BPtK zu den Wartezeiten in der ambulanten Psychotherapie

Gesundheitsminister Spahn sagte am 26.09.2018 im Bundestag:

„Die Stadt mit dem höchsten Versorgungsgrad in der psychotherapeutischen Versorgung ist Freiburg; die Stadt mit den längsten Wartezeiten ist – Freiburg.“ (Protokoll Deutscher Bundestag, 51. Plenarsitzung)

Richtig ist: In Freiburg arbeiten 121,5 Psychotherapeuten je 100.000 Einwohner. Das ist nicht der „höchste Versorgungsgrad“ in der psychotherapeutischen Versorgung, aber ein deutlich besserer Versorgungsgrad als im Bundesdurchschnitt. Im Bundesdurchschnitt sind es 25,1 Psychotherapeuten je 100.000 Einwohner.

Weil es in Freiburg mehr Psychotherapeuten als im Bundesdurchschnitt gibt, warten die Menschen dort auch nicht so lange auf einen Termin bei einem Psychotherapeuten. In Freiburg beträgt die Wartezeit auf einen ersten Termin in der Sprechstunde 3,4 Wochen (Bundesdurchschnitt: 5,7 Wochen) und auf einen Behandlungstermin (Richtlinienpsychotherapie) 12,5 Wochen (Bundesdurchschnitt: 19,9 Wochen). Die Wartezeiten sind in Freiburg also deutlich kürzer als anderswo.

Fazit: In Freiburg müssen Patienten fast nur halb so lange auf einen Beratungs- oder Behandlungstermin warten wie im Bundesdurchschnitt. Mehr Psychotherapeuten führen zu einer besseren Versorgung.

Anzahl der Psychotherapeuten pro 100.000 Einwohner

VORSTELLUNG DER ERGEBNISSE DER LÄNDERÜBERGREIFENDEN STUDIE ZUR SITUATION DER KOSTENERSTATTUNG

m Frühjahr 2018 führten 10 Landespsychotherapeutenkammern eine Online-Befragung bei denjenigen Kammermitgliedern durch, die in Privatpraxen tätig sind und ambulante Psychotherapien mit gesetzlich Versicherten im Wege der Kostenerstattung durchführen.

Mehr als 2.400 Kolleginnen und Kollegen haben sich bundesweit an der Studie beteiligt, davon auch 163 Hamburger Kammermitglieder.

Frau Karin Jeschke, wissenschaftliche Referentin der Psychotherapeutenkammer Berlin, hat zusammen mit Herrn Dr. Rüdiger Nübling, wissenschaftlicher Referent der Landespsychotherapeutenkammer Baden-Württemberg, die Studie erstellt. Eine Projektgruppe aus den beteiligten Landeskammern hat die Entwicklung und Auswertung der Befragung begleitet.
Der Ergebnisbericht der Studie wird am 16.10.2018 auf einer Pressekonferenz in der Psychotherapeutenkammer Berlin der Öffentlichkeit vorgestellt.

In unserer geplanten Veranstaltung möchten wir Sie über die Hamburger Ergebnisse informieren und diese in Zusammenhang mit der aktuellen psychotherapeutischen Versorgungssituation mit Ihnen diskutieren.

Dipl.-Psych. Heike Peper (Präsidentin)
Dipl.-Psych. Torsten Michels (Vizepräsident)


Ort: KV Hamburg, Humboldtstr. 56, 22083 Hamburg
Datum: 22.10.2018
Zeit: 20:00 – 22:00 Uhr

SVR GESUNDHEIT FÜR INTENSIVERE AMBULANTE VERSORGUNG SCHWER PSYCHISCH KRANKER MENSCHEN

Zwischen 20 und 30 Prozent der psychisch kranken Menschen, die in Krankenhäusern behandelt werden, könnten auch ambulant behandelt werden, wenn es außerhalb der Kliniken zusätzliche intensivere Angebote gäbe. Das stellt der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen (SVR Gesundheit) in seinem Gutachten 2018 fest, das heute in Berlin veröffentlicht wurde. Dabei sieht der SVR Gesundheit insbesondere Verbesserungspotenzial für Menschen, die aufgrund der psychischen Erkrankung in ihrer Selbstständigkeit stark beeinträchtigt sind. Aber auch Patienten, die in ihrem Alltag nicht so stark eingeschränkt sind, könnte durch eine hochfrequente Psychotherapie mit mehreren Stunden wöchentlich wirksam geholfen werden, ohne dass sie dafür in ein Krankenhaus müssten. Dies sei auch umso angemessener, weil sie in den Kliniken häufig auch keine intensivere Behandlung als in psychotherapeutischen Praxen bekämen.

Eine intensive ambulante Versorgung müsste verschiedene Leistungen beinhalten, so der SVR Gesundheit. Dazu gehörten psychiatrische und psychotherapeutische Behandlung, Ergo- und Soziotherapie sowie psychiatrische Krankenpflege. Diese Leistungen müssen dem Patienten koordiniert und aus einer Hand angeboten werden. Die „stationsäquivalente Behandlung“, die Krankenhäuser seit dem 1. Januar 2018 erbringen können, reiche nicht aus. Bisher zeigten auch nur wenige Krankenhäuser überhaupt Interesse, solche Leistungen anzubieten. Aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage von Bündnis 90/DIE GRÜNEN geht hervor, dass bisher nur etwa 10 Krankenhäuser in der Lage sind, stationsäquivalente Behandlungen durchzuführen. In einer Befragung gaben die psychiatrischen Krankenhäuser selbst an, dass diese Art von Home Treatment nur für eine kleine Gruppe von Patienten für geeignet gehalten wird. Aus Sicht des SVR Gesundheit erreichen stationsäquivalente Leistungen zudem weniger Patienten, deren Krankheit sich ambulant verschlechtert, sondern eher Patienten, die bereits stationär behandelt werden.

Die Bundespsychotherapeutenkammer fordert deshalb seit Langem, die gesetzlichen Grundlagen für einen flächendeckenden Aufbau einer koordinierten, ambulanten Versorgung von psychisch kranken Menschen mit komplexem Behandlungs- und Unterstützungsbedarf zu schaffen. Psychotherapie muss fester Bestandteil dieser Versorgungsangebote werden.

Links:
SVR Gesundheit Gutachten 2018

BPtK zum Terminservice- und Versorgungsgesetz

Die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) fordert, mit dem Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) in einem Sofortprogramm rund 1.500 psychotherapeutische Praxen zusätzlich zu schaffen. „Psychisch kranke Menschen dürfen nicht länger monatelang darauf warten müssen, behandelt zu werden“, erklärt Dr. Dietrich Munz, Präsident der BPtK. „Deshalb sollte kurzfristig nicht nur die psychiatrische, sondern auch die psychotherapeutische Versorgung verbessert werden.“

In der ambulanten Psychotherapie bestehen besonders große Versorgungs- und Terminschwierigkeiten. Psychisch kranke Menschen warten durchschnittlich fünf Monate auf eine psychotherapeutische Behandlung. Das TSVG plant jedoch nur einen Ausbau der psychiatrischen Versorgung, der aber nicht ausreicht, da Psychiater schwerpunktmäßig pharmakologisch behandeln. Bei fast allen psychischen Erkrankungen gehört Psychotherapie zur Behandlung der ersten Wahl. Nach dem jüngsten Gutachten des Sachverständigenrats zur Beurteilung der Entwicklung im Gesundheitswesen (2018) warten psychisch Kranke doppelt so lange auf eine psychotherapeutische wie auf eine psychiatrische Behandlung.

BPtK-Konzept: Mehr Praxen außerhalb der Großstädte
Die BPtK fordert deshalb ein Sofortprogramm für eine bessere psychotherapeutische Versorgung. Es sollten zusätzliche Praxen dort geschaffen werden, wo die Wartezeiten besonders lang sind. Das sind vor allem Planungsbereiche außerhalb von Ballungszentren und im Ruhrgebiet. So zeigt eine aktuelle Wartezeitenstudie der BPtK (2018), dass Menschen außerhalb von Ballungszentren durchschnittlich fünf bis sechs Monate auf den Beginn einer Psychotherapie warten. Im Ruhrgebiet sind es sogar mehr als sieben Monate. Die Wartezeit in Großstädten liegt bei durchschnittlich vier Monaten.

Die besonders langen Wartezeiten außerhalb von Ballungszentren sind darauf zurückzuführen, dass dort entsprechend der Bedarfsplanungs-Richtlinie deutlich weniger Psychotherapeuten vorgesehen sind als in den Großstädten. In Großstädten sollen für 100.000 Einwohner rund 36 Psychotherapeuten zur Verfügung stehen. Außerhalb von Ballungszentren sind es zwischen 12 und 15 Psychotherapeuten. Menschen in der Stadt und auf dem Land erkranken psychisch jedoch ungefähr gleich häufig. Die Unterschiede zwischen den Kreistypen der psychotherapeutischen Bedarfsplanung lassen sich also nicht mit einer unterschiedlichen Häufigkeit bei psychischen Erkrankungen begründen.

Ein Sonderfall in der Bedarfsplanung ist das Ruhrgebiet. Obwohl die Region zwischen Rhein und Ruhr ein großstädtischer Ballungsraum ist, können sich dort entgegen der allgemeinen Systematik der Bedarfsplanung deutlich weniger Psychotherapeuten niederlassen als in anderen Großstädten. Darum sind zwischen Duisburg und Dortmund die Wartezeiten auf eine ambulante Psychotherapie sogar noch länger als auf dem Land. Sie betragen dort mehr als sieben Monate.

Unterschiede zwischen Stadt und Land bei Psychotherapeuten besonders groß
Außerhalb von Ballungszentren sind nicht nur viel zu wenige Psychotherapeuten vorgesehen, es sind auch im Vergleich zu Ärzten besonders wenige. Vergleicht man das Verhältnis von Stadt zu Land bei Psychotherapeuten und Ärzten, so stellt man fest, dass das Behandlungsangebot für psychisch kranke Menschen schlechter ist als das Angebot für körperlich kranke Menschen (siehe: Beispiel Kreistyp 4). „Psychisch kranke Menschen sind in ländlichen Regionen besonders benachteiligt“, stellt BPtK-Präsident Munz fest. Die BPtK fordert deshalb das Verhältnis von Psychotherapeuten in der Stadt und auf dem Land an die Spreizung bei Fachärzten anzupassen. „So ließen sich kurzfristig wenigstens die gröbsten Versorgungsdefizite mildern“, erklärt Munz.

Beispiel Kreistyp 4:
Aktuell sind in Großstädten (Kreistyp 1) 36,1 Psychotherapeuten pro 100.000 Einwohner vorgesehen. In der weiteren Umgebung einer Großstadt (Kreistyp 4) sind es 12,8 Psychotherapeuten pro 100.000 Einwohner. Demnach ist in Kreisen, aus denen heraus die Großstadt schon nicht mehr in angemessener Zeit für eine Behandlung zu erreichen ist, nur ein Drittel (36 Prozent) der Psychotherapeuten vorgesehen verglichen mit der Großstadt, obwohl die Menschen dort ungefähr genauso häufig psychisch erkranken. Nach dem BPtK-Konzept soll das Verhältnis zwischen Kreistyp 1 und Kreistyp 4 bei den Psychotherapeuten auf das durchschnittliche Verhältnis in der allgemeinen fachärztlichen Versorgung angehoben werden: von 36 auf 56 Prozent. Im Kreistyp 4 wären dann 20,2 Psychotherapeuten je 100.000 Einwohner vorgesehen. „Selbst dann wäre die psychotherapeutische Versorgung auf dem Land noch deutlich schlechter als in der Stadt“, erklärt BPtK-Präsident Munz.

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Kleine Anfrage der LINKEN zu psychischen Belastungen in der Arbeitswelt

Obwohl in den letzten zehn Jahren der Anteil psychisch bedingter Fehltage am Arbeitsplatz deutlich zugenommen hat, sieht die Bundesregierung keine Notwendigkeit für verbindliche Vorschriften, wie Betriebe psychische Belastungen erkennen und vermeiden. Bei Lärm, unzureichendem Licht oder Toxinen gibt es dagegen detaillierte Vorgaben. Das ist der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der LINKEN zu psychischen Belastungen in der Arbeitswelt zu entnehmen. Um Gesundheitsrisiken durch psychische Belastungen frühzeitig zu erkennen und vorzubeugen, reicht nach Ansicht der Bundesregierung das Instrumentarium der Gefährdungsbeurteilung aus. Dafür seien in den letzten Jahren umfangreiche Handreichungen und Empfehlungen entwickelt worden. Eine „Anti-Stress-Verordnung“, wie sie unter anderem von den Gewerkschaften gefordert wird, sei nicht notwendig. Vielmehr komme es drauf an, die Arbeit optimal an die Bedürfnisse und die Ressourcen der einzelnen Beschäftigten anzupassen.

Die Zunahme psychischer Belastungen in der Arbeitswelt sieht die Bundesregierung begründet in dem Wandel von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft, der allgegenwärtigen Verwendung moderner Kommunikationstechnologien, der zunehmenden Eigenverantwortung und fortlaufenden Beschleunigung von Arbeitsprozessen bei steigender Komplexität der Aufgaben sowie der Ausbreitung beruflicher Unsicherheit.

„Arbeitsschutz und Gesundheitsförderung müssen künftig stärker auf psychische Belastungen am Arbeitsplatz fokussieren“, stellt Dr. Dietrich Munz, Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer, fest. „Hier besteht in vielen Betrieben Nachholbedarf. Je kleiner die Betriebe sind, desto seltener finden psychische Belastungen Beachtung in der Gefährdungsbeurteilung.“

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BPtK: Alles-oder-Nichts-Regelung bei Arbeitsunfähigkeit überdenken

Nach Ansicht der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) sollte die bisher geltende Alles-oder-Nichts-Regelung bei Arbeitsunfähigkeit überdacht werden. Kranke Arbeitnehmer sollten auch nur teilweise arbeitsunfähig geschrieben werden können, also auch zu 25, 50 oder 75 Prozent. Dies würde der Realität, dass Menschen häufig nicht entweder uneingeschränkt gesund oder vollständig arbeitsunfähig sind, besser gerecht. „Gerade bei psychischen Erkrankungen ist es häufig hilfreich, dass Patienten nicht vollständig oder zu lang aus dem Arbeitsprozess ausscheiden“, erklärt Dr. Dietrich Munz, Präsident der BPtK. „Die Arbeit kann auch hilfreich für eine Genesung sein. Was für den Patienten am besten ist, sollten Patient, Arzt oder Psychotherapeut flexibel entscheiden können.“

Psychische Erkrankungen führen oft zu besonders langen Fehlzeiten von über 30 Tagen. „Deshalb kann es insbesondere sinnvoll sein, trotz der Erkrankung mit Unterstützung des Psychotherapeuten ganz oder teilweise weiterzuarbeiten“, stellt BPtK-Präsident Munz fest. Die Arbeit bietet eine Tagesstruktur und hält soziale Kontakte aufrecht, was eine wichtige Stütze für psychisch kranke Menschen sein kann. Wer arbeitet, erlebt sich als nützlich und wertvoll, und Arbeit verhindert, dass sich Menschen zu sehr zurückziehen und sozial isolieren. Am Arbeitsplatz auftretende Belastungen und Anforderungen können dann in der Psychotherapie begleitend thematisiert und bearbeitet werden. Dies kann zu Erfolgserlebnissen führen und das Selbstwertgefühl stärken.

„Eine Teilzeit-Arbeitsunfähigkeit sollte ausschließlich im Konsens zwischen Behandler und Patient erfolgen, freiwillig und ohne Druck“, fordert Munz. Um eine Stigmatisierung psychischer Erkrankungen zu vermeiden, sollte spätestens mit der elektronischen Bescheinigung der Arbeitsunfähigkeit eine Anonymisierung des Behandlers erfolgen, sodass nicht zu erkennen ist, wenn z. B. ein Psychiater oder künftig ein Psychotherapeut krankgeschrieben hat.

Psychotherapeuten können mit am besten beurteilen, ob ein Mensch psychisch krank ist und inwieweit er noch arbeiten kann oder sollte. Bis heute können Patienten jedoch nicht auf die Expertise von Psychotherapeuten bei Krankschreibungen zurückgreifen. Psychotherapeuten haben bisher nicht die Befugnis, einem Patienten seine Arbeitsunfähigkeit zu bescheinigen. Dies ist bisher ausschließlich Ärzten vorbehalten. Die BPtK fordert deshalb mit dem Terminservice- und Versorgungsgesetz, auch Psychotherapeuten die Befugnis zu geben, Arbeitsunfähigkeit zu bescheinigen.

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Bundesregierung besteht auf fristgerechte G-BA-Entscheidung

Die Bundesregierung erwartet, dass der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) fristgerecht zum 30. September 2019 die neuen Mindestvorgaben zum erforderlichen Personal in Psychiatrie und Psychosomatik beschließt. Dies geht aus ihrer Antwort auf die Kleine Anfrage der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zum „Stand der Umsetzung des PsychVVG“ (Bundestagsdrucksache 19/3725) hervor. Mit dem Gesetz zur Weiterentwicklung der Versorgung und der Vergütung für psychiatrische und psychosomatische Leistungen“ (PsychVVG) will die Bundesregierung „gute Versorgung und die menschliche Zuwendung“ in den Kliniken für psychisch kranke Menschen stärken und Behandlungen mit hohem Aufwand künftig besser vergüten. Der G-BA bekam den gesetzlichen Auftrag, verbindliche Mindestvorgaben zur Personalausstattung in Psychiatrie und Psychosomatik festzulegen, die eine leitliniengerechte Behandlung ermöglichen.

Die Bundesregierung will die Entwicklung der neuen Personalvorgaben im G-BA aufmerksam verfolgen, unter anderem durch eine regelmäßige Teilnahme des Bundesgesundheitsministeriums an dessen Arbeitssitzungen. Mit ihrem Appell an den G-BA stellt die Bundesregierung klar, dass sie von der Selbstverwaltung eine Einigung erwartet und ein Scheitern der Verhandlungen im G-BA nicht akzeptieren wird. Die neuen Personalanforderungen sollen dann zum 1. Januar 2020 in Kraft treten.

Noch immer keine Transparenz über Personal

Aus der Antwort der Bundesregierung geht auch hervor, dass noch keine belastbaren Daten vorliegen, inwieweit die Psychiatrie-Personalverordnung (Psych-PV) umgesetzt ist. Zwar haben für das Jahr 2016 knapp 84 Prozent der Einrichtungen Angaben gemäß der Psych-Personalnachweis-Vereinbarung vorgelegt. Von diesen sind aber wiederum knapp 70 Prozent von der Anforderung eines differenzierten Personalnachweises befreit (Stand: August 2018), weil zum Zeitpunkt der Budgetvereinbarung für das Jahr 2016 keine ausreichend differenzierte Personaldokumentation vereinbart worden war. Für das Jahr 2017 sieht die Quote noch schlechter aus. Zum Stichtag 31. Mai 2018 haben nicht einmal die Hälfte der Einrichtungen (44 Prozent) die Daten zu ihrem Personal vollständig übermittelt.

Aussagen zum Umsetzungsgrad der Psych-PV lassen sich auf dieser Datenbasis nicht treffen, stellen sowohl der GKV-Spitzenverband als auch die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) fest. Allerdings planen die Selbstverwaltungspartner auf Bundesebene in den nächsten Wochen ein Auswertungskonzept zu vereinbaren, um ihrer Verpflichtung nach einer umfassenden Auswertung der Personalnachweise nachzukommen. Es bleibt also abzuwarten, inwieweit die Psych-PV-Nachweise die erforderliche Transparenz über das Personal in der Psychiatrie herstellen.

Fast kein Interesse an „stationsäquivalenter Behandlung“

Ferner zeigen die psychiatrischen Krankenhäuser bisher fast kein Interesse an der neuen „stationsäquivalenten Behandlung“, die ebenfalls mit dem PsychVVG eingeführt wurde. Dabei handelt es sich um eine Behandlung auch schwerer psychischer Erkrankungen im häuslichen Umfeld des Patienten, welche durch mobile, ärztlich geleitete, multiprofessionelle Behandlungsteams erbracht wird und Krankenhausbehandlung ersetzen soll. Nach Auskunft des GKV-Spitzenverbandes haben erst drei Krankenhäuser mit den Krankenkassen Leistungen und Entgelte zur stationsäquivalenten Behandlung vereinbart. Zudem machten mindestens sieben weitere Krankenhäuser von der Möglichkeit Gebrauch, bei noch nicht abgeschlossenen und genehmigten Budgetvereinbarungen Ersatzbeträge für die stationsäquivalente Behandlung abzurechnen. Die DKG geht davon aus, dass es nur eine geringe einstellige Anzahl von Krankenhäusern in jedem Bundesland gebe, die überhaupt beabsichtigt, stationsäquivalente Leistungen zu erbringen.

Die Angaben bestätigen die bereits bei der Einführung der stationsäquivalenten Behandlung geäußerten Bedenken, diese sei viel zu eng gefasst, als dass hieraus ein flächendeckendes Versorgungsangebot für schwer psychisch kranke Menschen entstehen könnte. So setzt eine stationsäquivalente Behandlung z. B. immer eine stationäre Behandlungsbedürftigkeit voraus. Es fehlen nach wie vor Regelungen, die es ermöglichen, schwer psychisch kranke Menschen in akuten Krankheitsphasen und Krisen ambulant ausreichend intensiv zu behandeln, um stationäre Aufnahmen im Vorfeld zu verhindern. Erste amtliche Informationen darüber, wie viele Patienten eine stationsäquivalente Behandlung erhalten, sollen 2019 vorliegen.

Dringend weitere Patientinnen und Patienten für Online-Befragung gesucht

Um die Reform der Psychotherapie-Richtlinie zu evaluieren, werden dringend Patientinnen und Patienten gesucht, die sich zur neuen psychotherapeutischen Sprechstunde und ihren Auswirkungen befragen lassen. Die Frist für die Teilnahme wurde bis Ende Oktober verlängert.

Die Evaluation der Psychotherapie-Richtlinie führt die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) gemeinsam mit den Landespsychotherapeutenkammern und den Universitätskliniken Hamburg-Eppendorf durch. Hierfür werden noch Vertragspsychotherapeuten gesucht, die ihre Patienten aus der Sprechstunde ansprechen und um Teilnahme an der Befragung bitten. Die Unterlagen zur Online-Befragung, einschließlich der Patienteninformation, können Sie unter diesem Link anfordern und bekommen diese dann per Post zugeschickt.

Patienten oder Sorgeberechtigte von Kindern, die seit Juni 2018 ein erstes Gespräch in der psychotherapeutischen Sprechstunde geführt haben, können aber auch direkt an der Befragung teilnehmen, und zwar unter den Links Patientinnen und Patienten sowie Sorgeberechtigte.

AOK-Fehlzeiten-Report 2018

Erleben Arbeitnehmer ihre Arbeit als sinnstiftend, leiden sie deutlich weniger unter psychischen und körperlichen Beschwerden und sind seltener krankgeschrieben. Zu diesem Ergebnis kommt der Fehlzeiten-Report der AOK 2018. Dazu wurden ca. 2.000 Arbeitnehmer gefragt, was ihnen am Arbeitsplatz besonders wichtig ist. Ist die Arbeit für die Beschäftigten sinnstiftend, leiden sie seltener unter Beschwerden, die häufig psychosomatische Ursachen haben, wie Schlafstörungen und Kopfschmerzen, aber auch Rücken- und Gelenkbeschwerden (siehe Abbildung). Passen Anspruch an das Sinnerleben im Beruf und die Realität gut zueinander, fehlenpsychosomatische Ursachen im Durchschnitt nur 9,4 Tage im Jahr. Unterscheiden sich Wunsch und Wirklichkeit stark voneinander, liegt die Zahl bei 19,6 Krankheitstagen.

Dabei benennen die meisten Beschäftigten vor allem persönliche und soziale Faktoren für befriedigende Berufstätigkeit. Fast alle (98 Prozent) gaben an, dass es für sie am wichtigsten sei, sich an ihrem Arbeitsplatz wohl zu fühlen. Nicht viel weniger führten eine gute Zusammenarbeit mit Kollegen, ein gutes Betriebsklima, Loyalität des Unternehmens gegenüber den Mitarbeitern und ein gutes Verhältnis zum Vorgesetzten auf. „Es braucht neue Prioritäten bei der betrieblichen Gesundheitsförderung“, fordert Dr. Dietrich Munz, Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer. „Unternehmen müssen zukünftig stärker auf weiche Faktoren wie ein positives Betriebsklima und eine gute Zusammenarbeit im Team fokussieren, wenn sie die Gesundheit ihrer Mitarbeiter entscheidend fördern möchten.“

Neues Fachbuch „Rehabilitation – vom Antrag bis zur Nachsorge“ erschienen

Die Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation hat ein neues Fachbuch zur Rehabilitation herausgegeben. Es gibt einen aktuellen und umfassenden Überblick über alle Aspekte der Rehabilitation und Teilhabe und ist ein umfassender Wegweiser für Ärzte, Psychotherapeuten und andere Gesundheitsberufe. Das Buch beschreibt die Vielzahl der Leistungen, Zuständigkeiten, rechtlichen Regelungen und vernetzten Versorgungsstrukturen dieses Gesundheitssektors.

Mehr als 100 Experten aus fast allen Gesundheitsberufen, aus dem Bereich der Rehabilitationsträger und der Leistungserbringer haben zum Gelingen des Buches beigetragen. Die Bundespsychotherapeutenkammer war im Redaktionsteam vertreten und hat an der Konzeption und Entstehung des Buches mitgewirkt.

Links:

Link: Fachbuch „Rehabilitation – vom Antrag bis zur Nachsorge“