AM 9./10. MAI 2019 IN DRESDEN

Psychische Erkrankungen gehören zu den häufigsten Ursachen für Arbeitsunfähigkeit und Frühverrentung. Die oft schlechte Vernetzung zwischen Versorgungssystem und Unternehmen tragen dazu bei. Die vierte Fachtagung in der Reihe „Schnittstellen zwischen Prävention, Rehabilitation und Psychotherapie“ widmet sich dem Thema „E-Health und psychische Erkrankungen“. Sie findet am 9. und 10. Mai 2019 in Dresden statt und wird in Kooperation von Bundespsychotherapeutenkammer, der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege und der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung durchgeführt.

Bei der Veranstaltung werden digitale Angebote aus den Bereichen Arbeitsschutz, Rehabilitation und Psychotherapie dargestellt, die dazu beitragen können, das Versorgungsangebot zu erweitern und zu verbessern. In den Workshops können konkrete Beispiele digitaler Anwendungen betrachtet und Potenziale sowie kritische Punkte intensiv diskutiert werden.

Weitere Informationen zur Veranstaltung und zu den Anmeldemodalitäten finden Sie hier.

Bis zum 1. April 2019 erarbeitet der Bewertungsausschuss die Regelungen im Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) für die Videosprechstunden. Die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) hatte sich dafür eingesetzt, dass im Pflegepersonal-Stärkungsgesetz eine Behandlung über Video nicht nur Ärzten, sondern auch Psychotherapeuten ermöglicht wird. Mit dem Auftrag an den Bewertungsausschuss wurde diese Forderung umgesetzt.

Gleichzeitig hat der 33. Deutsche Psychotherapeutentag eine Änderung der Musterberufsordnung beschlossen, um eine Fernbehandlung in der psychotherapeutischen Versorgung zu ermöglichen. Die Regelung in der Musterberufsordnung sieht vor, dass eine Videobehandlung unter besonderer Beachtung der Sorgfaltspflichten grundsätzlich möglich ist. Hierzu gehört, dass die Eingangsdiagnostik, Indikationsstellung und Aufklärung immer die Anwesenheit des Patienten voraussetzt.

Für die Nutzung von Internetprogrammen und elektronischen Medien im Praxisalltag hatte die BPtK 2017 einen Leitfaden erstellt.

Links:
BPtK-Leitfaden für Internetprogramme im Praxisalltag

PSYCHOTHERAPEUTISCHE PRAXEN: „MEHR ANGEBOT LÖST DAS PROBLEM NICHT.“

Die Bundespsychotherapeutenkammer fordert, mehr psychotherapeutische Praxen zuzulassen, um die monatelange Wartezeit auf eine psychotherapeutische Behandlung zu verkürzen.
Gesundheitsminister Jens Spahn behauptet im ARD-Morgenmagazin am 12. Dezember 2018:
„Mehr Angebot löst das Problem nicht.“
Richtig ist:

Mehr psychotherapeutische Praxen verkürzen die Wartezeit erheblich.
Ende 2012 beschloss der Gemeinsame Bundesausschuss, 1.300 psychotherapeutische Praxen zusätzlich in ländlichen Regionen zuzulassen. Die Wartezeiten in ländlichen Regionen waren damals überdurchschnittlich lang. Es gab drei Kreistypen für ländliche Gebiete:

  • Kreistyp 7: 27,3 Wochen
  • Kreistyp 8: 23,7 Wochen,
  • Kreistyp 9: 28,7 Wochen,
  • Bundesdurchschnitt: 23,4 Wochen.

Der Kreistyp 8 bezog sich auf „verdichtete Kreise in ländlichen Räumen“. Dort waren mehr Psychotherapeuten vorgesehen als in rein ländlichen Kreistypen, was zu vergleichsweise kürzeren Wartezeiten führte.
Mit der Zulassung von 1.300 zusätzlichen psychotherapeutischen Praxen wurden auch die Kreistypen der Bedarfsplanung zusammengefasst. Aus 10 Kreistypen wurden 5 Kreistypen. Der Kreistyp für ländliche Regionen war jetzt der Kreistyp 5.
Im Kreistyp 5 sank die Wartezeit auf eine psychotherapeutische Behandlung durch die zusätzlichen 1.300 psychotherapeutischen Praxen auf 20,7 Wochen. In den rein ländlichen Gebieten sank die Wartezeit durch mehr Angebote also um rund zwei Monate.

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PM BPtK: Spahnscher Irrtum 3: Psychotherapeutische Praxen: „Mehr Angebot löst das Problem nicht.“

Sprechen Sie Tigrinya?

Hamburgische Bürgerschaft ermöglicht geflüchteten Menschen sprachliche Verständigung in der ambulanten Gesundheitsversorgung: Mittel zur Weiterfinanzierung des SprachmittlerInnenpools für psychotherapeutisch-psychiatrische Versorgung und für medizinische Versorgung von behinderten Geflüchteten wurden im Haushalt 2019/2020 bereitgestellt

In der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, die vor 70 Jahren von den Vereinigten Nationen verabschiedet wurde, ist in Artikel 26 das Recht auf gesundheitliche Versorgung deklariert. Wie aber kann man in Deutschland fachgerechte medizinische Hilfe in Anspruch nehmen, wenn es keine/n BehandlerIn gibt, die/der beispielsweise Tigrinya spricht und so geflüchteten Menschen aus Eritrea helfen kann?
Hamburg hat als erstes Bundesland eine Antwort auf diese Frage gefunden. Die 5.000 ambulant tätigen ÄrztInnen und PsychotherapeutInnen in Hamburg können kostenlos auf qualifizierte SprachmittlerInnen zurückgreifen, so dass psychisch erkrankten wie auch behinderten Geflüchteten ein Zugang zur gesundheitlichen Regelversorgung ermöglicht wird. Nach einer ersten evaluierten Modellphase werden beide Teilprojekte („Hamburger Sprachmittlerpool für die ambulante psychiatrisch-psychotherapeutische Versorgung“ & „Hamburger Sprachmittlerpool für Menschen mit Behinderung)(*) von der Hamburgischen Bürgerschaft für weitere 1,5 Jahre finanziell unterstützt.

Dr. Pedram Emami, Präsident der Hamburger Ärztekammer: „Es ist bundesweit einmalig, dass eine bislang stark benachteiligte Gruppe im Gesundheitssystem Zugang zur Regelversorgung erhält. Dies ist ein wichtiger Anfang, den wir sehr begrüßen. Denn ohne qualifizierte und finanzierte Sprachmittlung ist qualifizierte medizinische Versorgung kaum zu leisten. Wir brauchen für alle PatientInnen Sprachmittlung in der Regelversorgung!“

Dipl.-Psych. Heike Peper, Präsidentin der Psychotherapeutenkammer Hamburg: „Menschen, die psychisch erkrankt sind, benötigen in der psychotherapeutischen Behandlung die Sprache, die ihnen am vertrautesten ist. Da es nur sehr wenige PsychotherapeutInnen gibt, die geflüchtete Menschen in ihrer Muttersprache behandeln können, ist der Einsatz qualifizierter SprachmittlerInnen unerlässlich. Dass die SprachmittlerInnen im geförderten Projekt regelmäßig Supervision erhalten, finde ich sehr wichtig.“

Kristin Alheit, Geschäftsführende Vorständin des PARITÄTISCHEN Wohlfahrtsverbands Hamburg: „Die Teilhabe an der gesundheitlichen Versorgung ist ein elementares Menschenrecht, auch für Menschen, die mit der Sprache der Mehrheitsgesellschaft nicht vertraut sind. Ich bin sehr froh, dass dieses Grundrecht nun auch für einen Teil der nicht deutschsprachigen Menschen in Hamburg gilt.“

Axel Graßmann, Geschäftsführer Landesverband Lebenshilfe Hamburg: „Wir sind sehr erleichtert, dass es jetzt möglich ist, geflüchtete Menschen mit Behinderung bei Arztbesuchen und Kontakten zu Beratungsstellen durch einen qualifizierten Sprachmittler zu unterstützen. Diese Menschen werden nun in die Lage versetzt, ihre eigenen gesundheitlichen Bedarfe vorzutragen und Antworten verstehen zu können. Die qualifizierte Unterstützung in der Kommunikation ist ein wesentlicher Schritt zur Teilhabe und Integration Geflüchteter mit Behinderung“.

Dr. Mike Mösko, Vorsitzender von SEGEMI e.V.: „Wir sind sehr erfreut, das fundamentale Problem der Finanzierung von Sprachmittlung bei der Behandlung nicht deutschsprachiger PatientInnen zumindest temporär gelöst zu haben. Nun gilt es, noch mehr ÄrztInnen und PsychotherapeutInnen für die Arbeit mit professionellen SprachmittlerInnen zu motivieren. Angesichts einer leistungsorientierteren Versorgung und Vergütung erscheint die Arbeit mit SprachmittlerInnen als wenig attraktiv. Wir hoffen sehr, dass wir dieses Spannungsfeld entzerren und KollegInnen zur Arbeit zu Dritt motivieren können.“


Für Hintergrundinformationen sowie Interviewwünsche wenden Sie sich bitte an:

  • Dr. Mike Mösko, SEGEMI Seelische Gesundheit • Migration und Flucht e.V.:
    m.moesko@segemi.org , Tel.: 040-63692499
  • Dipl. Psych. Heike Peper, Psychotherapeutenkammer Hamburg:
    peper@ptk-hamburg.de, Tel.: 040 – 226 226 060
  • Nicola Timpe; Pressestelle der Ärztekammer Hamburg:
    presse@aekhh.de.de ; Tel.: 040 – 202299200
  • Axel Graßmann, Lebenshilfe Landesverband Hamburg e.V.:
    axel.grassmann@lhhh.de, Tel.: 040 – 68 94 33 – 15

(*) Der Hamburger SprachmittlerInnenpool wird durchgeführt von dem gemeinnützigen Verein „SEGEMI Seelische Gesundheit . Migration und Flucht“, einer Arbeitsgemeinschaft zur Förderung der Seelischen Gesundheit von Migranten und Flüchtlingen in der Metropolregion Hamburg. Ein Teil des Projekt („Hamburger Sprachmittlerpool für die ambulante psychiatrisch-psychotherapeutische Versorgung“) wird gefördert durch die Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz der Freien und Hansestadt Hamburg. Der zweite Teil des Projekts („Hamburger Sprachmittlerpool für Menschen mit Behinderung“) wird durch die Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (BASFI) der Freien und Hansestadt Hamburg gefördert. Weitere Informationen finden Sie hier:
http://www.segemi.org/aufnahme-in-den-segemi-sprachmittlerpool.html

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PM_2018_12_14_Sprachmittlerpool_Weiterfinanzierung.pdf (PDF, 287 kb)

Hamburgische Bürgerschaft ermöglicht geflüchteten Menschen sprachliche Verständigung in der ambulanten Gesundheitsversorgung

„Wartezeiten sind dort am längsten, wo die meisten Psychotherapeuten sind.“

Gesundheitsminister Jens Spahn hatte schon am 26. September 2018 im Bundestag behauptet:

„Die Stadt mit dem höchsten Versorgungsgrad in der psychotherapeutischen Versorgung ist Freiburg; die Stadt mit den längsten Wartezeiten ist – Freiburg.“ (Protokoll Deutscher Bundestag, 51. Plenarsitzung)

Jetzt hat er diese These im ARD-Morgenmagazin (12. Dezember 2018) noch einmal wiederholt:

„Wir müssen gleichzeitig feststellen, dass in den Regionen, wo die meisten Psychotherapeuten sind, ihr Angebot machen, wir auch die längsten Wartezeiten haben.“

Dieser Spahnsche Irrtum, den die Bundespsychotherapeutenkammer schon am 28. September 2018 korrigiert hatte, wird auch durch Wiederholung nicht richtig.

Richtig ist:

Dort, wo es mehr Psychotherapeuten gibt, sind die Wartezeiten auf eine psychotherapeutische Behandlung auch kürzer. In Großstädten, in denen mehr Psychotherapeuten zugelassen werden, als auf dem Land, warten psychisch kranke Menschen deutlich kürzer auf eine Behandlung als im Bundesdurchschnitt (19,9 Wochen). In Berlin warten sie beispielsweise 13,4 Wochen, im Saarland dagegen 23,6 Wochen.

Und auch nochmal zu Freiburg: Dort arbeiten 121,5 Psychotherapeuten je 100.000 Einwohner. Damit ist Freiburg eine der am besten versorgten Großstädte. Im Bundesdurchschnitt sind es 25,1 Psychotherapeuten je 100.000 Einwohner. Weil es in Freiburg mehr Psychotherapeuten als im Bundesdurchschnitt gibt, warten die Menschen dort auch nicht so lange auf einen Termin bei einem Psychotherapeuten. In Freiburg beträgt die Wartezeit auf einen ersten Termin in der Sprechstunde 3,4 Wochen (Bundesdurchschnitt: 5,7 Wochen) und auf einen Behandlungstermin (Richtlinienpsychotherapie) 12,5 Wochen (Bundesdurchschnitt: 19,9 Wochen). Die Wartezeiten sind in Freiburg also deutlich kürzer als anderswo. Fazit: In Freiburg müssen Patienten fast nur halb so lange auf einen Beratungs- oder Behandlungstermin warten wie im Bundesdurchschnitt.

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PM BPtK: Spahnscher Irrtum 1 – Reloaded

„WIR HABEN HEUTE SO VIELE PSYCHOTHERAPEUTEN ZUGELASSEN WIE HAUSÄRZTE.“

Bundesgesundheitsminister Spahn ist nicht ausreichend über grundsätzliche Relationen im deutschen Gesundheitswesen informiert. Im ARD-Morgenmagazin von 12. Dezember 2018 behauptete er:
„Wir haben heute so viele Psychotherapeuten zugelassen wie Hausärzte.“
Richtig ist:
In Deutschland gibt es mehr als doppelt so viele Hausärzte wie Psychotherapeuten. Am 31. Dezember 2017 waren genau 51.914 Praxissitze für Hausärzte zugelassen, aber nur 23.717 Praxissitze für Psychotherapeuten.
Dass es noch mehr Psychotherapeuten sein müssen, belegen folgende Zahlen:
Nach der bevölkerungsrepräsentativen Studie zur Gesundheit in Deutschland des Robert Koch-Instituts leiden 28 Prozent der Erwachsenen innerhalb eines Jahres unter mindestens einer psychischen Erkrankung. Insgesamt sind in Deutschland circa 19 Millionen Menschen jährlich von einer psychischen Erkrankung betroffen. Laut Gutachten des Gemeinsamen Bundesausschusses sind jährlich etwa 1,9 Millionen Menschen bei einem Psychotherapeuten in Behandlung. Das sind lediglich 10 Prozent aller psychisch kranken Menschen. Nicht jeder psychisch kranke Mensch benötigt eine Psychotherapie oder möchte diese in Anspruch nehmen. Aber bei den meisten psychischen Erkrankungen ist Psychotherapie nach nationalen und internationalen Leitlinien die Behandlungsmethode der ersten Wahl. Dass nur jeder zehnte psychisch kranke Mensch eine Psychotherapie erhält, zeigt, welch große Defizite in der ambulanten psychotherapeutischen Versorgung noch bestehen.

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PM BPtK: Spahnscher Irrtum 2: „Wir haben heute so viele Psychotherapeuten zugelassen wie Hausärzte.“

LANDESPSYCHOTHERAPEUTENKAMMER RLP VERÖFFENTLICHT BROSCHÜRE

Die LPK RLP hat eine Broschüre zu Steuertipps für Psychotherapeuteinnen und Psychotherapeuten veröffentlicht.
Hier können Sie die Broschüre herunterladen:
„Steuertipps für Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten“

BPtK-Auswertung zum Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG)

Menschen, die in die psychotherapeutische Sprechstunde kommen, bekommen dort je nach Dringlichkeit und Schwere die Leistungen empfohlen, die sie benötigen. Knapp 60 Prozent der Ratsuchenden erhalten eine psychotherapeutische Behandlung. Von ihnen befindet sich jeder sechste in einer so starken psychischen Krise, dass eine Akutbehandlung kurzfristig notwendig ist. Diese rasche Hilfe gibt es insbesondere für Patienten, die ansonsten nicht mehr arbeiten, in die Schule gehen könnten oder in ein Krankenhaus eingewiesen werden müssten.

Längst nicht alle Patienten, die in eine Sprechstunde kommen, beginnen eine psychotherapeutische Behandlung. Über 40 Prozent der Patienten erhalten zwar eine diagnostische Abklärung, verlassen jedoch die Praxis, ohne anschließend eine Akut-, Kurzzeit- oder Langzeittherapie zu beginnen. Bei leichten Beschwerden, aus denen sich eine psychische Erkrankung entwickeln könnte, empfehlen Psychotherapeuten Angebote zur Prävention und Selbsthilfe oder verweisen an eine Beratungsstelle. Je nach Art und Schwere der Erkrankung veranlassen Psychotherapeuten aber z. B. auch eine Behandlung im Krankenhaus, medizinische Rehabilitation, Soziotherapie oder eine fachärztliche Behandlung.

Das sind die Ergebnisse einer Auswertung der Abrechnungsdaten von rund 240.000 Patientinnen und Patienten, die im 2. Quartal 2017 erstmals in einer psychotherapeutischen Sprechstunde waren. „Die Daten belegen deutlich: Die psychotherapeutische Sprechstunde ist ein überaus großer Erfolg. Patienten, die sich von einem Psychotherapeuten beraten lassen, erhalten je nach Dringlichkeit und Schwere der Beschwerden die Hilfe, die sie benötigen“, stellt Dr. Dietrich Munz, Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK), fest. „Die größte Verbesserung konnte für die Patienten erreicht werden, die besonders dringend Hilfe benötigen. Sie erhalten mit der Akutbehandlung jetzt besonders schnell professionelle Hilfe. Damit erweist sich die neue psychotherapeutische Sprechstunde schon kurz nach ihrer Einführung als überaus erfolgreich.“

Bereits direkt nach ihrer Einführung am 1. April 2017 wurde die psychotherapeutische Sprechstunde schon im 2. Quartal 2017 flächendeckend angeboten. Dabei wurden die geforderten Mindestzeiten sogar deutlich übertroffen. Mittlerweile ist auch erkennbar, dass gerade Patientengruppen, die bisher aufgrund der langen Wartezeiten häufig gar nicht erst versuchten, einen Termin in einer psychotherapeutischen Praxis zu bekommen, verstärkt den Weg zum Psychotherapeuten finden. Das sind vor allem psychisch kranke Menschen mit chronischen Erkrankungen, die arbeitsunfähig sind, und sozial benachteiligte Patienten. Daten des Robert Koch-Instituts zeigen außerdem, dass vor allem besonders belastete Patienten mit mehreren psychischen Erkrankungen eine ambulante Behandlung erhalten. Von den Patienten mit zwei psychischen Diagnosen beginnen rund 20 Prozent innerhalb eines Jahres eine Behandlung, bei Patienten mit vier oder mehr psychischen Diagnosen sind dies doppelt so viele (40 Prozent).

„Der große Erfolg der psychotherapeutischen Sprechstunde kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass psychisch kranke Menschen noch viel zu lang auf eine Kurz- oder Langzeittherapie warten“, kritisiert BPtK-Präsident Munz. Jeder dritte Patient, der eine Richtlinientherapie benötigt, erhält diese Behandlung erst zwei bis drei Quartale später. „Die psychotherapeutische Sprechstunde hat zwar dazu geführt, dass psychisch kranke Patienten jetzt schneller erfahren, ob sie eine Behandlung benötigen“, erläutert Munz. „Danach müssen sie jedoch weiterhin monatelang auf einen freien Behandlungsplatz warten.“ Die BPtK fordert deshalb im geplanten Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG), das am Donnerstag im Bundestag beraten wird, ein Sofortprogramm für psychisch kranke Menschen. Dazu gehört:

  • die sofortige Möglichkeit für 1.500 Psychotherapeuten, sich außerhalb von großstädtischen Zentren zusätzlich niederzulassen. Dadurch könnten die Wartezeiten von fünf bis sieben Monaten für psychisch kranke Menschen auf dem Land im Sinne einer Soforthilfe kurzfristig abgesenkt werden,
  • daran anschließend: eine grundsätzliche Reform der Bedarfsplanung, die sich an der Morbidität der Bevölkerung orientiert. Nach repräsentativen epidemiologischen Studien leiden die Menschen überall in etwa gleich häufig an einer psychischen Erkrankung, unabhängig davon, ob sie in der Stadt oder auf dem Land wohnen. „Auf dem Land sind deshalb in etwa so viele Psychotherapeuten notwendig wie in großstädtischen Zentren“, macht BPtK-Präsident Munz deutlich. „Die fehlerhaften Vorgaben der bisherigen Bedarfsplanung, nach denen sich auf dem Land erheblich weniger Psychotherapeuten niederlassen können, gehören abgeschafft.“
  • eine höhere Vergütung sowohl für die Sprechstunde als auch für die psychotherapeutische Akutbehandlung, da diese beiden Leistungen besondere Flexibilität in der Behandlungsplanung erfordern. „Wir nehmen Gesundheitsminister Spahn beim Wort. Besondere Leistungen müssen sich besonders lohnen“, fordert Munz. „Deshalb sollten auch Psychotherapeuten, die ihren Patienten kurzfristig die Termine für eine Sprechstunde und für eine Akutbehandlung geben, besser vergütet werden.“

Angesicht des Erfolgs der Sprechstunde und der Akutbehandlung hält die BPtK den im TSVG geplanten Auftrag an den Gemeinsamen Bundesausschuss, eine gestufte und gesteuerte psychotherapeutische Versorgung in der Psychotherapie-Richtlinie zu verankern, für überflüssig, so Munz. „Eine gestufte und gesteuerte Versorgung von psychisch kranken Menschen ist seit der Einführung der psychotherapeutischen Sprechstunde längst Realität“, stellt Munz fest. „Die Entscheidung, ob eine psychotherapeutische Behandlung notwendig ist, muss eine Entscheidung des Patienten und des Psychotherapeuten seiner Wahl bleiben. Psychisch kranke Menschen haben das gleiche Recht der freien Wahl eines Behandlers ihres Vertrauens wie körperlich kranke Menschen. Davor eine bürokratische Prüfinstanz zu schalten, dient schlicht der Abschreckung von Patienten. Der Auftrag an den Gemeinsamen Bundesausschuss ist ersatzlos zu streichen.“

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INNERHALB KURZER ZEIT RUND 65.000 UNTERSCHRIFTEN GESAMMELT

Die Petition gegen das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) hat bereits nach kurzer Zeit mehr als die notwendigen 50.000 Unterschriften gesammelt. Damit hat die Petition ausreichend Unterschriften erhalten, damit der Petitionsausschuss zu den Forderungen eine öffentliche Anhörung veranstalten kann.

Die aufrufenden Psychotherapeutenverbände hatten sich insbesondere dagegen gewendet, dass mit dem TSVG für Patienten die freie Wahl des Psychotherapeuten beschnitten werden soll. Initiiert wurde die Petition vom Bundesverband der Vertragspsychotherapeuten, der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung und der Vereinigung Analytischer Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten. Viele weitere Berufs- und Fachverbände unterstützen inzwischen die Initiative.

Die Petition kann noch bis zum 13. Dezember unterzeichnet werden.

Links:

Petition 85363: Heilberufe – Ablehnung des Gesetzentwurfs zum Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG)