PSYCHOTHERAPEUTENVERBÄNDE STARTEN PETITION GEGEN DAS TSVG

Mit dem Gesetz für schnellere Termine und bessere Versorgung (TSVG) plant Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, die freie Wahl des Psychotherapeuten durch den Patienten einzuschränken und zusätzliche Hürden in der psychotherapeutischen Versorgung zu schaffen. Dagegen haben Psychotherapeutenverbände eine Petition gestartet, die bis zum 13.12.2018 von jedem gezeichnet werden kann. Die aufrufenden Verbände sind der Bundesverband der Vertragspsychotherapeuten, die Deutsche PsychotherapeutenVereinigung und die Vereinigung Analytischer Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten.

Die Verbände kritisieren, dass „ausgerechnet denen, die über oft enorme, hoch schambesetzte und intime seelische Belastungen sprechen müssen, eine zusätzliche Hürde zur Psychotherapie aufgebürdet und zudem ein neues Nadelöhr geschaffen“ werden soll. Eine solche „Rationierung von Behandlungsleistungen“ sei ein „diskriminierender Eingriff in die Versorgung psychisch kranker Menschen“.

Links:
Petition: Heilberufe – Ablehnung des Gesetzentwurfs zum Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) vom 25.10.2018

KOMPONENTEN MÜSSEN BIS ZUM 31. MÄRZ 2019 BESTELLT WERDEN

In letzter Minute wurde im Pflegepersonal-Stärkungsgesetz die Frist für die Anbindung einer Praxis an die Telematikinfrastruktur um drei Monate verlängert. Psychotherapeutenpraxen müssen nun bis zum 31. März 2019 alle Komponenten für die Telematikinfrastruktur bestellen. Ursprünglich war dafür als Frist der 31. Dezember 2018 vorgesehen. Das Bestelldatum muss gegenüber der Kassenärztlichen Vereinigung nachgewiesen werden.

Links:
KBV: Notwendige technische Komponenten für den Anschluss
KBV: Praxisinformation – Wissenswertes zur Ausstattung und Finanzierung

DEUTSCHER PSYCHOTHERAPEUTENTAG IN BERLIN

Der 33. Deutsche Psychotherapeutentag (DPT) am 17. November 2018 in Berlin kritisierte das geplante Gesetz für schnellere Termine und bessere Versorgung (TSVG). Durch das Gesetz dürfe es nicht zu weiteren bürokratischen Hürden beim Zugang zur Psychotherapie kommen. Vielmehr sei es unerlässlich, die unzumutbar langen Wartezeiten auf eine Richtlinienpsychotherapie abzubauen und mit einer Reform der Bedarfsplanung dafür zu sorgen, dass mehr Psychotherapeuten jenseits der Großstädte für die Versorgung psychisch kranker Menschen zur Verfügung stehen. Außerdem stellte der DPT die Weichen für eine psychotherapeutische Fernbehandlung, bei der die Qualitätsstandards der psychotherapeutischen Versorgung sichergestellt werden. Zentral sei dabei die Einschränkung, dass die Eingangsdiagnostik, Indikationsstellung und Aufklärung weiterhin die Anwesenheit der Patienten erfordert.

Den ausführlichen Artikel, fotografische Eindrücke sowie Unterlagen zum Download finden Sie hier.
Artikel BPtK: Scharfe Kritik am Terminservice- und Versorgungsgesetz

Bundesrat zum Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG)

Der Bundesrat hat heute die im TSVG geplante Reform der Psychotherapie-Richtlinie, die eine gestufte und gesteuerte Versorgung für die psychotherapeutische Behandlung zum Ziel haben soll, abgelehnt. Er befürchtet, dass dadurch neue Hindernisse in der Versorgung für psychisch kranke Menschen geschaffen werden. Er lehnt die Schaffung hierarchischer Zuweisungswege ab, da damit die bestehende Qualifikation der Vertragsärzte und Psychotherapeuten infrage gestellt wird und diesen die Fähigkeit zur indikationsgerechten Versorgung damit abgesprochen wird (Stellungnahme zum Gesetzentwurf eines Gesetzes für schnellere Termine und bessere Versorgung, Bundesratsdrucksache 504/1/18).

Auch die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) schlägt vor, diese Regelung im TSVG ersatzlos zu streichen. Durch die Reform der Psychotherapie-Richtlinie zum 1. April 2017 existiert bereits eine gestufte und gesteuerte Versorgung. Dank der psychotherapeutischen Sprechstunden erfahren Patienten schnell und ohne bürokratische Hürden, ob sie psychisch krank sind und wenn ja, welche Art von Behandlung ratsam ist. „Das Problem ist nicht, dass es keine Steuerung gibt,“ erläutert BPtK-Präsident Dr. Dietrich Munz, „sondern dass es an Behandlungsplätzen für eine Richtlinien-Psychotherapie fehlt.“ In Regionen außerhalb der Großstädte warten Patienten zwischen fünf und sieben Monate auf den Beginn einer Richtlinien-Psychotherapie. „Wir erwarten, dass die Politik das Problem der nicht ausreichenden Versorgung löst.“ betont Munz. „Wir brauchen mehr Psychotherapeuten, insbesondere in ländlichen Regionen. Mit zusätzlichen Hürden für Patienten lassen sich die bestehenden Versorgungsmängel nicht beheben.“

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G-BA: Nutzen in fünf Störungsbereichen ausreichend belegt

Der Nutzen der Systemischen Therapie ist für die Behandlung von Erwachsenen ausreichend belegt. Dies ist das zentrale Ergebnis der Nutzenbewertung der Systemischen Therapie, die der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) heute in seiner Sitzung beschlossen hat. Das Bewertungsergebnis beruht auf einer Prüfung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), das seinen entsprechenden Abschlussbericht im Juli 2017 veröffentlicht hat. „Die Systemische Therapie ist eine wichtige und sehr wirksame Behandlungsmöglichkeit in der Versorgung von psychisch Kranken“, stellt Dr. Dietrich Munz, Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK), fest.

Die Wirksamkeit der Systemischen Therapie ist dabei für fünf Störungsbereiche nachgewiesen, insbesondere für die sehr versorgungsrelevanten Anwendungsbereiche Angst- und Zwangsstörungen sowie unipolare depressive Störungen. Aber auch bei Schizophrenie, Substanzkonsumstörungen und Essstörungen ist die Systemische Therapie nachweislich wirksam. „Die Systemische Therapie erfüllt damit die Kriterien, um als neues Psychotherapieverfahren zugelassen zu werden“, so Munz. „Die Zulassung sollte jetzt möglichst schnell erfolgen, damit den Patientinnen und Patienten die Systemische Therapie endlich zur Verfügung steht.“

Die positive Nutzenbewertung durch den Gemeinsamen Bundesausschuss ist der erste Schritt auf dem Weg der sozialrechtlichen Zulassung der Systemischen Therapie als neues Psychotherapieverfahren in der Versorgung von gesetzlich Krankenversicherten. Im nächsten Schritt sind noch die sektorspezifische Bewertung der medizinischen Notwendigkeit und Wirtschaftlichkeit durch den G-BA und danach die Aufnahme der Systemischen Therapie als Behandlungsverfahren in die Psychotherapie-Richtlinie erforderlich. Dem Bundesministerium für Gesundheit hatte der G-BA zuletzt eine Entscheidung bis März nächsten Jahres zugesichert.

Bereits 2008 hatte der Wissenschaftliche Beirat Psychotherapie in seinem Gutachten die wissenschaftliche Anerkennung der Systemischen Therapie sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern und Jugendlichen festgestellt. Seither kann die Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten in Systemischer Therapie als Vertiefungsverfahren erfolgen und führt zur Approbation. Nach nunmehr zehn Jahren hat der G-BA dieses Ergebnis zumindest für die Behandlung von Erwachsenen in einem ersten Schritt nachvollzogen.

Die Wirksamkeit der Systemischen Therapie ist damit jedoch erst bei Erwachsenen anerkannt. Damit auch Kinder und Jugendliche in der ambulanten psychotherapeutischen Versorgung mit Systemischer Therapie behandelt werden können, ist ein weiteres Bewertungsverfahren durch den G-BA erforderlich. „Dieses Prüfverfahren sollte der G-BA nun schnell beauftragen“, fordert Munz. Schon heute wird die Systemische Therapie u. a. im Krankenhaus, in der Rehabilitation, in der Jugendhilfe und im sozialpsychiatrischen Bereich erfolgreich angewandt. Auch Kinder und Jugendliche profitieren nachweislich von der Behandlung mit Systemischer Therapie. Dies ist für eine Reihe von psychischen Erkrankungen empirisch nachgewiesen.

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Links:

Abschlussbericht des IQWiG: Systemische Therapie bei Erwachsenen als Psychotherapieverfahren

PRÄSENTATION DER VERANSTALTUNG

Am 14.11.2018 fand die jährliche Allgemeine Kammerversammlung der Mitglieder der Psychotherapeutenkammer Hamburg statt.

Zu Gast waren Dagmar Groth-Bick, Maren Kruse sowie Michael Buchmüller (Psychiatrischen Hilfen, DRK Hamburg). Sie referierten zu dem Thema „Psychisch krank – wer und was hilft bei der alltäglichen Lebensführung? Vorstellung Soziotherapie, Ambulante Psychiatrische Pflege und Ambulante Betreuung (ASP) in Hamburg“.

Im Anschluss berichtete der Vorstand von den Aktivitäten der PTK Hamburg im letzten Jahr, sowohl auf Bundesebene als auch in Hamburg. Einen Bericht der Veranstaltung finden Sie in der ersten Ausgabe des PTJ 2019.

Downloads:

Präsentation_DRK_14.11.2018.pdf (PDF, 705 kb)
Flyer APH aktuell.pdf (PDF, 1457 kb)

DIENST, EINSATZ UND BELASTUNGEN

Am 24.10. fand die Veranstaltung „Psychotherapeutische Versorgung von Soldatinnen und Soldaten sowie Bundespolizistinnen und Bundespolizisten“ in der Clausewitz-Kaserne in Hamburg statt. Einen ausführlichen Bericht werden wir im kommenden Psychotherapeutenjournal veröffentlichen.

die Präsentationen finden Sie unten zum Download.

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Fraunhofer FOKUS hat einen umfassenden Kriterienkatalog entwickelt, um Gesundheits-Apps bewerten und empfehlen zu können, und als Webanwendung zur Verfügung gestellt. Mit dem Programm „AppKri“ können Patientenverbände, medizinische Fachgesellschaften und andere gezielt eine eigene Kriterienliste für spezifische Zielgruppen zusammenstellen, um Gesundheits-Apps zu beurteilen und auszuwählen. Das Projekt wurde vom Bundesgesundheitsministerium gefördert, die Anwendung ist seit dem 6. November freigeschaltet.

Links:
www.appkri.de

Diotima 2018 an Ellen Bruckmayer und Hans-Jochen Weidhaas

Ellen Bruckmayer und Hans-Jochen Weidhaas haben heute den Diotima-Ehrenpreis der deutschen Psychotherapeutenschaft erhalten. Die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) ehrt damit in diesem Jahr zwei Psychotherapeuten, deren herausragendes Engagement entscheidend dazu beigetragen hat, dass vor rund 20 Jahren das Psychotherapeutengesetz verabschiedet werden konnte. „Obwohl in unterschiedlichen psychotherapeutischen Traditionen verortet, verbanden beide sachliche Leidenschaft und den Blick für die gesamte Profession“, stellte BPtK-Präsident Dr. Dietrich Munz in seiner Laudatio fest. „Beide hatten in der entscheidenden parlamentarischen Phase das politische Augenmaß, den Kompromiss in der Profession zu suchen und zu finden, der in diesem Moment politisch umsetzbar war.“

Das Psychotherapeutengesetz war ein entscheidender Schritt zur Verbesserung der Versorgung psychisch kranker Menschen. Seither können sich Menschen mit psychischen Beschwerden direkt an einen Psychologischen Psychotherapeuten oder Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten wenden. Auf deren Qualifikation können sich die Patienten verlassen, da alle über eine Ausbildung mit Staatsprüfung und Approbation verfügen und der Aufsicht der Kammern unterliegen. Das Psychotherapeutengesetz, das am 1. Januar 1999 in Kraft trat, war die Grundlage für die Integration der Psychologischen Psychotherapeuten und der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten in die Regelversorgung der gesetzlichen Krankenversicherung.

Der Diotima-Ehrenpreis der deutschen Psychotherapeutenschaft wird einmal im Jahr an Personen oder Organisationen verliehen, die sich in besonderem Maß um die Versorgung psychisch kranker Menschen verdient gemacht haben. Der Preis ist nach Diotima aus Mantinea benannt, einer mythischen Priesterin der Antike. Sie gilt als Lehrerin des Sokrates, die ihn dazu inspirierte, als erster Philosoph die Seele des Menschen in den Mittelpunkt seines Denkens und Lehrens zu stellen.

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DEUTSCHER ETHIKRAT VERÖFFENTLICHT STELLUNGNAHME „HILFE DURCH ZWANG?“

Zwangsmaßnahmen sind immer ein schwerwiegender Eingriff in die Grundrechte z. B. eines psychisch kranken Menschen. Sie dürfen deshalb nur als Ultima Ratio eingesetzt werden, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind, um zu verhindern, dass sich eine Person selbst schwer schädigt. Das hat der Deutsche Ethikrat in seiner Stellungnahme „Hilfe durch Zwang? Professionelle Sorgebeziehungen im Spannungsfeld von Wohl und Selbstbestimmung“ veröffentlicht.

Für die psychiatrische Versorgung weist der Ethikrat insbesondere auf folgende Grundsätze hin, die zu beachten sind:

  • Die Entscheidung über eine Zwangsmaßnahme sollte immer durch ein multiprofessionelles Team unter Einbezug des Pflegepersonals beraten und nach Möglichkeit gemeinsam getroffen werden. Wenn keine Einigung im Team zustande kommt, sollte eine Besprechung im Rahmen einer klinischen Ethikberatung erfolgen.
  • Psychiatrische Einrichtungen sollten ihre Patienten über Möglichkeiten beraten und aufklären, ihren eigenen Willen vorsorglich zu bekunden, indem z. B. eine Behandlungsvereinbarung abgeschlossen wird.
  • Die baulichen Voraussetzungen sollten im stationären Bereich so gestaltet werden, dass Rückzugsmöglichkeiten, Freiräume, Gartenzugang oder kleine Stationen möglich sind.
  • Patienten sollten die Möglichkeit haben, sich an eine unabhängige Beschwerdestelle zu wenden. Zudem sollten bundesweit und flächendeckend Besuchs-Kommissionen nach den Psychisch-Kranken-Gesetzen zu einer effektiven Kontrolle von Zwangsmaßnahmen ausgebaut werden.
  • Um Krisensituationen und damit häufig verbundene Zwangsmaßnahmen im Vorfeld zu vermeiden, sollte die ambulante Versorgung psychisch kranker Menschen durch mobile Teams und aufsuchende Hilfen ausgebaut und verlässlich finanziert werden.

Mit seinen Empfehlungen unterstützt der Deutsche Ethikrat eine leitlinienorientierte Versorgung bei der Prävention aggressiven Verhaltens und der Durchführung von Zwangsmaßnahmen in der Psychiatrie wie sie kürzlich in der entsprechenden Leitlinie empfohlen wurde.

Links:
Stellungnahme des Deutschen Ethikrats