein Eingriff in das Grundrecht auf Freiheit der Person nach Artikel 104 des Grundgesetzes und deshalb nur als letztes Mittel unter strengen Auflagen zulässig. Zu diesen Auflagen gehört auch, dass für die Zeit der Fixierung eine 1:1 Betreuung durch qualifiziertes therapeutisches oder pflegerisches Personal erfolgen muss. In vielen Landesgesetzen ist zwar schon heute festgeschrieben, dass eine Fixierung nur unter enger therapeutischer Beobachtung erfolgen darf. In der Praxis wird diese Anforderung aber häufig aufgrund von Personalmangel nur unzureichend umgesetzt.

Die künftigen Personalanforderungen für Psychiatrie und Psychosomatik des Gemeinsamen Bundesausschusses müssen den verfassungsrechtlichen Anforderungen genügen. Dafür sind ausreichende Kapazitäten beim therapeutischen und pflegerischen Personal vorzusehen, damit eine auf die Vermeidung von Zwang ausgerichtete Behandlung umgesetzt werden kann. Eine wichtige Orientierung hierfür bietet die gerade veröffentlichte S3-Leitlinie „Verhinderung von Zwang: Prävention und Therapie aggressiven Verhaltens bei Erwachsenen“ mit evidenzbasierten Maßnahmen zur Reduzierung von aggressivem Verhalten und zur Vermeidung von Zwang.

Links:
Pressemitteilung des Bundesverfassungsgerichts vom 24. Juli 2018
S3-Leitlinie „Verhinderung von Zwang: Prävention und Therapie aggressiven Verhaltens bei Erwachsenen“

AM 24.10.2018 IN HAMBURG

Die Veranstaltung ist leider ausgebucht! Aufgrund der hohen Anmeldezahl mussten wir die Warteliste leider schließen.

Thema

Die Psychotherapeutenkammer Hamburg lädt Sie herzlich ein zur Fortbildungsveranstaltung „Psychotherapeutische Versorgung von Soldatinnen und Soldaten sowie Bundespolizistinnen und Bundespolizisten – Dienst, Einsatz und Belastungen“ am 24.10.2018 in der Clausewitz-Kaserne in Hamburg.
Hintergrund der Veranstaltung ist eine Vereinbarung zwischen dem Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) und der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) zur ambulanten psychotherapeutischen Behandlung von Soldatinnen und Soldaten. Unter anderem wurde festgelegt, dass auch in Privatpraxen tätige Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten die Behandlung durchführen können. Im Mai 2018 hat die BPtK auch eine Vereinbarung mit dem Bundesministerium des Innern geschlossen, um die psychotherapeutische Versorgung von Bundespolizistinnen und -polizisten zu verbessern.
Nähere Informationen zu den Vereinbarungen finden Sie hier:

Eine Anmeldung ist unbedingt erforderlich, da Sie ohne Anmeldung keinen Zutritt zum Gelände erlangen. Informationen zum Programm, dem Veranstaltungsort, der Teilnahmegebühr sowie den Fortbildungspunkten entnehmen Sie bitte den nachfolgenden Seiten. Die Veranstaltung richtet sich auch an die Mitglieder der Psychotherapeutenkammern Bremen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein sowie der Ostdeutschen Psychotherapeutenkammer. Da die Teilnahmezahl an der Veranstaltung begrenzt ist, empfehlen wir eine zeitnahe Anmeldung.

Wir freuen uns auf Ihr Erscheinen!

Ihre Psychotherapeutenkammer Hamburg


Programm

09:00 – 09:30 Anmeldung

09:30 – 10:00 Begrüßung
Regierungsdirektor Joachim Hille (Kommando Sanitätsdienst der Bundeswehr in Koblenz)
Dipl.-Psych. Heike Peper (Präsidentin der PTK Hamburg)
Oberstarzt Dr. Jörg Ruff (Kommando Sanitätsdienst der Bundeswehr in Koblenz)

10:00 – 10:45 Organisation der Bundeswehr / Besonderheiten des Soldatenberufes
OTA (Oberstarzt) Dr. Thorsten Schütz (Leiter Fakultät Sanitätsdienst und Gesundheitswissenschaften)

10:45 – 11:00 Pause

11:00 – 11:45 Organisation der Bundespolizei // Darstellung des Berufsbildes Polizistin / Polizist in der Bundespolizei sowie deren Belastungssituationen
Dr. Andreas Bräuner (Sozialwissenschaftlicher Dienst, Diplom-Psychologe)

11:45 – 12:15 Aussprache – Diskussion über die Themen des Vormittags

12:15 – 13:15 Mittagspause

13:15 – 14:15 Psychologische Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in der Bundeswehr; Symptom- und Belastungslagen von Soldaten-Patienten, Schnittstellen zur ambulanten psychotherapeutischen Versorgung mit direkt anschließender Diskussion
Oberregierungsrätin Britta Schaller (Bundeswehrkrankenhaus Hamburg)

14:15 – 14:45 Pause

14:45 – 15:45 Aktuelle Einsatzgebiete, Einsatzsituationen, Truppenpsychologen im Einsatz – mit Soldatinnen und Soldaten auf Patrouille / auf Wache / im Feldlager/PSN
Regierungsdirektor Sven Buß (Leitender Truppenpsychologe 1. Panzerdivision in Oldenburg)

15:45 – 16:15 Heilbehandlung für die Bundeswehr: Beantragung – Verlängerung – Abrechnung
Oberfeldarzt Dr. Antje Hemberger (Kommando Regionale Sanitätsdienstliche Unterstützung in Diez)

16:15 – 16:30 Aussprache – Diskussion – Verabschiedung
Regierungsdirektor Joachim Hille (Kommando Sanitätsdienst der Bundeswehr in Koblenz)

16:30 Uhr Ende


Veranstaltungsort

 

Führungsakademie der Bundeswehr
Moltke-Saal
Clausewitz-Kaserne
Manteuffelstraße 20
22587 Hamburg

Es gibt keine Parkmöglichkeiten innerhalb der militärischen Liegenschaft. Daher empfehlen wir folgende Anreisemöglichkeiten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln:

  • Bus 286: Haltestelle „Manteuffelstraße“ oder
  • S1: Haltestelle „Hochkamp“

Anfahrtsbeschreibungen zur Clausewitz-Kaserne finden Sie hier.
Hinweis: Sie erreichen die Veranstaltung nur über den Haupteingang an der Manteuffelstraße


Sicherheitsvorkehrungen // Ausweiskontrolle

Bitte bringen Sie unbedingt Ihren Personalausweis oder Pass mit, da Sie sonst nicht auf das Gelände gelangen.
An der Wache wird die Anmeldeliste mit den Namen der Besucherinnen und Besucher abgeglichen.


Gebühren

Für die Teilnahme erheben wir eine Teilnahmegebühr von 10,- Euro. Die Tagesverpflegung ist inbegriffen. Bitte überweisen Sie die Gebühr bis spätestens zum 28.09.2018 oder erteilen Sie uns ein SEPA-Lastschriftmandat.

Bankverbindung:
Psychotherapeutenkammer Hamburg
IBAN: DE56200505501208121317
BIC: HASPDEHHXXX


Punkte

Für die Teilnahme werden 7 Fortbildungspunkte vergeben.


Anmeldung / Warteliste

 

Die Veranstaltung ist leider ausgebucht! Aufgrund der hohen Anmeldezahl mussten wir die Warteliste leider schließen.

Eine vorherige Anmeldung ist aufgrund der Ausweiskontrolle vor Ort unbedingt erforderlich.

Zugehörige Dateien:

24.10.2018_psychoth.versorgung_soldaten_programm_final
sepa_lastschriftmandat_bundeswehr

Kabinettsentwurf des Pflegepersonal-Stärkungs-Gesetzes beschlossen

In Zukunft können die Möglichkeiten der Videobehandlung auch in der ambulanten psychotherapeutischen Versorgung genutzt werden. Diese Leistung soll durch das Pflegepersonal-Stärkungs-Gesetz nun auch für Psychotherapeuten eingeführt werden, die bisher keine Videobehandlungen anbieten konnten. Der Bewertungsausschuss wird beauftragt, bis zum 1. April 2019 die notwendigen Voraussetzungen für die Vergütung im Einheitlichen Bewertungsmaßstab zu schaffen. Es liegt dann in der Hand des Bewertungsausschusses, wie diese Leistung ausgestaltet wird, sodass die Versorgung psychisch kranker Menschen durch eine Videobehandlung sinnvoll ergänzt werden kann.

Die bisher im Einheitlichen Bewertungsmaßstab enthaltene Vorgabe von Krankheitsbildern wird entfallen, sodass Psychotherapeuten und Ärzte in Zukunft selbst entscheiden können, bei welchen Erkrankungen eine Videobehandlung in Absprache mit dem Patienten als sachgerecht erachtet wird.

In der Gesetzesbegründung ist außerdem vorgesehen, dass dabei die Besonderheiten der Versorgung und der Berufsordnung zu berücksichtigen sind. Zu den berufsrechtlichen Sorgfaltspflichten gehört, dass einer Videobehandlung zum Beispiel immer eine angemessene Diagnostik, Indikationsstellung und Aufklärung im unmittelbaren persönlichen Kontakt vorangehen muss. Ferner müssen Datensicherheit und Datenschutz sichergestellt sein.

Das Gesetz soll am 1. Januar 2019 in Kraft treten.

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ANTWORT DER BUNDESREGIERUNG AUF KLEINE ANFRAGE DER FDP

Psychisch kranke Menschen haben weiterhin einen Anspruch, sich die Kosten einer Behandlung in einer psychotherapeutischen Privatpraxis von ihrer Krankenkasse erstatten zu lassen, wenn sonst keine Behandlung möglich ist. Dieser Rechtsanspruch nach § 13 Absatz 3 SGB V besteht auch nach der Einführung der psychotherapeutischen Sprechstunde und Akutbehandlung. Die Krankenkassen dürfen die Kostenerstattung nicht aufgrund von Gründen verweigern, die für den Anspruch nicht maßgeblich sind, stellte die Bundesregierung in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der FDP klar. Versicherte können sich damit wie bisher die Behandlung in einer Privatpraxis von ihrer Krankenkasse erstatten lassen, wenn keine Behandlung bei einem Psychotherapeuten möglich ist, der zur Abrechnung mit der gesetzlichen Krankenversicherung zugelassen ist. Versicherte sollten dies allerdings vor der Behandlung mit ihrer Krankenkasse klären, rät die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK).

Die Anzahl der Beschwerden von Versicherten wegen fehlender Kostenübernahme ist nach Einführung der psychotherapeutischen Sprechstunde und Akutbehandlung um 40 Prozent gestiegen, so das Bundesversicherungsamt. Erhielt das Amt 2016 noch 67 Beschwerden, waren es 2017 bereits 96.

Auch die Unabhängige Patientenberatung berichtet in ihrem aktuellen Patientenmonitor, dass Ratsuchende von ihrer Krankenkasse aufgefordert würden, sich für die Vermittlung einer Psychotherapie an die Terminservicestelle zu wenden. Die BPtK fordert, dass die Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen die Aufgabe bekommen, Versicherten auch einen Behandlungsplatz in einer psychotherapeutischen Privatpraxis zu vermitteln, wenn ihre Suche bei zugelassenen Psychotherapeuten innerhalb von vier Wochen vergeblich war.

Links:

Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der FDP