www.Gefuehle-fetzen.net – BPtK-Internetangebot für Jugendliche ab dem 01.12.

Wer blickt da schon durch? Den einen Tag läuft es gut, dann ist wieder Chaos. Gefühle sind ständig anders. Mal stark, mal kaum zu spüren. Meist normal, manchmal großartig, dann und wann quälend. Ab und zu sogar irre quälend.

Johanna, 15 Jahre, muss sich zum Beispiel ständig die Hände waschen: „Ich kann kaum was dagegen tun. Wenn ich nach Hause komme, muss ich meine Hände waschen. Überall gibt es Keime. Meine Hände sind rot, tun weh und ich habe an einigen Stellen Risse durch das gründliche Waschen, aber so kann ich sichergehen, dass sie sauber sind. Meine Freunde sagen ich sei verrückt, aber die können das auch nicht verstehen.“

Siggi, 13 Jahre denkt, dass er für andere unerträglich ist: „Niemand hält mich aus. Ich mich manchmal auch nicht. Alle regen sich darüber auf, dass ich immer hippelig bin und sie sagen, sie verstehen mich nicht. Manchmal reagiere ich so und fünf Minuten später wieder anders. Aber ich kann halt nicht raus aus meiner Haut. X-mal habe ich es schon probiert, ruhig zu bleiben. Aber irgendwie schaffe ich das nicht.“

Uli, 14 Jahre, berichtet, dass er gerne zu viel trinkt: „Ich meine, ich bin nicht süchtig danach oder so. Es macht einfach nur Spaß. Wenn ich erst mal angefangen habe, möchte ich am selben Abend auch nicht mehr aufhören. In drei Wochen sind schon Ferien. Ich weiß genau, dass ich dann jeden Abend mit Jonas und den anderen verbringen werde. Hoffentlich fahren meine Eltern mal in den Urlaub.“

Die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) hat für Jugendliche, die herausfinden wollen, was mit Ihnen los ist, eine eigene Homepage entwickelt (www.Gefuehle-fetzen.net), die ab dem 1. Dezember 2015 online ist. Auf den Internetseiten beschreiben Jugendliche, wie es ihnen mit bestimmten Gefühlen geht. Gefühle gehören zum Leben und manchmal spielen sie verrückt. Nehmen einen völlig in Beschlag. Lassen einen an nichts anderes mehr denken. Man kann sie nicht wirklich steuern. Mit diesem Auf und Ab der Gefühle kommen die meisten ganz gut alleine klar. Ein Gespräch mit einem Freund oder einer Freundin oder auch den Eltern hilft oft schon und das Leben geht wieder seinen gewohnten Gang.

Manchmal ist aber etwas anders.

Etwas quält wochenlang. Eine Last drückt ständig auf die Schultern. Ein Klumpen im Bauch löst sich nicht auf. Eine Wut rumort und rumort. Eine Angst legt lahm. Oder alles ist wüst und leer. Die Gefühle sind weg. Alles ist wie taub. Bestimmte Gedanken lassen einen nicht mehr los. Immer und immer wieder das gleiche innere Desaster. Nicht zum Aushalten. Ein entsetzliches Durcheinander. Ein einziges Tohuwabohu. Keine Lösung in Sicht. Alles hoffnungslos.

Dann könnte der Moment gekommen sein, sich Hilfe zu holen. Ein Gespräch mit einem Psychotherapeuten oder einer Psychotherapeutin kann einem dabei helfen, das große Chaos zu sortieren. Wie man Rat und Hilfe findet, steht deshalb auch auf den Seiten.

Vor allem aber will die BPtK klar machen: Gefühle, Konflikte und Spannungen sind normale Bestandteile des Lebens. Alle Menschen kennen das. Das Wichtigste ist, mit anderen darüber zu reden, wenn es mal wieder dicke kommt. Insbesondere dazu soll die Seite Mut machen.

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Versorgung psychisch kranker Flüchtlinge sicherstellen

Eine patientenorientierte Weiterentwicklung der Psychotherapie-Richtlinien, eine zügige Verbesserung der Versorgungsqualität in der stationären Versorgung sowie eine angemessene Vergütung psychotherapeutischer Leistungen – das waren die zentralen Forderungen des 27. Deutschen Psychotherapeutentages (DPT) am 14. November in Stuttgart. Ein besonderes Anliegen war dem DPT, die psychotherapeutische Versorgung psychisch kranker Flüchtlinge in allen Altersstufen sicherzustellen.

Den vollständigen Artikel sowie die Fotos der Veranstaltung können Sie hier einsehen.

DAK veröffentliche Psychoreport 2015

Fehltage wegen psychischer Erkrankungen haben bei DAK-Versicherten im vergangenen Jahr ein neues Rekordniveau erreicht. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Anzahl der Arbeitsunfähigkeitstage wegen einer psychischen Erkrankung etwa verdreifacht. Sie liegt aktuell bei fast 240 Fehltagen pro 100 Versicherten. Psychische Erkrankungen sind damit erstmals die zweithäufigste Ursache für Fehltage am Arbeitsplatz. Das sind zentrale Ergebnisse des neuen Psychoreports 2015 der DAK-Gesundheit.

„Psychisch kranke Menschen sprechen inzwischen offener über ihre Beschwerden und trauen sich auch, ihrem Arzt davon zu berichten. Durch zunehmende Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen steigt die richtige Feststellung der Ursache von Arbeitsunfähigkeit und auch die Zahl derjenigen Patienten, die sich behandeln lassen wollen und einen Psychotherapeuten suchen“, stellt Dr. Dietrich Munz, Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK), fest.

Um den steigenden Behandlungsbedarf zu decken und den langen Wartezeiten auf eine Psychotherapie entgegenzuwirken, setzt die DAK verstärkt auf Online-Programme. „Psychisch belastete und kranke Menschen benötigen schnell Beratung und Hilfe“, fordert BPtK-Präsident Munz. „Online-Programme können das bisherige Behandlungsangebot ergänzen. Der Großteil der psychisch kranken Menschen braucht und will aber eine Psychotherapie. Und diese müssen sie auch erhalten.“

Nach den DAK-Analysen verursachen Depressionen und Anpassungsstörungen die meisten der Arbeitsunfähigkeitstage. Frauen sind fast doppelt so oft wegen psychischer Erkrankungen krankgeschrieben wie Männer (6,5/3,6 Prozent). Außerdem zeigen sich deutliche regionale Unterschiede. Während im Saarland im vergangenen Jahr 306 Fehltage je 100 Versicherte psychisch bedingt waren, waren es in Bayern lediglich 193 und in Baden-Württemberg 197 Fehltage.

Die DAK-Gesundheit ist eine der größten gesetzlichen Kassen in Deutschland und versichert 6,1 Millionen Menschen. Für den DAK-Psychoreport hat das IGES-Institut die anonymisierten Daten von rund 2,6 Millionen erwerbstätigen Versicherten ausgewertet.

Links:

Pressemitteilung der DAK-Gesundheit zum Psychoreport 2015

BPtK kritisiert scharf die Pläne des BMI für ein neues Asylpaket

Die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) lehnt die geplanten Neuregelungen zu beschleunigten Asylverfahren für psychisch kranke Flüchtlinge als inhuman und lebensgefährdend ab.

„Die Annahme, dass posttraumatische Belastungsstörungen keine erhebliche und konkrete Gefahr für Leib und Leben darstellen, ist fachlich falsch“, erklärt BPtK-Präsident Dr. Dietrich Munz. „Flüchtlinge, die an dieser psychischen Störung erkranken, sind oft suizidal. 40 Prozent von ihnen hatten bereits Pläne, sich das Leben zu nehmen oder haben sogar schon versucht, sich zu töten. Es ist deshalb unverantwortlich, wenn das Bundesinnenministerium (BMI) plant, Flüchtlinge trotz vorliegender posttraumatischer Belastungsstörung in der Regel abzuschieben.“

„Flüchtlinge mit schweren Traumata dürfen nicht mit Tabletten ruhig gestellt werden, um sie abschieben zu können. Das wäre fachlich unverantwortlich und zutiefst inhuman“, stellt BPtK-Präsident Munz fest. „Unter Fachleuten besteht Einigkeit: Nach der konsentierten S3-Leitlinie soll eine posttraumatische Belastungsstörung psychotherapeutisch behandelt werden. Ohne Psychotherapie ist ein schweres Trauma nicht wirksam zu behandeln. PTBS-Kranke erhalten in Einzelfällen Beruhigungstabletten, um überhaupt wieder schlafen zu können. Die Verordnung von Beruhigungsmitteln und Psychopharmaka ersetzen aber keine Psychotherapie.“

Ereignisse, die als lebensbedrohlich oder als katastrophal erlebt werden und eine tiefe Verzweiflung verursachen, können zu einer schweren psychischen Erkrankung führen. Menschen, die Opfer von Vergewaltigung, Krieg, Vertreibung und Folter wurden, haben ein hohes Risiko eine posttraumatische Belastungsstörung zu entwickeln. Zu den häufigsten lebensbedrohlichen Erlebnissen, die von Flüchtlingen berichtet werden, gehören Beschuss mit Handfeuerwaffen und Granaten, Hunger und Durst (z. B. während einer Haft), Todesdrohungen und Scheinexekutionen, körperliche Folter, Stromschläge, sexuelle Erniedrigung und Vergewaltigung sowie auch das Miterleben von Hinrichtungen oder Vergewaltigungen.

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NEUER VORSTAND IN DER PTK HAMBURG

Am 18.11.2015 fand die konstituierende Sitzung der Delegiertenversammlung statt. Von den 29 jüngst gewählten Delegierten waren 28 Delegierte anwesend und wählten eine Präsidentin, einen Vizepräsidenten und drei Beisitzer für den Vorstand der vierten Legislaturperiode (2015 – 2019):

Präsidentin
Dipl.-Psych. Heike Peper

Vizepräsident
Dipl.-Psych. Torsten Michels

Beisitzer
Dr. Thomas Bonnekamp, Dipl.-Psych.
Gabriela Küll
Dipl.-Psych. Ursula Meier-Kolcu

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