AKTUELLE VERSORGUNGSSTUDIE ZUR LAGE DER AMBULANTEN PSYCHOTHERAPIEN ÜBER KOSTENERSTATTUNG NACH § 13 ABS. 3 SGB V IN PRIVATPRAXEN

Gemeinsame Pressemitteilung der Landespsychotherapeutenkammern

Abschlussbericht Studie Kostenerstattung

Die gesundheitliche Versorgung psychisch erkrankter und psychotherapiesuchender Menschen, die gesetzlich krankenversichert sind, hat sich in den letzten Jahren deutlich verschlechtert. Wie eine heute in Berlin vorgestellte Studie zeigt, lehnen die gesetzlichen Krankenkassen seit 2017, trotz gesetzlicher Verpflichtung, deutlich mehr Anträge auf Kostenerstattung von außervertraglichen Psychotherapien ab, als im Jahr 2016. Dies geht aus einer von zehn Landespsychotherapeutenkammern federführend von Dr. Rüdiger Nübling (LPK BW) und Karin Jeschke (PTK Berlin) erarbeiteten Versorgungsstudie zur aktuellen Lage der außervertraglichen ambulanten Psychotherapien in Privatpraxen hervor. Die Studie basiert auf einer Umfrage unter psychologischen PsychotherapeutInnen und Kinder- und JugendpsychotherapeutInnen im 1. Quartal 2018 mit einem Rücklauf von 2417 Teilnehmenden. Die Bewilligungsquote von Anträgen auf Kostenerstattung sank demnach bei den Befragten binnen eines Jahres von 81% auf 47%. Im Falle der Bewilligung von Anträgen sank der Umfang der genehmigten Therapiesitzungen durchschnittlich um knapp 25%. Die Bearbeitungsdauer der Anträge stieg von durchschnittlich 6,6 auf 8,4 Wochen (um 27%).

Versicherte werden von Krankenkassen bewusst falsch informiert

Wie aus der Studie weiter hervorgeht, wurden dabei viele Ablehnungen von den Krankenkassen falsch begründet. Etwa die Hälfte der Befragten berichtet, den PatientInnen sei mitgeteilt worden, Kostenerstattung sei nicht mehr erlaubt. 82% der Befragten berichten von Ablehnungen, die mit der Einführung von Terminservicestellen begründet wurden. Dadurch seien nun alle PatientInnen versorgt. Tatsächlich vermitteln diese Stellen probatorische Sitzungen, aber nicht zwingend Therapieplätze.

Krankenkassen nutzen komplizierte Regelungen aus, um psychisch kranken Menschen die Inanspruchnahme von psychotherapeutischen Leistungen zu erschweren. So sparen die Krankenkassen Kosten, statt den PatientInnen Wege zur Therapie zu zeigen und ihnen zu helfen.

Ziel: Versorgungsplanung – orientiert am Patientinnen- Bedarf (§ 13 Abs. 3 SGB V)

Michael Krenz, Präsident der Landespsychotherapeutenkammer Berlin, kommentiert: „Durch die restriktive Handhabung der Kostenerstattung für außervertragliche Psychotherapien verknappen Krankenkassen die ohnehin unzureichenden ambulanten Behandlungsmöglichkeiten für Versicherte der gesetzlichen Krankenkassen.“ Heike Peper, Präsidentin der Psychotherapeutenkammer Hamburg ergänzt: „Wir fordern eine an den regionalen Versorgungserfordernissen orientierte Versorgungsplanung, die sich am konkreten Behandlungsbedarf der PatientInnen orientiert.“

Die beteiligten Kammern fordern rasche Maßnahmen, um einer Chronifizierung psychischer Erkrankungen bei den PatientInnen vorzubeugen, für die eine Psychotherapieindikation aktuell gestellt ist, um einen schnellen Behandlungsbeginn „ambulant vor stationär“ zu gewährleisten. Der Gesetzgeber muss gewährleisten, dass gemäß § 13 Abs. 3 SGB V die Kostenerstattung für Psychotherapien in Privatpraxen von den Krankenkassen weiterhin bewilligt wird. Die gesetzlichen Krankenkassen sind dazu verpflichtet, eine erforderliche ambulante Psychotherapie außervertraglich im Wege der Kostenerstattung zu finanzieren, wenn die Sicherstellung der Behandlung im Rahmen der Vertragspraxen nicht gewährleistet werden kann. Voraussetzung ist die diagnostische Feststellung einer psychischen Erkrankung, bzw. das Vorliegen einer Störung mit Krankheitswert und die Indikationsstellung für eine ambulante Psychotherapie.

Für eine bessere PatientInnen-Versorgung dringend erforderlich ist nach Überzeugung der Psychotherapeutenkammern zudem die Aufhebung von Beschränkungen beim Jobsharing, bei Anstellungsverhältnissen in Praxen und bei der Nachbesetzung von (halben) Praxissitzen. Aktuell werden mögliche Kapazitätserweiterungen dadurch behindert.

Die gesetzlichen Krankenkassen finanzieren ambulante Richtlinien-Psychotherapie – also Verhaltenstherapie, tiefenpsychologischen Psychotherapie und Psychoanalyse – bei niedergelassenen TherapeutInnen in Vertragspraxen. Die ohnehin vielerorts nicht ausreichenden Kapazitäten für Richtlinienpsychotherapie in den Vertragspraxen werden durch die neu in die Psychotherapie-Richtlinie aufgenommenen Leistungen „Psychotherapeutische Sprechstunde“ und „Akutbehandlung“ weiter verknappt. Die verpflichtende Vermittlung von probatorischen Sitzungen über die Terminservicestellen seit 1.10.2018 verschärft diese Situation, da Vertragspraxen zeitliche Kapazitäten dafür freihalten müssen, auch wenn keine indizierte Anschlussbehandlung angeboten werden kann.

Downloads

Pressemitteilung
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/98547/Krankenkassen-lehnen-verstaerkt-Kostenerstattung-von-Psychotherapien-in-Privatpraxen-ab

Nübling_Jeschke (2018) Kostenerstattung in der ambulanten Psychotherapie – Ergebnisbericht
PM_2018_10_16_Ergebnisbericht_Kostenerstattung.pdf (PDF, 3330 kb)

Links

 

– Aktuelle Versorgungsstudie zur Lage der ambulanten Psychotherapien über Kostenerstattung nach § 13 Abs. 3 SGB V in Privatpraxen

7. HAMBURGER PSYCHOTHERAPEUTENTAG AM 09.06.2018

Am 09.06.2018 findet zum 7. Mal der Hamburger Psychotherapeutentag statt. Unter dem Motto „Existenzielle Krisen und die Frage nach dem Sinn“ werden sich die teilnehmenden Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten nicht nur mit aktuellen psychotherapeutischen Konzepten auseinandersetzen, sondern sich dem Thema auch philosophisch nähern.

Die Veranstaltung ist leider ausgebucht.

Pressevertreterinnen und -vertreter können sich bei Interessse gern an die Geschäftsstelle wenden.

– 7. Hamburger Psychotherapeutentag am 9.6.2018

17% der niedergelassenen PsychotherapeutInnen und PsychiaterInnen in Hamburg haben eine notwendige Behandlung von PatientInnen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, aufgrund einer Sprachbarriere ablehnen müssen. Dies ist eines der zentralen Ergebnisse einer Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf in Kooperation mit der Bundespsychotherapeutenkammer, der Psychotherapeutenkammer Hamburg und der Ärztekammer Hamburg, die im Sommer des vergangenen Jahres durchgeführt wurde.

Dipl.-Psych. Heike Peper, Präsidentin der Psychotherapeutenkammer Hamburg: „Die Resonanz auf die Studie war mit einer Rücklaufquote von 68% überwältigend und zeigt die Sensibilität des Berufsstandes zum Thema Mehrsprachigkeit in der ambulanten Versorgung.“

Die Studie diente der Basiserhebung vor der Einführung des Projekts „SprachmittlerInnenpool – Modellprojekt zur Integration von SprachmittlerInnen in die ambulante psychotherapeutisch-psychiatrische Versorgung“ (*). Niedergelassene PsychiaterInnen und PsychotherapeutInnen können im Rahmen des Projektes seit September 2017 über das Psychosoziale Beratungs- und Koordinationszentrum SEGEMI eine qualifizierte Sprachmittlerin / einen qualifizierten Sprachmittler beantragen.

Dr. Mike Mösko, Vorsitzender von SEGEMI e.V.: „Seit dem Start vor 250 Tagen konnte der SprachmittlerInnenpool auf 33 Sprachen erweitert werden. Qualifizierte SprachmittlerInnen wurden nicht nur für den schwierigen Einsatz in diesem belastenden Kontext geschult, sondern auch regelmäßig supervidiert. Mittlerweile sind mehr als 170 Anträge eingegangen.“

Welche Erfahrungen BehandlerInnen und SprachmittlerInnen seit dem Projektstart sammeln konnten und welche Möglichkeiten, aber auch welche Restriktionen das Modellprojekt mit sich bringt, wird am 2.5.2018 in Rahmen eines Symposiums der Öffentlichkeit vorgestellt.

Das Symposium wird durch zwei Fachvorträge eingeleitet und es werden die Ergebnisse der Studie „Mehrsprachigkeit in der ambulanten Versorgung“ vorgestellt. Im Anschluss findet eine Podiumsdiskussion statt, in der VertreterInnen aus Politik, Gesundheit und Migrantenorganisationen u.a. „Perspektiven zur Integration nicht-Deutschsprachiger Patienten in die Psychosoziale Versorgung in Hamburg“ diskutieren.

Das vollständige Programm finden Sie unter www.segemi.org/news

Zur Teilnahme am Symposium laden wir Sie herzlich ein.

(*) Der SprachmittlerInnenpool ist das erste Projekt dieser Art in der Bundesrepublik. Es startete im September 2017 und wird durchgeführt von SEGEMI Seelische Gesundheit . Migration und Flucht e.V. in Kooperation mit der Psychotherapeutenkammer Hamburg und dem PARITÄTISCHEN in Hamburg. Gefördert wird das Modellprojekt durch die Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz der Freien und Hansestadt Hamburg im Rahmen des „Hamburger Integrationsfonds“. Weitere Informationen finden Sie hier: www.segemi.org/sprachmittlerpool.html

Downloads
Studie belegt: Psychotherapeutische Behandlung wegen Sprachbarriere oft nicht möglich – SprachmittlerInnenpool schafft Abhilfe

17% der niedergelassenen PsychotherapeutInnen und PsychiaterInnen in Hamburg haben eine notwendige Behandlung von PatientInnen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, aufgrund einer Sprachbarriere ablehnen müssen. Dies ist eines der zentralen Ergebnisse einer Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf in Kooperation mit der Bundespsychotherapeutenkammer, der Psychotherapeutenkammer Hamburg und der Ärztekammer Hamburg, die im Sommer des vergangenen Jahres durchgeführt wurde.

Dipl.-Psych. Heike Peper, Präsidentin der Psychotherapeutenkammer Hamburg: „Die Resonanz auf die Studie war mit einer Rücklaufquote von 68% überwältigend und zeigt die Sensibilität des Berufsstandes zum Thema Mehrsprachigkeit in der ambulanten Versorgung.“

Die Studie diente der Basiserhebung vor der Einführung des Projekts „SprachmittlerInnenpool – Modellprojekt zur Integration von SprachmittlerInnen in die ambulante psychotherapeutisch-psychiatrische Versorgung“ (*). Niedergelassene PsychiaterInnen und PsychotherapeutInnen können im Rahmen des Projektes seit September 2017 über das Psychosoziale Beratungs- und Koordinationszentrum SEGEMI eine qualifizierte Sprachmittlerin / einen qualifizierten Sprachmittler beantragen.

Dr. Mike Mösko, Vorsitzender von SEGEMI e.V.: „Seit dem Start vor 250 Tagen konnte der SprachmittlerInnenpool auf 33 Sprachen erweitert werden. Qualifizierte SprachmittlerInnen wurden nicht nur für den schwierigen Einsatz in diesem belastenden Kontext geschult, sondern auch regelmäßig supervidiert. Mittlerweile sind mehr als 170 Anträge eingegangen.“

Welche Erfahrungen BehandlerInnen und SprachmittlerInnen seit dem Projektstart sammeln konnten und welche Möglichkeiten, aber auch welche Restriktionen das Modellprojekt mit sich bringt, wird am 2.5.2018 in Rahmen eines Symposiums der Öffentlichkeit vorgestellt.

Das Symposium wird durch zwei Fachvorträge eingeleitet und es werden die Ergebnisse der Studie „Mehrsprachigkeit in der ambulanten Versorgung“ vorgestellt. Im Anschluss findet eine Podiumsdiskussion statt, in der VertreterInnen aus Politik, Gesundheit und Migrantenorganisationen u.a. „Perspektiven zur Integration nicht-Deutschsprachiger Patienten in die Psychosoziale Versorgung in Hamburg“ diskutieren.

Das vollständige Programm finden Sie unter www.segemi.org/news

Zur Teilnahme am Symposium laden wir Sie herzlich ein.

(*) Der SprachmittlerInnenpool ist das erste Projekt dieser Art in der Bundesrepublik. Es startete im September 2017 und wird durchgeführt von SEGEMI Seelische Gesundheit . Migration und Flucht e.V. in Kooperation mit der Psychotherapeutenkammer Hamburg und dem PARITÄTISCHEN in Hamburg. Gefördert wird das Modellprojekt durch die Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz der Freien und Hansestadt Hamburg im Rahmen des „Hamburger Integrationsfonds“. Weitere Informationen finden Sie hier: www.segemi.org/sprachmittlerpool.html

Downloads
Studie belegt: Psychotherapeutische Behandlung wegen Sprachbarriere oft nicht möglich – SprachmittlerInnenpool schafft Abhilfe

 

PRESSEMITTEILUNG DER PTK HAMBURG

Hamburg: Mehr als 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer besuchten am 20.9.2017 die Informationsveranstaltung „Arbeit zu Dritt – Modellprojekt zur Integration von SprachmittlerInnen in die ambulante psychotherapeutisch-psychiatrische Versorgung“. SEGEMI Seelische Gesundheit – Migration und Flucht, e.V. hatte in Kooperation mit der Psychotherapeutenkammer Hamburg und dem PARITÄTISCHEN in Hamburg eingeladen, um das Projekt vorzustellen und einen ersten Einblick in die Praxis zu gewähren.

Seit dem 1.9.2017 können PsychotherapeutInnen und PsychiaterInnen bei der Psychosozialen Beratungs- und Koordinationsstelle von SEGEMI eine Sprachmittlerin / einen Sprachmittler für eine psychotherapeutische bzw. psychiatrische Behandlung mit nicht Deutsch sprechenden Patientinnen und Patienten beantragen. Das Modellprojekt wird gefördert durch die Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz der Freien und Hansestadt Hamburg im Rahmen des „Hamburger Integrationsfonds“. Aus diesen Mitteln werden auch Schulungen und Supervisionen für die SprachmittlerInnen finanziert. Insgesamt 200.000,- € stehen dafür bis zum Juli 2018 zur Verfügung.

Heike Peper, Präsidentin der Psychotherapeutenkammer Hamburg, zeigt sich erfreut: „Wir sind positiv überrascht, auf welches Echo die Veranstaltung stößt. Es zeigt, dass der Bedarf an qualifizierten Sprachmittlerinnen und Sprachmittlern groß ist.“

Weitere Stellungnahmen entnehmen Sie bitte der beigefügten Pressemitteilung.

Downloads

 

GRUNDLEGENDE REFORM DER BEDARFSPLANUNG NÖTIG!

Hamburger Parteien nehmen Stellung zur Forderung der Psychotherapeutenkammer Hamburg nach einer Reform der aktuellen Bedarfsplanung.

Wer derzeit in Hamburg einen ambulanten Psychotherapieplatz braucht, muss in der Regel mit einer Wartezeit von mehreren Monaten rechnen. Ein Zustand, der starke Nerven und einen langen Atem erfordert. Kompetenzen, an denen es psychisch kranken Patientinnen und Patienten in der Regel fehlt. „Dieses Versorgungsdefizit ist nicht hinnehmbar“, sagt Dipl.-Psych. Heike Peper, Präsidentin der Psychotherapeutenkammer Hamburg (kurz: PTK Hamburg). „Hinzu kommt der Umstand, dass wir nach der aktuellen Bedarfsplanung eine nominelle Überversorgung von 170 % haben, was theoretisch einen Abbau von psychotherapeutischen Sitze erfordert“, erklärt die Psychotherapeutin besorgt. Eine unhaltbare Diskrepanz, die nicht nur in Hamburg für Aufsehen sorgt. Deutschlandweit, vor allem in Großstädten, zeigt sich ein ähnlich verzerrtes Bild.

Im Hinblick auf die kommenden Bundestagswahlen hat die PTK Hamburg einen Katalog an Themen zusammengestellt, für die in der kommenden Legislaturperiode hoher Entwicklungs- und Handlungsbedarf besteht – bundesweit und in Hamburg. Einer der zentralen Punkte des Positionspapiers „Politik für psychisch kranke Menschen“ betrifft die Forderung nach einer grundlegenden Reform der Bedarfsplanung. „Für Hamburg bedeutet das konkret, regionale Bedarfe und Versorgungserfordernisse noch genauer zu untersuchen, um aktuelle Versorgungsengpässe zu schließen und in der Zukunft zu vermeiden“, so die Präsidentin. Die Reaktionen der Hamburger Parteien fallen unterschiedlich aus.

SPD-Sprecher Lars Balcke sieht den Handlungsbedarf aufseiten der Selbstverwaltung von Kassenärztlichen Vereinigungen und Krankenkassen. „Den Auftrag zur Überarbeitung der Bedarfsplanungsrichtlinie, die zukünftig kleinräumiger und unter Einbeziehung der sozioökonomischen Faktoren erfolgen soll, konnten wir in den Verhandlungen zum GKV-Versorgungsstärkungsgesetz durchsetzen. Nun ist es an der gemeinsamen Selbstverwaltung, die Überarbeitungen vorzunehmen.“

Auch Dr. Christoph Ploß von der CDU sieht die Selbstverwaltung am Zug: „Wir erwarten, dass die ärztlichen und psychologischen Psychotherapeuten sich in den Gremien der gemeinsamen Selbstverwaltung verantwortungsbewusst einbringen und zur Sicherung der Versorgung beitragen.“ Er betont aber zugleich: „Unabhängig von den von den Selbstverwaltungspartnern vereinbarten Lösungen werden auch wir das Thema kritisch im Blick behalten.“

Anja Hajduk und Manuel Sarrazin Kandidatin und Kandidat von Bündnis 90/DIE GRÜNEN für den Bundestag bejahen die von der PTK Hamburg geforderte Reform der Bedarfsplanung und teilen die Ansicht, dass die der Bedarfsplanung zugrunde gelegten Verhältniszahlen nicht den realen Versorgungsbedarf widerspiegeln. In ihrer schriftlichen Antwort betonen sie: „Damit Menschen in Krisen die Unterstützung bekommen, die sie brauchen, muss das psychotherapeutische Angebot bedarfsgerecht ausgebaut und hierfür die Bedarfsplanung grundlegend reformiert werden.“

Auch Dr. Wieland Schinnenburg, Bundestagskandidat der FDP für Hamburg, bestätigt das Dilemma in der Hansestadt. „Nominelle Überversorgung und lange Wartezeiten zeigen, wie unzureichend die Bedarfsplanung ist.“ Den Grund dafür sieht der Politiker in der Planung selbst. „Das ist das Problem jeder Planwirtschaft, die niemals geeignet ist, den wirklichen Bedürfnissen der Menschen zu entsprechen.“ Er zeigt sich skeptisch dem Ansatz gegenüber, dass eine korrigierte Datenerhebung zu einer optimalen Bedarfsplanung führt. „Das mag eine gewisse Verbesserung bringen, jedoch bleibt es bei einer Planwirtschaft und dazu wird viel Energie auf die Erhebung der Daten verwendet. Diese sollte besser der Patientenbehandlung zukommen“, so der Sprecher der FDP. „Deshalb bin ich für eine großzügige Zulassung von Psychotherapeuten,“ erklärt Dr. Schinnenburg.

Olga Fritzsche, die das Hamburger Regionalbüro für DIE LINKE- Kandidat Fabio De Masi leitet, bekräftigt die Forderung der PTK Hamburg. „Eine bedarfsgerechte Versorgung ist, auch wenn dies für den Hamburger Raum so attestiert wird, bisher in keiner Weise gegeben.“ Sie plädiert für eine kleinräumige Planung. „Insbesondere in Gebieten, die einkommensschwächer sind, ist die Zahl der dort ansässigen PsychotherapeutInnen viel zu gering“, so die Sprecherin. „Unabhängig vom Versicherungsstatus und Einkommen muss jedem Menschen der dessen bedarf, eine psychotherapeutische Beratung oder Behandlung in einem angemessenen Zeitrahmen zur Verfügung stehen. Die Bedarfsplanung sollte den tatsächlichen Bedarfen (unter Berücksichtigung der erhöhten Bedarfe bei bestimmen Personengruppen wie Arbeitslosen, Geflüchteten etc.) entsprechend umgehend reformiert werden.“

Das Positionspapier „Politik für psychisch kranke Menschen“ finden Sie unter diesem Link.


Für die vollständigen Stellungnahmen der Politikerinnen und Politiker, weitere Hintergrundinformationen sowie Interviewwünsche wenden Sie sich bitte an:
Dipl.- Psych. Heike Peper | Präsidentin
Psychotherapeutenkammer Hamburg
peper[at]ptk-hamburg.de |Tel.: 040 226 226 060


Downloads
PM: PTK Hamburg fordert: Schluss mit langen Wartezeiten – grundlegende Reform der Bedarfsplanung nötig!

ARBEIT ZU DRITT – MODELLPROJEKT ZUR INTEGRATION VON SPRACHMITTLERINNEN IN DIE AMBULANTE PSYCHOTHERAPEUTISCH-PSYCHIATRISCHE VERSORGUNG

Ab dem 1.9.2017 können sich Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten sowie Psychiaterinnen und Psychiater, die in der ambulanten Versorgung in Hamburg tätig sind, bei der Psychosozialen Beratungs- und Koordinierungsstelle SEGEMI melden und bekommen eine Sprachmittlerin / einen Sprachmittler für die Behandlung von nicht Deutsch sprechenden Patientinnen und Patienten kostenlos vermittelt.

Nachdem die Hamburgische Bürgerschaft am 9.11.2016 beschlossen hatte, aus dem Integrationsfonds Mittel in Höhe von 200.000 € für das Projekt zur Verfügung zu stellen, sind nun alle Vorbereitungen für den „Dolmetscher-/Sprachmittlerpool“ abgeschlossen. In einer Informationsveranstaltung am 20.9.2017 wird das Projekt dem Fachpublikum vorgestellt (siehe anliegende Ankündigung). Die erfahrene Sprachmittlerin Rabia Tayyeb wird von ihren bisherigen Erfahrungen berichten. Jasmina Wichers, Koordinatorin des Projekts, wird das Antragsverfahren und die notwendigen Formalitäten erklären.

Dr. Mike Mösko, Vorsitzender des gemeinnützigen Vereins SEGEMI: „Wir sind froh, dass wir jetzt starten können. Zurzeit können wir qualifizierte Sprachmittlerinnen und Sprachmittler für zehn Sprachen vermitteln. Wir haben das Antragsverfahren so einfach wie möglich gestaltet. Die Vergütung der Sprachmittlerinnen und Sprachmittler erfolgt direkt über die Beratungs- und Koordinierungsstelle.“

Das Modellprojekt wurde in Kooperation von SEGEMI, der Psychotherapeutenkammer Hamburg und dem PARITÄTISCHEN Wohlfahrtsverband Hamburg entwickelt.

Dipl.-Psych. Heike Peper, Präsidentin der Psychotherapeutenkammer Hamburg: „Wir laden auch ausdrücklich Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, die sich noch in der Ausbildung befinden, zur Veranstaltung ein. Denn erste Erfahrungen mit psychotherapeutischen Behandlungen, die durch eine Sprachmittlerin bzw. einen Sprachmittler unterstützt werden, sollten bereits in der Ausbildung erworben werden.“

Das in Deutschland einzigartige Projekt hat zunächst eine Laufzeit von einem Jahr und wird in dieser Zeit begleitend wissenschaftlich evaluiert.

Joachim Speicher, Geschäftsführender Vorstand des PARITÄTISCHEN Wohlfahrtsverbands Hamburg: „Wir sind gespannt auf die Akzeptanz und Inanspruchnahme des Dolmetscherpools und erhoffen uns von der begleitenden Evaluation wichtige Erkenntnisse und Rückmeldungen aus den psychotherapeutischen bzw. psychiatrischen Praxen. Unser Ziel ist die Verstetigung einer Finanzierung von Sprachmittlung im Gesundheitswesen.“


– Pressemitteilung: 27.09.2017: Sprachmittlerpool startet.pdf (PDF, 535 kb)

– Veranstaltung „Arbeit zu Dritt – Modellprojekt zur Integration von SprachmittlerInnen in die ambulante psychotherapeutisch-psychiatrische Versorgung“


Rückfragen und Interviewwünsche richten Sie bitte an:

Dr. Mike Mösko, SEGEMI Seelische Gesundheit • Migration und Flucht e.V.:
sprachmittler@segemi.org , Tel.: 040-63692499

Dipl. Psych. Heike Peper, Psychotherapeutenkammer Hamburg:
peper@ptk-hamburg.de, Tel.: 040 – 226 226 060

Joachim Speicher, der PARITÄTISCHE Wohlfahrtsverband Hamburg:
info@paritaet-hamburg.de , Tel.: 040 41 52 01 0

DRINGENDE BITTE AN DAS BUNDESMINISTERIUM FÜR GESUNDHEIT, DEN BESCHLUSS DES ERWEITERTEN BEWERTUNGSAUSSCHUSSES VOM 29.03.2017 ZU BEANSTANDEN.

Pressemitteilung der PTK Hamburg vom 30.03.2017

Nach dem Beschluss des Erweiterten Bewertungsausschusses am 29.03.2017 zur Vergütung der neu in die Psychotherapie-Richtlinie aufgenommen Leistungen der psychotherapeutischen Sprechstunde und der Akutbehandlung droht die Reform zu scheitern. Im Vergleich zu den genehmigten Therapiesitzungen soll die Vergütung der neuen Leistungen um ca. 5% geringer ausfallen, obwohl damit deutlich höhere Anforderungen an die Praxisorganisation und mehr Koordinationsaufgaben verbunden sein werden.

Kammerpräsidentin Heike Peper: „Dieser Beschluss ist mehr als enttäuschend und nicht hinnehmbar. Er wird vermutlich dazu führen, dass die psychotherapeutischen Praxen die neuen Leistungen gar nicht oder nur im vorgeschriebenen Mindestmaß, z.B. bei den Sprechstunden, anbieten werden. Der Wille der Politik, durch eine Flexibilisierung und Erweiterung des Behandlungsangebots die psychotherapeutische Versorgung zu verbessern, wird so ad absurdum geführt. Wir richten deshalb an das Bundesministerium für Gesundheit die dringliche Bitte, diesen Beschluss des Bewertungsausschusses zu beanstanden.“

Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten setzen ihr Wissen, ihre Kompetenzen, ihre Arbeitskraft zum Wohle ihrer Patientinnen und Patienten ein, und sie müssen ihre Praxen auch wirtschaftlich führen können. Der aktuelle Beschluss des Bewertungsausschusses steht in einer Reihe bisheriger Beschlüsse, in denen die Vergütung psychotherapeutischer Leistungen fortgesetzt zu gering bemessen wurde. In der Vergangenheit mussten deshalb höchstrichterliche Entscheidungen zu Neuberechnungen und Nachzahlungen erstritten werden. Deshalb fordern Psychotherapeutenkammern und Berufsverbände schon lange eine gesetzliche Regelung zur angemessenen Vergütung psychotherapeutischer Leistungen. Es zeigt sich, dass diese nötiger denn je ist.

Downloads
Pressmitteilung: Reform der Psychotherapierichtlinie droht zu scheitern