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Enaktive Traumatherapie – Fortsetzungskurs

22. März 2023 @ 9:00 - 2. Dezember 2023 @ 17:00

1. Modul – LIVE
2. und 3. Modul – ONLINE
Dieser Kurs richtet sich an Kolleg:innen, die den Grundkurs zur traumabedingten Dissoziation / Enaktive Traumatherapie absolviert haben und ihr Verständnis und ihre Fähigkeit zur Behandlung chronisch traumatisierter Patient:innen erweitern möchten.
Auf diesem Weg werden die Prinzipien des enaktiven Ansatzes von Ellert Nijenhuis in Bezug auf Trauma und Dissoziation vertieft.
Das damit verbundene Verständnis, die Fähigkeiten und die Interventionen sind in den Bänden I / II und III von Ellert Nijenhuis (Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2015, 2017) beschrieben. Deutsche Übersetzungen von Band I / II & III sind verfügbar: Die Trauma-Trinität: Ignoranz-Fragilität-Kontrolle). Die Teilnehmer:innen werden gebeten, diese Bücher zu studieren.

Die Teilnehmer:innen werden eingeladen, klinische Fälle vorzustellen. Diese Fälle werden verwendet, um die Durchführung von Fallanalysen zu üben, detaillierte Behandlungspläne und spezifische Interventionen zu entwerfen und die Durchführung der Interventionen auf geschickte Weise vorzubereiten. Alle Teilnehmer:innen nehmen an Rollenspielen teil, um sicherzustellen, dass sie den Kurs mit einem soliden erfahrungsbezogenen und konzeptuellen Verständnis der Bedürfnisse, Wünsche, Gefühle, Gedanken und Verhaltensweisen dissoziativer Patient:innen verlassen.
Die Rollenspiele dienen auch dazu, die Kenntnisse über die klinischen Instrumente zu vertiefen, die für die Durchführung enaktiver Traumabewertungen und Therapien bei komplexen Fällen erforderlich sind.

Erstes Modul – Live im Mazza in Hamburg
Der führende theoretische und praktische Kompass in diesem Kurs wird eine Ökologie von Trauma und Dissoziation sein, die eine enaktive Vorgehensweise einschließt.
Das erste Modul ist darauf ausgerichtet, das Verlangen und Streben und die Handlungssysteme der Patient:innen genauer zu untersuchen.
Auf Basis der „mentalen Ökonomie“ nach Pierre Janet wird hierzu eine Tiefenanalyse der Funktionen der:des Patient:in erstellt.
Wichtig hierbei ist die Untersuchung, welchen „Gewinn“ und welche „Kosten“ gewisse Handlungen des:der Patient:in im Laufe seiner:ihres Lebens gehabt haben und haben werden. Weiterhin geht es darum zu erleben und zu untersuchen, wie momentan ein vorteilhafteres Gleichgewicht zwischen verschiedenen Verlangen und Streben und den Handlungssystemen erreicht werden kann und wie Konflikte im Verlangen überwunden werden können.
Bei diesem Modul wird es auch darum gehen, wie Therapeut:innen ihre Patient:innen darin unterstützen können, die Diagnosekrise zu bewältigen und ihre Phobie gegenüber der therapeutischen Beziehung und Bindung in der Anfangsphase der Behandlung zu vermindern oder überwinden.

Weiterhin wird mit Hilfe einer erstellten Tiefenanalyse die Behandlung der Ersatzhandlungen besprochen, das sind z.B. Handlungen auf niedrigen Handlungsebenen wie Suizidalität, Substanz (miss/ge) brauch und Abbruch persönlicher Beziehungen, einschließlich der Beziehung zur:zum Therapeut:in und dem therapeutischen Team. Diese Handlungen ersetzen schwierigere, aber effektivere Handlungen einer höheren Ebene. Reflexartige psychische Reaktionen werden aus der Perspektive der Ersatzhandlungen untersucht. In der Gruppe werden Möglichkeiten diskutiert und eingeübt, adaptive reflektierte und experimentelle Handlungen besser aufzubauen und zu halten.

Zweites Modul – Online
Die Teilnehmer:innen erproben verschiedene Möglichkeiten, Patient:innen zu unterstützen, ihre traumatischen Erinnerungen zu integrieren.
Die Integration traumatischer Erinnerungen sind generell schwierige psychische Handlungen, die im Rahmen einer chronischen Traumatisierung häufig nur dann in erreichbarer Nähe sind, wenn die:der Patient:in es schafft, ihre:seine Bindung mit der:dem Therapeut:in und dem therapeutischen Team zu vertiefen und aufrecht zu erhalten. Ziel ist es auch, Handlungen zu erkennen, die Beziehungstraumatisierte verwenden, um die Bindung in der Beziehung zu zerstören. Es wird die Frage behandelt, wie die Zeichen von (drohenden) Unterbrechungen unterstützender Bindung zu erkennen sind, die Bindung in den Beziehungen zu der:dem Therapeut:in und zum therapeutischen Team wiederhergestellt und verbessert werden können.

Drittes Modul – Online
Schwerpunkt des dritten und letzten Moduls ist die Übertragung und Gegenübertragung. Übertragung und Gegenübertragung umfassen Verlangen und Streben die in klinischen Situationen empfunden und dargestellt werden. Sie sind jedoch in diesem Kontext weder nützlich noch schädlich.
Die Teilnehmer:innen werden dazu eingeladen, ihre eigenen Reaktionen auf ihre verschiedenen Patient:innen im Sinne der Handlungspsychologie zu erleben und analysieren. Hierbei wird deutlich, dass Gegenübertragungs(re)aktionen als Ersatzhandlungen empfunden und verstanden werden können. Sie ersetzen effektivere aber anspruchsvollere klinische Handlungen. Gegenübertragungs(re)aktionen entstehen zum Beispiel, wenn die Handlungen der:des Patient:in das Verteidigungssystem des:der Therapeut:in auslöst und damit die:der Therapeut:in die Fähigkeit verliert, klinisch nützlich zu handeln. Es werden Möglichkeiten erörtert und erprobt, solche verständlichen aber ineffektiven Handlungen aufzufinden, damit umzugehen, und sie zu bewältigen und umzusetzen in effiziente und effektive therapeutischen Handlungen.

Die Online-Module beinhalten:
Power-Point-gestützte Vortragsteile mit anschließender Diskussion
Kleingruppenarbeit in Breakout-Sessions
Filmausschnitte mit anschließender Diskussion
Austausch und Diskussion in der Großgruppe
Pausenräume zur persönlichen Begegnung