Fraunhofer FOKUS hat einen umfassenden Kriterienkatalog entwickelt, um Gesundheits-Apps bewerten und empfehlen zu können, und als Webanwendung zur Verfügung gestellt. Mit dem Programm „AppKri“ können Patientenverbände, medizinische Fachgesellschaften und andere gezielt eine eigene Kriterienliste für spezifische Zielgruppen zusammenstellen, um Gesundheits-Apps zu beurteilen und auszuwählen. Das Projekt wurde vom Bundesgesundheitsministerium gefördert, die Anwendung ist seit dem 6. November freigeschaltet.

Links:
www.appkri.de

Diotima 2018 an Ellen Bruckmayer und Hans-Jochen Weidhaas

Ellen Bruckmayer und Hans-Jochen Weidhaas haben heute den Diotima-Ehrenpreis der deutschen Psychotherapeutenschaft erhalten. Die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) ehrt damit in diesem Jahr zwei Psychotherapeuten, deren herausragendes Engagement entscheidend dazu beigetragen hat, dass vor rund 20 Jahren das Psychotherapeutengesetz verabschiedet werden konnte. „Obwohl in unterschiedlichen psychotherapeutischen Traditionen verortet, verbanden beide sachliche Leidenschaft und den Blick für die gesamte Profession“, stellte BPtK-Präsident Dr. Dietrich Munz in seiner Laudatio fest. „Beide hatten in der entscheidenden parlamentarischen Phase das politische Augenmaß, den Kompromiss in der Profession zu suchen und zu finden, der in diesem Moment politisch umsetzbar war.“

Das Psychotherapeutengesetz war ein entscheidender Schritt zur Verbesserung der Versorgung psychisch kranker Menschen. Seither können sich Menschen mit psychischen Beschwerden direkt an einen Psychologischen Psychotherapeuten oder Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten wenden. Auf deren Qualifikation können sich die Patienten verlassen, da alle über eine Ausbildung mit Staatsprüfung und Approbation verfügen und der Aufsicht der Kammern unterliegen. Das Psychotherapeutengesetz, das am 1. Januar 1999 in Kraft trat, war die Grundlage für die Integration der Psychologischen Psychotherapeuten und der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten in die Regelversorgung der gesetzlichen Krankenversicherung.

Der Diotima-Ehrenpreis der deutschen Psychotherapeutenschaft wird einmal im Jahr an Personen oder Organisationen verliehen, die sich in besonderem Maß um die Versorgung psychisch kranker Menschen verdient gemacht haben. Der Preis ist nach Diotima aus Mantinea benannt, einer mythischen Priesterin der Antike. Sie gilt als Lehrerin des Sokrates, die ihn dazu inspirierte, als erster Philosoph die Seele des Menschen in den Mittelpunkt seines Denkens und Lehrens zu stellen.

Downloads:

DEUTSCHER ETHIKRAT VERÖFFENTLICHT STELLUNGNAHME „HILFE DURCH ZWANG?“

Zwangsmaßnahmen sind immer ein schwerwiegender Eingriff in die Grundrechte z. B. eines psychisch kranken Menschen. Sie dürfen deshalb nur als Ultima Ratio eingesetzt werden, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind, um zu verhindern, dass sich eine Person selbst schwer schädigt. Das hat der Deutsche Ethikrat in seiner Stellungnahme „Hilfe durch Zwang? Professionelle Sorgebeziehungen im Spannungsfeld von Wohl und Selbstbestimmung“ veröffentlicht.

Für die psychiatrische Versorgung weist der Ethikrat insbesondere auf folgende Grundsätze hin, die zu beachten sind:

  • Die Entscheidung über eine Zwangsmaßnahme sollte immer durch ein multiprofessionelles Team unter Einbezug des Pflegepersonals beraten und nach Möglichkeit gemeinsam getroffen werden. Wenn keine Einigung im Team zustande kommt, sollte eine Besprechung im Rahmen einer klinischen Ethikberatung erfolgen.
  • Psychiatrische Einrichtungen sollten ihre Patienten über Möglichkeiten beraten und aufklären, ihren eigenen Willen vorsorglich zu bekunden, indem z. B. eine Behandlungsvereinbarung abgeschlossen wird.
  • Die baulichen Voraussetzungen sollten im stationären Bereich so gestaltet werden, dass Rückzugsmöglichkeiten, Freiräume, Gartenzugang oder kleine Stationen möglich sind.
  • Patienten sollten die Möglichkeit haben, sich an eine unabhängige Beschwerdestelle zu wenden. Zudem sollten bundesweit und flächendeckend Besuchs-Kommissionen nach den Psychisch-Kranken-Gesetzen zu einer effektiven Kontrolle von Zwangsmaßnahmen ausgebaut werden.
  • Um Krisensituationen und damit häufig verbundene Zwangsmaßnahmen im Vorfeld zu vermeiden, sollte die ambulante Versorgung psychisch kranker Menschen durch mobile Teams und aufsuchende Hilfen ausgebaut und verlässlich finanziert werden.

Mit seinen Empfehlungen unterstützt der Deutsche Ethikrat eine leitlinienorientierte Versorgung bei der Prävention aggressiven Verhaltens und der Durchführung von Zwangsmaßnahmen in der Psychiatrie wie sie kürzlich in der entsprechenden Leitlinie empfohlen wurde.

Links:
Stellungnahme des Deutschen Ethikrats

WIDO-STUDIE FORDERT DAUERHAFTE FÖRDERUNG VON SPRACH- UND KULTURMITTLUNG

Traumatisierte Flüchtlinge sollten ab dem ersten Tag einen umfassenden Anspruch auf medizinische Versorgung haben, wie er auch gesetzlich Krankenversicherten zusteht. Das fordert das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) in einer aktuellen Studie zur Gesundheit von Flüchtlingen. Bürokratische und sprachliche Hemmnisse müssten abgebaut und das psychotherapeutische Angebot ausgebaut werden. Dazu gehört auch eine Sprach- und Kulturmittlung. Mehr als die Hälfte der Flüchtlinge berichtet, dass sie Schwierigkeiten hatte, einen muttersprachlichen Arzt zu finden oder sich in einer Praxis oder einem Krankenhaus verständlich zu machen. „Eine dauerhafte öffentliche Förderung der Sprach- und Kulturmittlung könnte dieses Problem nachhaltig lösen“, so das WIdO. Dies fördere auch die Integration der Flüchtlinge in die Gesellschaft und den Arbeitsmarkt.

Die Studie zeigt außerdem, dass rund drei Viertel der Flüchtlinge Gewalt erlebt haben und traumatisiert sind – oft sogar mehrfach. 60 Prozent berichteten von Kriegserlebnissen und 40 Prozent von Angriffen durch das Militär. Bei jedem Dritten sind nahestehende Personen verschleppt worden oder verschwunden. 30 Prozent haben Gewalterfahrungen auf der Flucht gemacht, 20 Prozent wurden gefoltert und jeweils 15 Prozent berichteten davon, inhaftiert gewesen oder Zeuge von Folter, Tötung oder sexueller Gewalt geworden zu sein.

Befragt zu psychischen und körperlichen Beschwerden in den letzten sechs Monaten, berichten die Flüchtlinge am häufigsten von Mutlosigkeit, Trauer und Bedrückung (41 Prozent), Nervosität und Unruhe (37 Prozent), Müdigkeit und Erschöpfung (31 Prozent) und Schlafstörungen (29 Prozent). Mehr als 40 Prozent der Flüchtlinge zeigen Anzeichen einer depressiven Erkrankung. Bei den eher körperlichen Beschwerden wird am häufigsten von Rücken- und Kopfschmerzen berichtet (jeweils 30 Prozent). Flüchtlinge, die Traumatisches erlebt haben, berichten sogar mehr als doppelt so oft über psychische und auch körperliche Beschwerden.

Für die Studie befragte das WIdO 2.021 Flüchtlinge aus 260 Aufnahmeeinrichtungen in ganz Deutschland. Die Flüchtlinge stammten vor allem aus Syrien, dem Irak und Afghanistan. Sie lebten noch nicht länger als zwei Jahre in Deutschland.

Links:
Studie des Wissenschaftlichen Instituts der AOK zur Gesundheit von Geflüchteten in Deutschland

BPTK-ROUND-TABLE ZUR HUMANISTISCHEN PSYCHOTHERAPIE AM 27. SEPTEMBER 2018 IN BERLIN

In seinem Gutachten vom 11. Dezember 2017 kam der Wissenschaftliche Beirat Psychotherapie (WBP) zu dem Ergebnis, dass die Humanistische Psychotherapie nicht als wissenschaftlich anerkanntes Psychotherapieverfahren gelten kann. Die Humanistische Psychotherapie erfüllte zum einen nicht alle erforderlichen Kriterien für ein Psychotherapieverfahren. Zum anderen reichten die empirischen Belege der Wirksamkeit nicht aus, um ihre wissenschaftliche Anerkennung bei einem hinreichend breiten Spektrum von psychischen Erkrankungen festzustellen. Beides wäre jedoch erforderlich gewesen, um die Humanistische Psychotherapie für die vertiefte Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten oder Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten zu empfehlen. In diesem Zusammenhang hatte der WBP in seinem Gutachten festgestellt, dass auch die Gesprächspsychotherapie, die von den Antragstellern als eine Methode der Humanistischen Psychotherapie zugeordnet worden war, die aktuellen Kriterien für ein wissenschaftlich anerkanntes Psychotherapieverfahren nicht erfüllt.

Die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) veranstaltete am 27. September 2018 in Berlin einen Round-Table, um über die Entwicklungsperspektiven der Humanistischen Psychotherapie und der Gesprächspsychotherapie nach dem WBP-Gutachten zu diskutieren.

Den gesamten Artikel sowie fotografische Eindrücke und die Vorträge zum Download finden Sie hier auf der Seite der BPtK.

ENGE FRIST FÜR DIE BESTELLUNG: 31. DEZEMBER 2018

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn plant die Frist, ab der alle ärztlichen und psychotherapeutischen Praxen sanktioniert werden, die nicht an die Telematikinfrastruktur angeschlossen sind, bis zum 30. Juni 2019 auszusetzen. Allerdings müssen die Praxisinhaber die dafür notwendige technische Ausstattung bis zum Ende des Jahres bestellt haben, sonst drohen Honorarkürzungen. Eine entsprechende Regelung soll im Pflegepersonal-Stärkungsgesetz festgeschrieben werden, das voraussichtlich Mitte November 2018 verabschiedet wird.

Der Online-Abgleich der Versichertendaten auf der elektronischen Gesundheitskarte bleibt weiterhin für alle Praxen ab 1. Januar 2019 Pflicht.

Die Krankenkassen sind gesetzlich verpflichtet, die Kosten für die Erstausstattung der Praxen und den laufenden Betrieb der Anbindung an die Telematikinfrastruktur zu übernehmen. Kassenärztliche Bundesvereinigung und GKV-Spitzenverband haben sich auf eine Vereinbarung zur Finanzierung der Telematikinfrastruktur geeinigt.

Links:
– KBV: notwendige technische Komponenten für den Anschluss
– KBV: Praxisinformation – Wissenswertes zur Ausstattung und Finanzierung

G-BA ÄNDERT PSYCHOTHERAPIE-RICHTLINIE

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat in seiner Sitzung am 18. Oktober 2018 eine Verbesserung der psychotherapeutischen Versorgung von Menschen mit geistiger Behinderung beschlossen. Künftig können erwachsene Menschen mit einer geistigen Behinderung – wie bereits Kinder und Jugendliche – bis zu zehn Einheiten der psychotherapeutischen Sprechstunde, statt bisher sechs, erhalten. Auch für die probatorischen Sitzungen und in der Rezidivprophylaxe wurden die möglichen Therapieeinheiten analog zu den Regelungen für die Behandlung von Kindern und Jugendlichen erweitert.

Die entsprechende Änderung der Psychotherapie-Richtlinie trägt dem erhöhten Zeitbedarf bei diesen Patientinnen und Patienten während der Diagnostik und Behandlung Rechnung. Hierbei können auch relevante Bezugspersonen aus dem sozialen Umfeld – wie z. B. Betreuer, Eltern, Geschwister – intensiver einbezogen werden. Einschränkungen und Besonderheiten im Sprachverständnis und den verbalen und non-verbalen Ausdrucksmöglichkeiten können die Kommunikation erschweren und in der Phase der diagnostischen Abklärung, der Indikationsstellung und des Aufbaus einer therapeutischen Beziehung einen besonders hohen zeitlichen Aufwand erforderlich machen. Anregungen der Bundespsychotherapeutenkammer, diese zusätzlichen Zeiten auch für die Akutbehandlung vorzusehen und die Rezidivprophylaxe als eigenen zusätzlichen Leistungsbereich für diese Patientinnen und Patienten bereitzustellen, hat der G-BA bei dem aktuellen Beschluss noch nicht aufgegriffen.

Insgesamt ist die Änderung der Psychotherapie-Richtlinie ein erster wichtiger Baustein, die psychotherapeutische Versorgung von Menschen mit einer geistigen Behinderung zu verbessern. Sie sind häufiger psychisch belastet und haben ein erhöhtes Risiko für psychische Erkrankungen und Verhaltensauffälligkeiten. Die psychotherapeutische Versorgung von Menschen mit einer geistigen Behinderung ist in Deutschland jedoch häufig noch sehr unzureichend. Trotz aller Fortschritte in der Diagnostik psychischer Erkrankungen und der Anpassung der psychotherapeutischen Verfahren für diese Patientinnen und Patienten bestehen noch immer erhebliche Barrieren in der ambulanten psychotherapeutischen Versorgung. Dabei konnten verschiedene Studien zeigen, dass die psychotherapeutische Behandlung auch bei Menschen mit geistiger Behinderung wirksam ist.

Links:
Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses

BPTK ZUM G-BA-GUTACHTEN ZUR BEDARFSPLANUNG

Berlin, 15. Oktober 2018: Das Gutachten zur Weiterentwicklung der Bedarfsplanung, das der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) heute in Berlin vorgestellt hat, bietet keine Lösung, die Wartezeiten auf eine Behandlung für psychisch kranke Menschen ausreichend zu verkürzen. Die Gutachter kommen zwar zu dem Ergebnis, dass deutschlandweit rund 2.400 psychotherapeutische Praxen fehlen. Sie setzen jedoch die von den heute zugelassenen Psychotherapeuten erbrachten Leistungen mit dem Bedarf gleich.

„Die Gutachter haben ihre eigentliche Aufgabe nicht erfüllt“, kritisiert Dr. Dietrich Munz, Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK), das G-BA-Gutachten. „Angesichts der langen Wartezeiten auf eine Psychotherapie reicht es nicht aus, den Status quo an psychotherapeutischer Versorgung heranzuziehen, um den Bedarf abzuschätzen. Aufgabe der Gutachter wäre es gewesen, ein Konzept zu entwickeln, wie unter Berücksichtigung der Häufigkeit psychischer Erkrankungen der Bedarf an psychotherapeutischen Behandlungsplätzen ermittelt werden kann. Daran sind die G-BA-Gutachter jedoch gescheitert.“ Nach BPtK-Berechnungen sind rund 7.000 zusätzliche Psychotherapeutenpraxen notwendig, um die monatelangen Wartezeiten auf eine psychotherapeutische Behandlung in besonders schlecht versorgten Regionen zu verkürzen.

Kein Konzept für eine bedarfsgerechte Ermittlung der Anzahl psychotherapeutischer Praxen Die G-BA-Gutachter gehen bei der Ermittlung des fachspezifischen Versorgungsbedarfs über den Status quo nicht hinaus. Sie schlagen vor, die notwendige Anzahl von Ärzten und Psychotherapeuten auf Basis der aktuell abgerechneten ärztlichen und psychotherapeutischen Leistungen zu ermitteln. „Damit gehen sie grundsätzlich davon aus, dass die Versorgungsleistungen, die Ärzte und Psychotherapeuten aktuell erbringen, ausreichen, um kranke Menschen angemessen zu versorgen. Gerade bei psychisch kranken Menschen herrscht jedoch ein erheblicher und unstrittiger Mangel an Behandlungsplätzen“, stellt BPtK-Präsident Munz fest. „Weil die Gleichsetzung von Angebot und Bedarf in der ambulanten Psychotherapie völlig unhaltbar ist, hatten die G-BA-Gutachter den Auftrag bekommen, ein neues Konzept zu entwickeln. Dieser Auftrag wurde jedoch nicht erfüllt.“ Psychisch kranke Menschen warten durchschnittlich fünf Monate auf eine psychotherapeutische Behandlung. „Angesichts eines solch gravierenden Mangels an psychotherapeutischen Behandlungsplätzen keine konkreten Ansätze zur Berechnung des tatsächlichen Versorgungsbedarfs vorzulegen, ist konzeptionell mehr als mager.“

Nach der bevölkerungsrepräsentativen Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS) des Robert Koch-Instituts leiden 28 Prozent der erwachsenen Deutschen innerhalb eines Jahres unter mindestens einer psychischen Erkrankung. Insgesamt sind in Deutschland 19 Millionen Menschen jährlich von einer psychischen Erkrankung betroffen. Laut dem G-BA-Gutachten sind jährlich etwa 1,9 Millionen Menschen bei einem Psychotherapeuten in Behandlung. Das sind lediglich 10 Prozent aller psychisch kranken Menschen. Nicht jeder psychisch kranke Mensch benötigt eine Psychotherapie oder möchte diese in Anspruch nehmen. Aber bei den meisten psychischen Erkrankungen ist Psychotherapie nach nationalen und internationalen Leitlinien die Behandlungsmethode der ersten Wahl. „Dass nur jeder zehnte psychisch kranke Mensch eine Psychotherapie erhält, belegt die großen Defizite in der ambulanten psychotherapeutischen Versorgung“, kritisiert BPtK-Präsident Munz. „Mit dem Gutachten würde der Missstand, dass viele psychisch kranke Menschen nicht und nicht leitliniengerecht behandelt werden können, auch in Zukunft fortgeschrieben.“

Gesetzliche Vorgaben für die psychotherapeutische Bedarfsplanung notwendig Der G-BA hatte bereits mit dem GKV-Versorgungsstärkungsgesetz 2015 den Auftrag erhalten, die Bedarfsplanung zu reformieren und hierbei den Fokus insbesondere auf die psychotherapeutische Versorgung zu richten. Die ihm hierfür gesetzte Frist hat der G-BA nicht eingehalten. Gesundheitsminister Spahn will mit dem Terminservice- und Versorgungsgesetz dem säumigen G-BA eine Fristverlängerung bis zum 1. Juli 2019 gewähren. Diese Fristverlängerung sollte jedoch nicht ohne Auflagen bleiben. Damit der G-BA mit seinen sich in der Bedarfsplanung oft blockierenden Bänken – Kassenärztliche Bundesvereinigung und GKV-Spitzenverband – zu sachgerechten Lösungen kommen kann, sollte er vom Gesetzgeber konkrete Vorgaben für die Reform insbesondere der psychotherapeutischen Bedarfsplanung erhalten. Diese sollten vor allem das Ziel haben, die Fehler in der Bedarfsplanung für die Bedarfsplanungsgruppe der Psychotherapeuten aus dem Jahr 1999 zu beheben und die bevölkerungsrepräsentativen Daten zur Häufigkeit psychischer Erkrankungen aus der DEGS-Studie des Robert Koch-Instituts systematisch zu berücksichtigen.

Wir haben Informationen darüber erhalten, dass aktuell Schreiben einer „Datenschutzauskunft-Zentrale“ versandt werden. Inhaltlich werden die Adressaten dazu aufgefordert, ein dem Schreiben beiliegendes Formular auszufüllen und innerhalb einer Frist zurückzusenden, um einer angeblichen gesetzlichen Pflicht aus dem Datenschutz nachzukommen. Im Kleingedruckten des Formulars ist jedoch ein Hinweis auf eine Kostenpflicht versteckt, denn in Wirklichkeit handelt es sich um ein Vertragsangebot über die kostenpflichtige Bestellung eines „Leistungspakets Basisdatenschutz“ zu einem Preis von mehreren hundert Euro. Mit einer solchen Kostenpflicht rechnet der Empfänger aufgrund der Aufmachung des Antragsformulars aber nicht.

Wir empfehlen Ihnen folglich, das Formular auf keinen Fall zu unterschreiben und zurückzusenden. Die behauptete gesetzliche Pflicht hierzu besteht nicht.

BPtK kritisiert Regelung im Terminservice- und Versorgungsgesetz

Die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) kritisiert die Veränderungen der psychotherapeutischen Versorgung, die Bundesgesundheitsminister Jens Spahn im Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) plant. „Mit der psychotherapeutischen Sprechstunde erhält jeder Patient seit dem 1. April 2017 einen schnellen ersten Beratungstermin und danach eine Behandlung, die sich nach dem Schweregrad seiner Erkrankung richtet“, stellt Dr. Dietrich Munz, Präsident der BPtK, fest. „Gesundheitsminister Spahn plant Reformen, die seit eineinhalb Jahren Realität sind.“

Im Terminservice- und Versorgungsgesetz soll der Gemeinsame Bundesausschuss beauftragt werden, „eine gestufte und gesteuerte Versorgung für die psychotherapeutische Versorgung“ zu beschließen. Damit wird übersehen, dass mit der psychotherapeutischen Sprechstunde gerade eine schnelle und differenzierte Versorgung für psychisch kranke Menschen geschaffen wurde. In der Sprechstunde erfahren die Patienten kurzfristig, ob sie psychisch krank sind oder nicht und welche Hilfe sie benötigen. Unmittelbar Behandlungsbedürftige können kurzfristig eine Akutbehandlung erhalten, Menschen mit Selbst- und Fremdgefährdung können in ein Krankenhaus überwiesen werden. „Damit erhalten psychisch kranke Menschen je nach Dringlichkeit und Schweregrad eine angemessene und leitliniengerechte Behandlung“, erklärt Munz. „Die psychotherapeutische Sprechstunde hat sich innerhalb kürzester Zeit zu einer zentralen Anlauf- und Koordinationsstelle für psychisch kranke Menschen entwickelt. Es ist nicht ersichtlich, was der Vorschlag daran noch weiter verbessern soll.“

Gerade schwer psychisch kranke Menschen profitieren wesentlich von der neuen psychotherapeutischen Sprechstunde. Die BPtK-Studie „Wartezeiten 2018“ zeigt, dass gerade Patienten mit chronischen Erkrankungen, Patienten, die aktuell arbeitsunfähig sind, aber auch psychotische Patienten die psychotherapeutische Sprechstunde häufiger für ein erstes Gespräch nutzen. „Wir sind froh darüber, dass sich gerade diese Patienten nicht mehr wie früher durch viel zu lange Wartezeiten auf eine erste Beratung und Diagnostik davon abschrecken lassen, sich Hilfe zu suchen“, erläutert BPtK-Präsident Munz.

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